Wirt­schaft­li­cher Total­scha­den und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung nach Eigen­re­pa­ra­tur

Ein Unfall­ge­schä­dig­ter kann (fik­tiv) die vom Sach­ver­stän­di­gen geschätz­ten Repa­ra­tur­kos­ten bis zur Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­werts in der Regel nur abrech­nen, wenn er das Fahr­zeug min­des­tens sechs Mona­te wei­ter­nutzt und es zu die­sem Zweck – falls erfor­der­lich – ver­kehrs­si­cher (teil-)reparieren lässt. Vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist kann der Geschä­dig­te, der sein Fahr­zeug tat­säch­lich repa­riert oder repa­rie­ren lässt, Repa­ra­tur­kos­ten, die den Wie­der­be­schaf­fungs­wert nicht über­stei­gen, regel­mä­ßig nur ersetzt ver­lan­gen, wenn er den kon­kret ange­fal­le­nen Repa­ra­tur­auf­wand gel­tend macht.

Wirt­schaft­li­cher Total­scha­den und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung nach Eigen­re­pa­ra­tur

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann ein Unfall­ge­schä­dig­ter fik­tiv die vom Sach­ver­stän­di­gen geschätz­ten (über dem Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wand lie­gen­den) Repa­ra­tur­kos­ten bis zur Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­werts in der Regel nur abrech­nen, wenn er das Fahr­zeug min­des­tens sechs Mona­te wei­ter nutzt und es zu die­sem Zweck – falls erfor­der­lich – ver­kehrs­si­cher (teil-) repa­rie­ren lässt 1.

Zwar kann der Geschä­dig­te, der sein Fahr­zeug tat­säch­lich repa­rie­ren lässt, grund­sätz­lich auch vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist die Erstat­tung der kon­kret ange­fal­le­nen Repa­ra­tur­kos­ten ver­lan­gen, wenn die­se den Wie­der­be­schaf­fungs­wert nicht über­stei­gen 2. Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall begehrt der Klä­ger jedoch nicht die Erstat­tung der kon­kre­ten Kos­ten der tat­säch­lich durch­ge­führ­ten Repa­ra­tur, son­dern er will – eben­so wie der Geschä­dig­te in dem dem BGH-Urteil vom 29. April 2008 3 zugrun­de lie­gen­den Fall – sei­nen Scha­den fik­tiv auf der Basis der vom Sach­ver­stän­di­gen geschätz­ten Repa­ra­tur­kos­ten berech­nen, obwohl er das Fahr­zeug nicht min­des­tens sechs Mona­te wei­ter­ge­nutzt hat. Die­se Mög­lich­keit der Scha­dens­ab­rech­nung ist ihm jedoch – wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits in sei­nem vor­ge­nann­ten Urteil ent­schie­den hat – aus Rechts­grün­den ver­sagt.

Der Auf­fas­sung, im vor­lie­gen­den Fall der Eigen­re­pa­ra­tur wer­de bei der Ver­äu­ße­rung nicht der Rest­wert rea­li­siert, so dass der Geschä­dig­te mit sei­ner Abrech­nung der Repa­ra­tur­kos­ten nicht gegen das Berei­che­rungs­ver­bot ver­sto­ße, kann nicht bei­getre­ten wer­den. Bei der Ver­äu­ße­rung des in Eigen­re­gie repa­rier­ten Unfall­fahr­zeugs wird näm­lich (inzi­dent) auch der nach dem Unfall ver­blie­be­ne Rest­wert des Fahr­zeu­ges rea­li­siert. Des­halb wür­de es unter den Umstän­den des Streit­fal­les gegen das Berei­che­rungs­ver­bot ver­sto­ßen, wenn der Geschä­dig­te, der wert­mä­ßig in gerin­ge­rem Umfang eine Teil­re­pa­ra­tur durch­füh­ren lässt, (fik­tiv) die Kos­ten einer – tat­säch­lich nicht durch­ge­führ­ten – voll­stän­di­gen und fach­ge­rech­ten Repa­ra­tur abrech­nen könn­te. Das Beru­fungs­ge­richt hat gera­de nicht fest­ge­stellt, dass der Geschä­dig­te im Streit­fall wert­mä­ßig in einem Umfang repa­riert hat, der dem vom Sach­ver­stän­di­gen in sei­nem Gut­ach­ten geschätz­ten Repa­ra­tur­auf­wand ent­spricht. Mit­hin kann der Klä­ger ent­spre­chend dem Urteil des Land­ge­richts ledig­lich den Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wand, also den Wie­der­be­schaf­fungs­wert abzüg­lich des Rest­wer­tes (vor der Repa­ra­tur), ver­lan­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2010 – VI ZR 35/​10

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.04.2003 – VI ZR 393/​02, BGHZ 154, 395 ff.; vom 23.05.2006 – VI ZR 192/​05, BGHZ 168, 43 ff.; und vom 29.04.2008 – VI ZR 220/​07, VersR 2008, 839[]
  2. BGH, Urteil vom 05.12.2006 – VI ZR 77/​06, VersR 2007, 372[]
  3. BGH, Urteil vom 29.04.2008 – VI ZR 220/​07, aaO[]