Wien und das Ende der Fit­ness

Der Umzug in eine ande­re Stadt auf Grund eines berufs­be­ding­ten Stel­len­wech­sels des Ehe­manns berech­tigt die Kun­din eines Fit­ness­stu­di­os zur frist­lo­sen Kün­di­gung.

Wien und das Ende der Fit­ness

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall schloss die spä­te­re Beklag­te im Janu­ar 2006 einen Fit­ness­ver­trag mit einem Fit­ness­stu­dio. Als Lauf­zeit wur­den 24 Mona­te ver­ein­bart. Im Juni 2006 kün­dig­te sie den Ver­trag zum Ende August, weil sie infol­ge eines berufs­be­ding­ten Stel­len­wech­sels ihres Ehe­manns von Mün­chen nach Wien ver­zog. Der Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os akzep­tier­te die Kün­di­gung nicht und ver­lang­te die Gebüh­ren bis Janu­ar 2008. Bei einem Fit­ness­ver­trag han­de­le es sich um einen Miet­ver­trag. Das Risi­ko eines Umzu­ges fal­le, so der Stu­dio­be­trei­ber, allei­ne in die Sphä­re der Beklag­ten.

Da sei­ne Kun­din nicht wei­ter zahl­te, klag­te er die sei­ner Mei­nung nach fäl­li­gen Bei­tra­ge ein. Das Amts­ge­richt Mün­chen wies die Kla­ge jedoch ab:

Bei einem Fit­ness­ver­trag han­de­le es sich um ein Dau­er­schuld­ver­hält­nis. Dar­über hin­aus sei er ein soge­nann­ter gemischt typi­scher Ver­trag, d.h. er beinhal­te Ele­men­te des Miet‑, aber auch des Dienst­ver­trags­rechts. Des­halb fin­de § 314 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB) Anwen­dung. Danach kön­nen Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se gekün­digt wer­den, wenn ein wich­ti­ger Grund vor­lie­ge. Ein sol­cher Grund sei gege­ben, wenn unter Berück­sich­ti­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen­la­ge die Fort­set­zung des Ver­tra­ges für eine Sei­te unzu­mut­bar sei. Dabei blie­ben Umstän­de unbe­rück­sich­tigt, die aus­schließ­lich in die Risi­ko­sphä­re der kün­di­gen­den Par­tei fal­len. Dazu gehö­re zwar grund­sätz­lich auch die Fra­ge der tat­säch­li­chen Nut­zung des Stu­di­os. Kön­ne aber wie hier die Ver­trags­par­tei auf Grund eines Umzu­ges ange­sichts der Ent­fer­nung das Ange­bot prak­tisch gar nicht mehr nut­zen, sei ein Fest­hal­ten am Ver­trag nicht zumut­bar. Grund­sätz­lich kön­ne einer Ver­trags­par­tei zwar eine etwas wei­te­re Anrei­se zuge­mu­tet wer­den. Die Ent­fer­nung Wien-Mün­chen gehe aber über eine zumut­ba­re Anrei­se­ent­fer­nung hin­aus.

Dem Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os sei zwar Recht zu geben, dass ein Umzug grund­sätz­lich auf eine Wil­lens­ent­schei­dung der ande­ren Ver­trags­par­tei zurück­zu­füh­ren sei. Dies hin­de­re jedoch nicht von vor­ne­her­ein die Anwen­dung des § 314 BGB, son­dern sei bei der Gesamt­be­wer­tung zu berück­sich­ti­gen. Hier wür­de das Fest­hal­ten am Ver­trag dazu füh­ren, dass die Beklag­te trotz Zah­lung des vol­len Ent­gel­tes kei­ner­lei Leis­tun­gen des Fit­ness­stu­di­os mehr in Anspruch neh­men kön­ne. Grund dafür sei ein Umzug, den sie nicht zu ver­ant­wor­ten habe und auch nur schwer steu­ern kön­ne, da er auf einen berufs­be­ding­ten Stel­len­wech­sels des Ehe­manns zurück­zu­füh­ren sei. Ein Fest­hal­ten am Ver­trag sei daher nicht zumut­bar.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 17. Dezem­ber 2008 – 212 C 15699/​08 (rechts­kräf­tig)