Zah­lung­kla­ge auf künf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung – und der Streit­wert

Der Streit­wert eines Antrags auf Zah­lung künf­ti­ger Nut­zungs­ent­schä­di­gung bis zur Räu­mung des Miet­ob­jekts bestimmt sich in Ham­burg gemäß § 48 Abs.1 GKG i.V.m.§ 3 ZPO auf das 12-fache der künf­ti­gen monat­li­chen Nut­zungs­ent­schä­di­gung.

Zah­lung­kla­ge auf künf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung – und der Streit­wert

Mit der ganz herr­schen­den Mei­nung geht auch das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg davon aus, dass die Bestim­mung des Streit­werts einer zu zah­len­den künf­ti­gen Nut­zungs­ent­schä­di­gung – anders als für künf­ti­ge Mie­te, für die über­wie­gend § 9 ZPO ange­wandt wird – gemäß § 48 Abs. 1 GKG i.V.m. § 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu erfol­gen hat 1.

Für die Bestim­mung des Streit­werts ist allein das Inter­es­se des Klä­gers im Zeit­punkt der Antrag­stel­lung bis zur tat­säch­li­chen Räu­mung maß­ge­bend. Jedoch ist nicht nur davon aus­zu­ge­hen, dass im Bezirk des Amts­ge­richts Ham­burg eine Voll­stre­ckung in aller Regel in längs­tens sechs Mona­ten mög­lich ist. Hin­zu­zu­rech­nen ist viel­mehr noch die vor­aus­sicht­li­che Dau­er des Erkennt­nis­ver­fah­rens bis zu einem voll­streck­ba­ren Voll­stre­ckungs­ti­tel, die in der Regel mit sechs Mona­ten anzu­set­zen ist. Ins­ge­samt ist daher auch in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len grund­sätz­lich eine Zeit­span­ne von 12 Mona­ten anzu­neh­men 2.

Die grund­sätz­li­che Berück­sich­ti­gung eines Nut­zungs­wer­tes von 12 Mona­ten ent­spricht auch der in § 41 Abs. 2 S. 2 GKG zum Aus­druck kom­men­den gesetz­li­chen Wer­tung. Die seit dem 01.05.2013 gel­ten­de Bestim­mung des § 272 Abs. 4 ZPO gibt jeden­falls der­zeit noch kei­nen Anlass den Streit­wert gerin­ger anzu­set­zen.

Ein kür­ze­rer Zeit­raum könn­te nur dann in Betracht kom­men, wenn bereits der Klag­schrift Umstän­de zu ent­neh­men sind, aus denen auf eine kurz­fris­ti­ge­re Räu­mung geschlos­sen wer­den kann 3. Das ist hier jedoch nicht der Fall.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 12. April 2016 – 8 W 62/​15

  1. vgl. nur OLG Cel­le MDR 2014, 234 ff m.w.N.[]
  2. eben­so OLG Ham­burg, Beschluss vom 12.10.2009, AZ: 4 W 266/​09; Land­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 05.06.2014, AZ: 333 T 17/​14, OLG Cel­le, a.a.O; OLG Dres­den NJW-RR 2012, 1214 OLG Stutt­gart MDR 2011, 513[]
  3. OLG Stutt­gart, a.a.O.[]