Zuerst der Fris­ten­ka­len­der!

Im Büro des Rechts­an­walts muss nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die all­ge­mei­ne Anwei­sung bestehen, stets und unter allen Umstän­den zuerst die Fris­ten im Kalen­der ein­zu­tra­gen, bevor ent­spre­chen­de Erle­di­gungs­ver­mer­ke in der Akte ein­ge­tra­gen wer­den.

Zuerst der Fris­ten­ka­len­der!

Der Rechts­an­walt kann die Berech­nung und Notie­rung von Fris­ten einer gut aus­ge­bil­de­ten, als zuver­läs­sig erprob­ten und sorg­fäl­tig über­wach­ten Büro­kraft über­tra­gen. Dann hat der Rechts­an­walt aber durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass die Fris­ten zuver­läs­sig fest­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den. Zu den zur Ermög­li­chung einer Gegen­kon­trol­le erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen im Rah­men der Fris­ten­kon­trol­le gehört ins­be­son­de­re, dass die Rechts­mit­tel­fris­ten in der Hand­ak­te notiert wer­den und die Hand­ak­te durch ent­spre­chen­de Erle­di­gungs­ver­mer­ke oder auf sons­ti­ge Wei­se erken­nen lässt, dass die Fris­ten in den Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen wor­den sind [1].

Soweit die Recht­spre­chung Erle­di­gungs­ver­mer­ke des Büro­per­so­nals zu den jeweils in den Hand­ak­ten ein­ge­tra­ge­nen Fris­ten for­dert, soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Fris­ten tat­säch­lich ein­ge­tra­gen sind und dem Anwalt eine ent­spre­chen­de Kon­trol­le anhand der Hand­ak­ten mög­lich ist. Zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Büro­or­ga­ni­sa­ti­on gehört daher eine kla­re Anwei­sung, dass stets und unter allen Umstän­den zuerst die Fris­ten im Kalen­der ein­ge­tra­gen wer­den müs­sen, bevor ein ent­spre­chen­der Ver­merk in der Akte ein­ge­tra­gen wer­den kann. Denn sonst besteht die Gefahr, dass der Erle­di­gungs­ver­merk in der Hand­ak­te bereits vor der Ein­tra­gung in einen Kalen­der ange­bracht wird und die Gegen­kon­trol­le ver­sagt [2]. Sieht die Orga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sung nicht vor, dass in der Hand­ak­te Erle­di­gungs­ver­mer­ke anzu­brin­gen sind, genügt es, wenn die Arbeits­an­wei­sung vor­schreibt, dass die Fris­ten zunächst im Fris­ten­ka­len­der zu notie­ren sind und erst dann in der Akte [3].

Die Anfor­de­run­gen, die die Recht­spre­chung an eine ord­nungs­ge­mä­ße Fris­ten­no­tie­rung stellt, sind bekannt und müs­sen einem Anwalt auch ohne rich­ter­li­che Hin­wei­se geläu­fig sein. Tra­gen die zur Begrün­dung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags gemach­ten Anga­ben die­sen Anfor­de­run­gen nicht Rech­nung, gibt dies kei­nen Hin­weis auf Unklar­hei­ten oder Lücken des Vor­trags, die auf­zu­klä­ren oder zu fül­len wären, son­dern erlaubt den Schluss dar­auf, dass ent­spre­chen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men gefehlt haben [4].

Die unzu­rei­chen­de Orga­ni­sa­ti­on im Büro des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten war im vor­lie­gen­den Fall auch kau­sal für das Frist­ver­säum­nis. Hät­te die Rechts­an­walts­ge­hil­fin die Vor­frist und die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist zunächst in den Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen, wäre die Akte dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bei unter­stellt im Übri­gen ord­nungs­ge­mä­ßem Vor­ge­hen recht­zei­tig vor­ge­legt wor­den. Wäre die Ein­tra­gung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nebst Vor­frist ver­ges­sen wor­den, wäre die­ses Ver­säum­nis spä­tes­tens bei Vor­la­ge der Akte zur Ein­le­gung der Beru­fung bemerkt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2014 – II ZB 11/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 05.02.2003 – VIII ZB 115/​02, NJW 2003, 1815, 1816; Beschluss vom 22.01.2008 – VI ZB 46/​07, NJW 2008, 1670 Rn. 6; Beschluss vom 08.02.2010 – II ZB 10/​09, MDR 2010, 533 Rn. 7; Beschluss vom 23.01.2013 – XII ZB 167/​11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 10; Beschluss vom 26.11.2013 – II ZB 13/​12, WM 2014, 424 Rn. 9[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.03.1992 – VI ZB 4/​92, NJW-RR 1992, 826; Beschluss vom 04.03.2004 – IX ZB 71/​03, FamRZ 2004, 1552; Beschluss vom 10.03.2011 – VIII ZB 37/​10, NJW 2011, 1597 Rn. 13; Beschluss vom 26.11.2013 – II ZB 13/​12, WM 2014, 424 Rn. 10[]
  3. BGH, Beschluss vom 23.01.2013 – XII ZB 167/​11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 12[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2003 – V ZB 28/​03, NJW 2004, 367, 369; Beschluss vom 24.01.2012 – II ZB 3/​11, NJW-RR 2012, 747; Beschluss vom 26.11.2013 – II ZB 13/​12, WM 2014, 424 Rn. 12[]