Zuerst die Fest­stel­lungs­kla­ge, dann die Leis­tungs­kla­ge

Erhebt der Klä­ger, der in einem Rechts­streit eine posi­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge erho­ben hat, nach­fol­gend in einem wei­te­ren Rechts­streit eine Leis­tungs­kla­ge, mit der ein aus dem­sel­ben strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis abge­lei­te­ter Anspruch gel­tend gemacht wird, steht dem die Rechts­hän­gig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht ent­ge­gen, unab­hän­gig davon, ob mit der Leis­tungs­kla­ge alle von der Fest­stel­lungs­kla­ge erfass­ten Ansprü­che gel­tend gemacht wer­den 1.

Zuerst die Fest­stel­lungs­kla­ge, dann die Leis­tungs­kla­ge

Gemäß § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO kann eine durch Erhe­bung der Kla­ge rechts­hän­gig gewor­de­ne Streit­sa­che wäh­rend der Dau­er der Rechts­hän­gig­keit von kei­ner Par­tei ander­wei­tig anhän­gig gemacht wer­den. Das Pro­zess­hin­der­nis ander­wei­ti­ger Rechts­hän­gig­keit 2 besteht damit nur bei einer Iden­ti­tät der Streit­ge­gen­stän­de der zunächst und der spä­ter erho­be­nen Kla­ge. Eine sol­che Iden­ti­tät der Streit­ge­gen­stän­de ist bei einer Kla­ge auf Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz wegen eines Man­gels und einer auf voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen Ersatz die­ses Scha­dens gerich­te­ten Leis­tungs­kla­ge nicht gege­ben. Denn das durch den Kla­ge­an­trag bestimm­te Rechts­schutz­ziel der Leis­tungs­kla­ge geht über das­je­ni­ge einer blo­ßen Fest­stel­lung des strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis­ses hin­aus, weil auch eine die Durch­set­zung des Anspruchs ermög­li­chen­de Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung ver­langt wird 3.

Erhebt der Klä­ger, der eine posi­ti­ve (behaup­ten­de) Fest­stel­lungs­kla­ge erho­ben hat, nach­fol­gend eine aus dem­sel­ben Rechts­ver­hält­nis abge­lei­te­te deckungs­glei­che Leis­tungs­kla­ge, steht dem die Rechts­hän­gig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht ent­ge­gen. Ver­folgt der Klä­ger die im sel­ben Ver­fah­ren rechts­hän­gi­ge Fest­stel­lungs­kla­ge nicht wei­ter, stellt sich die Leis­tungs­kla­ge als eine ohne wei­te­res zuläs­si­ge Kla­ge­er­wei­te­rung gemäß § 264 Nr. 2 ZPO dar 4. Erhebt der Klä­ger eine sol­che Leis­tungs­kla­ge in einem ande­ren Rechts­streit par­al­lel zur Fest­stel­lungs­kla­ge, hat dies zur Fol­ge, dass das gemäß § 256 Abs. 1 ZPO für die Fest­stel­lungs­kla­ge erfor­der­li­che recht­li­che Inter­es­se grund­sätz­lich ent­fällt, sobald die Leis­tungs­kla­ge nicht mehr ein­sei­tig zurück­ge­nom­men wer­den kann 5. Dem­entspre­chend ist nicht die spä­ter erho­be­ne Leis­tungs­kla­ge wegen der bereits rechts­hän­gi­gen Fest­stel­lungs­kla­ge unzu­läs­sig, son­dern es wird die Fest­stel­lungs­kla­ge im Hin­blick auf die spä­ter erho­be­ne Leis­tungs­kla­ge unzu­läs­sig. Der sich dar­aus erge­ben­de Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge besteht auch für den Fall, dass mit der par­al­le­len Leis­tungs­kla­ge ledig­lich ein Teil der von der posi­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge erfass­ten Ansprü­che gel­tend gemacht wird 6. In die­sem Fall wird die Fest­stel­lungs­kla­ge teil­wei­se unzu­läs­sig.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Juli 2013 – VII ZR 52/​12

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 21.12.1989 – IX ZR 234/​88, NJW-RR 1990, 1532[]
  2. Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., vor § 253 Rn.19b[]
  3. BGH, Urteil vom 20.01.1989 – V ZR 173/​87, NJW 1989, 2064, 2065; Urteil vom 07.07.1994 – I ZR 30/​92, NJW 1994, 3107, 3108; Urteil vom 11.12.1996 – VIII ZR 154/​95, BGHZ 134, 201, 209[]
  4. BGH, Urteil vom 12.05.1992 – VI ZR 118/​91, NJW 1992, 2296 m.w.N.[]
  5. BGH, Urteil vom 21.12.1989 IX ZR 234/​88, NJW-RR 1990, 1532, 1533[]
  6. BGH, Urteil vom 21.12.1989 – IX ZR 234/​88, aaO[]