Wohn­hei­men für geis­tig behin­der­te Men­schen – und die Schutz­pflich­ten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Schutz­pflich­ten eines Wohn­heims für Men­schen mit einer geis­ti­gen Behin­de­rung gegen­über sei­nen Bewoh­nern prä­zi­siert.

Wohn­hei­men für geis­tig behin­der­te Men­schen – und die Schutz­pflich­ten

Anlass hier­für bot ihm die Kla­ge einer 1969 gebo­re­nen Klä­ger, die seit März 2012 in einem sol­chen Wohn­heim wohnt. Sie ist geis­tig behin­dert (Pra­der-Wil­li-Syn­drom) und hat eine deut­li­che Intel­li­genz­min­de­rung. Mit ihrer Kla­ge nimmt sie die Trä­ge­rin des Wohn­heims auf Schmer­zens­geld und Scha­dens­er­satz wegen Ver­brü­hun­gen in Anspruch, die sie in der Ein­rich­tung erlit­ten hat:

Im April 2013 beab­sich­tig­te die Heim­be­woh­ne­rin, ein Bad zu neh­men, und bat eine der Betreue­rin­nen des Hei­mes um eine ent­spre­chen­de Erlaub­nis. Die­se wur­de ihr – wie auch schon in der Ver­gan­gen­heit – erteilt. Die Heim­be­woh­ne­rin ließ dar­auf­hin hei­ßes Was­ser in eine mobi­le, in der Dusche bereit gestell­te Sitz­ba­de­wan­ne ein, wobei die Tem­pe­ra­tur­re­ge­lung über einen Ein­he­bel­mi­scher ohne Begren­zung der Heiß­was­ser­tem­pe­ra­tur erfolg­te. Anders als in frü­he­ren – pro­blem­los ver­lau­fe­nen – Fäl­len war das aus­strö­men­de Was­ser so heiß, dass die Heim­be­woh­ne­rin schwers­te Ver­brü­hun­gen an bei­den Füßen und Unter­schen­keln erlitt. Sie schrie laut­stark, konn­te sich aber nicht selbst aus der Situa­ti­on befrei­en. Dies gelang erst, als ein ande­rer Heim­be­woh­ner ihr zur Hil­fe eil­te, das Was­ser abließ und eine Pfle­ge­kraft her­bei­rief.

Bei der nach­fol­gen­den Heil­be­hand­lung im Kran­ken­haus wur­den meh­re­re Haut­trans­plan­ta­tio­nen durch­ge­führt. Es kam zu erheb­li­chen Kom­pli­ka­tio­nen. Unter ande­rem wur­de die Heim­be­woh­ne­rin mit einem mul­ti­re­sis­ten­ten Keim infi­ziert. Sie ist inzwi­schen nicht mehr geh­fä­hig und auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen, weil sich soge­nann­te Spitz­fü­ße gebil­det haben. Außer­dem ver­schlech­ter­te sich ihr psy­chi­scher Zustand, was sich unter ande­rem in häu­fi­gen und anhal­ten­den Schrei­an­fäl­len äußert.

Die Heim­be­woh­ne­rin hat gel­tend gemacht, das aus­tre­ten­de Was­ser müs­se annä­hernd 100 °C heiß gewe­sen sein. Aber selbst eine kon­stan­te Ein­stel­lung der Was­ser­tem­pe­ra­tur auf "nur" 60 °C sei zu hoch. Zur Abtö­tung etwai­ger Kei­me genü­ge es, das Was­ser ein­mal am Tag auf 60 °C auf­zu­hei­zen. In der DIN EN 806 – 2 für die Pla­nung von Trink­was­ser­in­stal­la­tio­nen wer­de für bestimm­te Ein­rich­tun­gen wie Kran­ken­häu­ser, Schu­len und Senio­ren­hei­me eine Höchst­tem­pe­ra­tur von 43 °C, in Kin­der­gär­ten und Pfle­ge­hei­men sogar von nur 38 °C emp­foh­len. Es sei pflicht­wid­rig gewe­sen, sie ohne Auf­sicht und ins­be­son­de­re ohne Kon­trol­le der Was­ser­tem­pe­ra­tur ein Bad neh­men zu las­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Bemen hat die auf Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des von min­des­tens 50.000 € und einer monat­li­chen Ren­te von 300 € sowie auf Fest­stel­lung der Ersatz­pflicht der Wohn­heim­trä­ge­rin für wei­te­re mate­ri­el­le und imma­te­ri­el­le Schä­den gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen 1. Auch die Beru­fung der Heim­be­woh­ne­rin hat vor dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men kei­nen Erfolg gehabt 2. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Bre­men kann aus der DIN EN 806 – 2 kei­ne Pflicht des Wohn­heims her­ge­lei­tet wer­den, die Was­ser­ent­nah­me­stel­le mit einer Tem­pe­ra­tur­be­gren­zung aus­zu­stat­ten. Es han­de­le sich um eine tech­ni­sche Regel, die die Pla­nung von Trink­was­ser­an­la­gen betref­fe und über­dies erst 2005 und damit erst Jahr­zehn­te nach Errich­tung des Wohn­heim­ge­bäu­des in Kraft getre­ten sei. Es kön­ne den Mit­ar­bei­tern des Wohn­heims auch nicht vor­ge­wor­fen wer­den, die Heim­be­woh­ne­rin beim Baden nicht beauf­sich­tigt und die Was­ser­tem­pe­ra­tur nicht kon­trol­liert zu haben. Die Heim­be­woh­ne­rin habe stets pro­blem­los allein geduscht und geba­det. Sie sei vor dem Unfall in eine Hilfs­be­darfs­grup­pe ein­ge­stuft gewe­sen, die für einen rela­tiv hohen Grad an Selb­stän­dig­keit spre­che. Die Wohn­heim­mit­ar­bei­ter hät­ten nicht ernst­haft mit der Mög­lich­keit rech­nen müs­sen, dass die Heim­be­woh­ne­rin sich beim Umgang mit der Misch­bat­te­rie ver­brü­hen könn­te. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun der Revi­si­on der Heim­be­woh­ne­rin gegen das Beru­fungs­ur­teil statt­ge­ge­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men zurück­ver­wie­sen:

