Zah­lung auf die Schuld eines insol­venz­rei­fen Drit­ten

Begleicht der spä­te­re Insol­venz­schuld­ner die gegen einen insol­venz­rei­fen Drit­ten gerich­te­te For­de­rung des Anfech­tungs­geg­ners, ste­hen wert­hal­ti­ge Außen­stän­de des Drit­ten der Unent­gelt­lich­keit der Zuwen­dung nur ent­ge­gen, wenn der Anfech­tungs­geg­ner auf die­se trotz der mate­ri­el­len Insol­venz des Drit­ten insol­venz­be­stän­dig hät­te zugrei­fen kön­nen. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last hier­für trägt der Anfech­tungs­geg­ner 1.

Zah­lung auf die Schuld eines insol­venz­rei­fen Drit­ten

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes ist die Til­gung einer frem­den Schuld als unent­gelt­li­che Leis­tung anfecht­bar, wenn die gegen den Drit­ten gerich­te­te For­de­rung des Zuwen­dungs­emp­fän­gers wert­los war; dann hat der Zuwen­dungs­emp­fän­ger wirt­schaft­lich nichts ver­lo­ren, was als Gegen­leis­tung für die Zuwen­dung ange­se­hen wer­den kann 2. Hier­von ist der Bun­des­ge­richts­hofs ohne wei­te­res aus­ge­gan­gen, falls über das Ver­mö­gen des For­de­rungs­schuld­ners wegen Zah­lungs­un­fä­hig­keit das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net oder er zumin­dest insol­venz­reif ist 3. Auf die Fra­ge, ob der Leis­tungs­emp­fän­ger im Fall der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Drit­ten eine auf sei­ne For­de­rung ent­fal­len­de Quo­te erhal­ten hät­te, kommt es nicht an. Ist der Drit­te zumin­dest insol­venz­reif, kann die For­de­rung nicht mehr durch­ge­setzt wer­den, weil nun­mehr eine gemein­schaft­li­che Befrie­di­gung aller (Insolvenz-)Gläubiger in dem dafür vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren statt­zu­fin­den hat (§ 1 Satz 1 InsO). Ver­schafft ein Leis­tungs­mitt­ler dem Gläu­bi­ger in die­ser Lage eine geson­der­te Befrie­di­gung, hat der Gläu­bi­ger Befrie­di­gung sei­ner gegen den Drit­ten nicht mehr durch­setz­ba­ren For­de­rung erlangt, und zwar ohne Gegen­leis­tung 4.

Dies gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich auch für Ansprü­che des Drit­ten gegen den Schuld­ner, des­sen Leis­tung ange­foch­ten ist. Eine Aus­nah­me ist nur für den Ein­zel­fall ange­nom­men wor­den, dass dem Drit­ten im maß­geb­li­chen Zeit­punkt eine wert­hal­ti­ge For­de­rung gegen den Schuld­ner zusteht, auf die der Zuwen­dungs­emp­fän­ger im Voll­stre­ckungs­weg – anfech­tungs­frei – hät­te zurück­grei­fen kön­nen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Juni 2010 – IX ZR 186/​08

  1. Ergän­zung zu BGH, Urteil vom 19.11.2009 – IX ZR 9/​08, ZIn­sO 2010, 36, 37 f[]
  2. BGHZ 174, 228, 231 Rn. 8 m.w.N.; BGH, Urtei­le vom 06.12.2007 – IX ZR 113/​06, ZIP 2008, 232, 233; vom 22.10.2009 – IX ZR 182/​08, ZIn­sO 2009, 2241 Rn. 8; vom 19.11.2009 – IX ZR 9/​08, ZIn­sO 2010, 36, 37; und vom 27.04.2010 – IX ZR 122/​09[]
  3. BGHZ 174, 228, 240 Rn. 38; BGH, Urtei­le vom 30.03.2006 – IX ZR 84/​05, ZIP 2006, 957, 959 Rn. 15; vom 01.06.2006 – IX ZR 159/​04, WM 2006, 1396, 1397 Rn. 12; und vom 22.10.2009 – IX ZR 182/​08, ZIn­sO 2009, 2241 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 22.10.2009, aaO[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2009, aaO, S. 37 f.[]