Wirk­sam­keit einer Wider­rufs­be­leh­rung nach dem Mus­ter der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung

Eine Wider­rufs­be­leh­rung, die nach dem Mus­ter der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung erteilt wor­den ist, ent­spricht zwar nicht den Vor­ga­ben des § 355 BGB, gilt aber auf­grund der in § 14 der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung gere­gel­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on gleich­wohl als ord­nungs­ge­mäß. Der Ver­wen­der einer Wider­rufs­be­leh­rung kann sich auf die Schutz­wir­kun­gen des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV beru­fen, wenn er das in Anla­ge 2 zu § 14 Abs. 1 BGB-InfoV gere­gel­te Mus­ter für die Wider­rufs­be­leh­rung ver­wen­det hat.

Wirk­sam­keit einer Wider­rufs­be­leh­rung nach dem Mus­ter der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung

Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof lag der Fall eines Kfz-Lea­sing­ver­tra­ges zugrun­de: Die Klä­ge­rin, eine Lea­sing­ge­sell­schaft, und die Beklag­te schlos­sen im Novem­ber 2006 für die Dau­er von 54 Mona­ten einen Lea­sing­ver­trag über einen Pkw Audi A6 Avant. Nach­dem ab Juni 2009 die ver­ein­bar­ten Lea­sing­ra­ten von monat­lich 640 € aus­ge­blie­ben waren, kün­dig­te die Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 3. Sep­tem­ber 2009 den Lea­sing­ver­trag frist­los und ver­wer­te­te das Fahr­zeug in der Fol­ge­zeit für 10.555 €. Die Beklag­te wider­rief am 22. Febru­ar 2010 ihre Ver­trags­er­klä­rung.

Der Lea­sing­ver­trag ent­hält auf einer geson­der­ten Sei­te eine von der Beklag­ten unter­zeich­ne­te Wider­rufs­be­leh­rung, die dem Text der Mus­ter­be­leh­rung der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung in der bei Ver­trags­schluss gül­ti­gen Fas­sung ent­spricht und aus­zugs­wei­se wie folgt lau­tet:

"(…) Sie kön­nen Ihre Ver­trags­er­klä­rung inner­halb von zwei Wochen ohne Anga­be von Grün­den in Text­form (z. B. Brief, Fax, E‑Mail) durch Rück­sen­dung der Sache wider­ru­fen. Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung. Zur Wah­rung der Wider­rufs­frist genügt die recht­zei­ti­ge Absen­dung des Wider­rufs oder der Sache. (…)"

Die Klä­ge­rin hat­te mit ihrer Kla­ge auf Zah­lung von ins­ge­samt 19.341,37 € nebst Zin­sen für rück­stän­di­ge Lea­sing­ra­ten, einen Rest­wert­aus­gleich sowie Sicher­stel­lungs­kos­ten sowohl erst­in­stanz­lich vor dem Land­ge­richt Kon­stanz 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 2 Erfolg.

Und auch der Bun­des­ge­richts­hof gab nun der Klä­ge­rin Recht und wies die Die vom OLG Karls­ru­he zuge­las­se­ne Revi­si­on der Beklag­ten zurück. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass die Wider­rufs­be­leh­rung die Wider­rufs­frist spä­tes­tens mit dem Voll­zug des Lea­sing­ver­tra­ges im Jahr 2006 in Lauf gesetzt hat und der Wider­ruf der Beklag­ten daher ver­spä­tet war.

Die Wider­rufs­be­leh­rung genügt zwar den Anfor­de­run­gen des in § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF gere­gel­ten Deut­lich­keits­ge­bots nicht, weil die Ver­wen­dung des Wor­tes "frü­hes­tens" es dem Ver­brau­cher nicht ermög­licht, den Beginn der Wider­rufs­frist ohne wei­te­res zu erken­nen. Die Klä­ge­rin kann sich für die Wirk­sam­keit der von ihr ver­wen­de­ten Wider­rufs­be­leh­rung jedoch dar­auf beru­fen, dass die­se dem Mus­ter der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung ent­spricht und somit gemäß § 14 Abs. 1 der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung aF als ord­nungs­ge­mäß gilt (Gesetz­lich­keits­fik­ti­on). Die in § 14 der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung gere­gel­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on wird von der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des Art. 245 Nr. 1 EGBGB aF gedeckt und ist wirk­sam. Denn mit die­ser Ermäch­ti­gung ver­folg­te der Gesetz­ge­ber vor­ran­gig den Zweck, die Geschäfts­pra­xis der Unter­neh­mer zu ver­ein­fa­chen und Rechts­si­cher­heit zu schaf­fen. Die­ser Zweck wür­de ver­fehlt, wenn sich der Unter­neh­mer auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on der von ihm ver­wen­de­ten Mus­ter­be­leh­rung nicht beru­fen könn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15.08.12 – VIII ZR 378/​11

  1. LG Kon­stanz, Urteil vom 22.02.2011 – 4 O 248/​10[]
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 08.12.2011 – 9 U 52/​11[]
  3. in der ab dem 1.01.2002 gel­ten­den Fas­sung[]