Der Heim­be­trei­ber habe, so der Bun­des­ge­richts­hof, die Pflicht, unter Wah­rung der Wür­de und des Selbst­be­stim­mungs­rechts der ihm anver­trau­ten Bewoh­ner die­se vor Gefah­ren zu schüt­zen, die sie nicht beherr­schen. Wel­chen kon­kre­ten Inhalt die Ver­pflich­tung hat, einer­seits die Men­schen­wür­de und das Frei­heits­recht eines kör­per­lich oder geis­tig beein­träch­tig­ten Heim­be­woh­ners zu ach­ten und ande­rer­seits sein Leben und sei­ne kör­per­li­che Unver­sehrt­heit zu schüt­zen, kann nicht gene­rell, son­dern nur auf­grund einer Abwä­gung sämt­li­cher Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­falls ent­schie­den wer­den.

In die­se Ein­zel­fall­ab­wä­gung kön­nen auch tech­ni­sche Rege­lun­gen wie ins­be­son­de­re DIN-Nor­men ein­zu­be­zie­hen sein, die in Hin­blick auf eine bestimm­te Gefah­ren­la­ge bestehen. Zwar haben DIN-Nor­men als tech­ni­sche Regeln kei­ne nor­ma­ti­ve Gel­tung. Da sie jedoch die wider­leg­li­che Ver­mu­tung in sich tra­gen, den Stand der all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik wie­der­zu­ge­ben, sind sie zur Bestim­mung des nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung Gebo­te­nen in beson­de­rer Wei­se geeig­net und kön­nen des­halb regel­mä­ßig zur Fest­stel­lung von Inhalt und Umfang bestehen­der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten her­an­ge­zo­gen wer­den.

Ein Heim­be­woh­ner, der dem Heim­trä­ger zum Schutz sei­ner kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit anver­traut ist, kann erwar­ten, dass der Heim­trä­ger ihn jeden­falls vor einer in einer DIN-Norm beschrie­be­nen Gefah­ren­la­ge schützt, wenn er selbst auf Grund kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Ein­schrän­kun­gen nicht in der Lage ist, die Gefahr eigen­ver­ant­wort­lich zu erken­nen und ange­mes­sen auf sie zu reagie­ren. Um die dar­aus fol­gen­de Obhuts­pflicht zu erfül­len, muss der Heim­trä­ger, soweit dies mit einem ver­nünf­ti­gen finan­zi­el­len und per­so­nel­len Auf­wand mög­lich und für die Heim­be­woh­ner sowie das Pfle­ge- und Betreu­ungs­per­so­nal zumut­bar ist, nach sei­nem Ermes­sen ent­we­der die Emp­feh­lun­gen der DIN-Norm umset­zen oder aber die erfor­der­li­che Sicher­heit gegen­über der die­ser Norm zugrun­de lie­gen­den Gefahr auf ande­re Wei­se gewähr­leis­ten, um Schä­den der Heim­be­woh­ner zu ver­mei­den.

