Zah­lung auf einen vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titel

Die vor­be­halt­lo­se Über­wei­sung der Kla­ge­for­de­rung nebst Zin­sen nach Zustel­lung des Beru­fungs­ur­teils und vor Ein­le­gung der Revi­si­on führt weder zu einem Weg­fall der durch die Ver­ur­tei­lung ein­ge­tre­te­nen Beschwer der Beklag­ten noch ist hier­in ein Rechts­mit­tel­ver­zicht zu sehen; es liegt daher auch kein Fall der Erle­di­gung des Rechts­streits in der Haupt­sa­che vor.

Zah­lung auf einen vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titel

Anders wäre nur dann zu ent­schei­den, wenn der Schuld­ner nicht nur zur Abwen­dung einer Zwangs­voll­stre­ckung aus einem für vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteil bezahlt, son­dern den Kla­ge­an­spruch (end­gül­tig) erfül­len will. Ob das eine oder ande­re anzu­neh­men ist, rich­tet sich nach den dem Zah­lungs­emp­fän­ger erkenn­ba­ren Umstän­den des Ein­zel­fal­les [1].

Vor­lie­gend haben die Beklag­ten nach Ver­kün­dung des Beru­fungs­ur­teils gezahlt, ohne dass die Klä­ge­rin eine Zwangs­voll­stre­ckung ange­kün­digt hat­te. Der Inhalt des von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Kon­to­aus­zugs ent­hält kei­ne Anga­ben, die eine Aus­sa­ge dar­über zulas­sen, ob (ledig­lich) zur Abwen­dung einer auf­grund des vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteils mög­li­chen Zwangs­voll­stre­ckung gezahlt wor­den ist, oder ob es mit dem Unter­lie­gen in der Beru­fungs­in­stanz für die Beklag­ten sein Bewen­den haben soll. Bei die­ser Sach­la­ge ist wegen des ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Grund­sat­zes der pro­zes­sua­len Meist­be­güns­ti­gung [2] nicht anzu­neh­men, dass der Zah­lung eine streit­be­en­den­de und die Beschwer aus­schlie­ßen­de Bedeu­tung zukommt [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Janu­ar 2016 – V ZR 97/​15

  1. BGH, Urteil vom 16.11.1993 – X ZR 7/​92, NJW 1994, 942, 943[]
  2. BVerfGE 49, 220, 226; 77, 275, 284; 84, 366, 369 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 16.11.1993 – X ZR 7/​92, NJW 1994, 942, 943; BGH, Urteil vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, NJW 2014, 1180 Rn. 8[]