Dem­entspre­chend war auch der Inhalt der seit Juni 2005 gel­ten­den DIN EN 806 – 2 ("Tech­ni­sche Regeln für Trink­was­ser-Instal­la­tio­nen – Teil 2: Pla­nung") in den Blick zu neh­men. Nach Satz 1 der Nr. 9.3.2 sind Anla­gen für erwärm­tes Trink­was­ser so zu gestal­ten, dass das Risi­ko von Ver­brü­hun­gen gering ist. Ent­spre­chend wird in Satz 2 aus­ge­führt, dass an "Ent­nah­me­stel­len mit beson­de­rer Beach­tung der Aus­lauf­tem­pe­ra­tu­ren" (z.B. Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Senio­ren­hei­me – die Auf­zäh­lung ist nicht abschlie­ßend) ther­mo­sta­ti­sche Misch­ven­ti­le oder ‑bat­te­ri­en mit Begren­zung der obe­ren Tem­pe­ra­tur ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Dabei wird in Satz 3 eine Tem­pe­ra­tur von höchs­tens 43 °C emp­foh­len.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts ist der dadurch vor­ge­se­he­ne Schutz vor Ver­brü­hun­gen im vor­lie­gen­den Fall nicht des­halb ohne Rele­vanz, weil die DIN EN 806 – 2 erst im Juni 2005 ein­ge­führt wur­de und pri­mär die Pla­nung von Trink­was­ser­in­stal­la­tio­nen regelt, ohne die Nach­rüs­tung älte­rer tech­ni­scher Anla­gen expli­zit vor­zu­se­hen. Denn der DIN ist über ihren unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich hin­aus all­ge­mein­gül­tig zu ent­neh­men, dass bei Warm­was­ser­an­la­gen das Risi­ko von Ver­brü­hun­gen besteht, wenn die Aus­lauf­tem­pe­ra­tur mehr als 43 °C beträgt, und des­halb in Ein­rich­tun­gen mit einem beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Benut­zer­kreis ("Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Senio­ren­hei­me usw.") spe­zi­el­le Sicher­heits­vor­keh­run­gen zur Ver­min­de­rung des Risi­kos von Ver­brü­hun­gen erfor­der­lich sind. Nach dem sicher­heits­tech­ni­schen Zweck der Emp­feh­lung sol­len die geschil­der­te appa­ra­ti­ve Tem­pe­ra­tur­be­gren­zung oder ande­re geeig­ne­te Sicher­heits­vor­keh­run­gen über­all dort zum Ein­satz kom­men, wo im Rah­men einer für das Wohl der Bewoh­ner ver­ant­wort­li­chen Ein­rich­tung Per­so­nen leben, die auf Grund ihrer kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Ver­fas­sung nicht in der Lage sind, die mit hei­ßem Was­ser ver­bun­de­nen Gefah­ren zu beherr­schen, und des­halb ein beson­de­rer Schutz vor Ver­brü­hun­gen erfor­der­lich ist.

In die­se Ein­zel­fall­ab­wä­gung kön­nen auch tech­ni­sche Rege­lun­gen wie ins­be­son­de­re DIN-Nor­men ein­zu­be­zie­hen sein, die in Hin­blick auf eine bestimm­te Gefah­ren­la­ge bestehen. Zwar haben DIN-Nor­men als tech­ni­sche Regeln kei­ne nor­ma­ti­ve Gel­tung. Da sie jedoch die wider­leg­li­che Ver­mu­tung in sich tra­gen, den Stand der all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik wie­der­zu­ge­ben, sind sie zur Bestim­mung des nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung Gebo­te­nen in beson­de­rer Wei­se geeig­net und kön­nen des­halb regel­mä­ßig zur Fest­stel­lung von Inhalt und Umfang bestehen­der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten her­an­ge­zo­gen wer­den.

Ein Heim­be­woh­ner, der dem Heim­trä­ger zum Schutz sei­ner kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit anver­traut ist, kann erwar­ten, dass der Heim­trä­ger ihn jeden­falls vor einer in einer DIN-Norm beschrie­be­nen Gefah­ren­la­ge schützt, wenn er selbst auf Grund kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Ein­schrän­kun­gen nicht in der Lage ist, die Gefahr eigen­ver­ant­wort­lich zu erken­nen und ange­mes­sen auf sie zu reagie­ren. Um die dar­aus fol­gen­de Obhuts­pflicht zu erfül­len, muss der Heim­trä­ger, soweit dies mit einem ver­nünf­ti­gen finan­zi­el­len und per­so­nel­len Auf­wand mög­lich und für die Heim­be­woh­ner sowie das Pfle­ge- und Betreu­ungs­per­so­nal zumut­bar ist, nach sei­nem Ermes­sen ent­we­der die Emp­feh­lun­gen der DIN-Norm umset­zen oder aber die erfor­der­li­che Sicher­heit gegen­über der die­ser Norm zugrun­de lie­gen­den Gefahr auf ande­re Wei­se gewähr­leis­ten, um Schä­den der Heim­be­woh­ner zu ver­mei­den.

Dem­entspre­chend war auch der Inhalt der seit Juni 2005 gel­ten­den DIN EN 806 – 2 ("Tech­ni­sche Regeln für Trink­was­ser-Instal­la­tio­nen – Teil 2: Pla­nung") in den Blick zu neh­men. Nach Satz 1 der Nr. 9.3.2 sind Anla­gen für erwärm­tes Trink­was­ser so zu gestal­ten, dass das Risi­ko von Ver­brü­hun­gen gering ist. Ent­spre­chend wird in Satz 2 aus­ge­führt, dass an "Ent­nah­me­stel­len mit beson­de­rer Beach­tung der Aus­lauf­tem­pe­ra­tu­ren" (z.B. Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Senio­ren­hei­me – die Auf­zäh­lung ist nicht abschlie­ßend) ther­mo­sta­ti­sche Misch­ven­ti­le oder Misch­bat­te­ri­en mit Begren­zung der obe­ren Tem­pe­ra­tur ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Dabei wird in Satz 3 eine Tem­pe­ra­tur von höchs­tens 43 °C emp­foh­len.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts ist der dadurch vor­ge­se­he­ne Schutz vor Ver­brü­hun­gen im vor­lie­gen­den Fall nicht des­halb ohne Rele­vanz, weil die DIN EN 806 – 2 erst im Juni 2005 ein­ge­führt wur­de und pri­mär die Pla­nung von Trink­was­ser­in­stal­la­tio­nen regelt, ohne die Nach­rüs­tung älte­rer tech­ni­scher Anla­gen expli­zit vor­zu­se­hen. Denn der DIN ist über ihren unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich hin­aus all­ge­mein­gül­tig zu ent­neh­men, dass bei Warm­was­ser­an­la­gen das Risi­ko von Ver­brü­hun­gen besteht, wenn die Aus­lauf­tem­pe­ra­tur mehr als 43 °C beträgt, und des­halb in Ein­rich­tun­gen mit einem beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Benut­zer­kreis ("Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Senio­ren­hei­me usw.") spe­zi­el­le Sicher­heits­vor­keh­run­gen zur Ver­min­de­rung des Risi­kos von Ver­brü­hun­gen erfor­der­lich sind. Nach dem sicher­heits­tech­ni­schen Zweck der Emp­feh­lung sol­len die geschil­der­te appa­ra­ti­ve Tem­pe­ra­tur­be­gren­zung oder ande­re geeig­ne­te Sicher­heits­vor­keh­run­gen über­all dort zum Ein­satz kom­men, wo im Rah­men einer für das Wohl der Bewoh­ner ver­ant­wort­li­chen Ein­rich­tung Per­so­nen leben, die auf Grund ihrer kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Ver­fas­sung nicht in der Lage sind, die mit hei­ßem Was­ser ver­bun­de­nen Gefah­ren zu beherr­schen, und des­halb ein beson­de­rer Schutz vor Ver­brü­hun­gen erfor­der­lich ist.

Die Heim­be­woh­ne­rin hat vor­ge­tra­gen, nach der Art und dem Aus­maß ihrer Behin­de­rung habe sie zu dem hier­nach schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen­kreis gehört. Da das OLG Bre­men hier­zu noch kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, ist die­ses Vor­brin­gen im Revi­si­ons­ver­fah­ren zugrun­de zu legen. Danach hät­te in dem Wohn­heim aus den vor­ste­hen­den Grün­den ent­we­der eine Begren­zung der Tem­pe­ra­tur des aus­tre­ten­den Was­sers ent­spre­chend den Emp­feh­lun­gen der DIN EN 806 – 2 tech­nisch sicher­ge­stellt wer­den müs­sen. Dies wäre ohne Umbau oder Erneue­rung der gesam­ten Hei­zungs­an­la­ge allein durch Aus­tausch der Misch­ar­ma­tu­ren in der Dusche mög­lich gewe­sen. Oder aber ohne eine sol­che Ände­rung an der Was­ser­in­stal­la­ti­on hät­te die Heim­be­woh­ne­rin vor Scha­den bewahrt wer­den müs­sen, indem die Tem­pe­ra­tur des Bade­was­sers durch eine Betreu­ungs­per­son der Ein­rich­tung über­prüft wor­den wäre.

Im neu­en Ver­fah­ren wird das OLG Bre­men ins­be­son­de­re Fest­stel­lun­gen dazu nach­zu­ho­len haben, ob der Vor­trag der Heim­be­woh­ne­rin zu den Aus­wir­kun­gen ihrer Behin­de­rung auf ihre Schutz­be­dürf­tig­keit zutrifft.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. August 2019 – III ZR 113/​18

  1. LG Bre­men, Urteil vom 21.09.2017 – 6 O 2099/​13[]
  2. OLG Bre­men, Ureil­vom 13.04.2018 – 2 U 106/​17[]