Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de – durch den Ein­zel­rich­ter

Die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt ist nicht des­halb unwirk­sam, weil der Ein­zel­rich­ter ent­ge­gen § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO anstel­le des Kol­le­gi­ums ent­schie­den und damit gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ver­sto­ßen hat.

Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de – durch den Ein­zel­rich­ter

An eine den­noch erfolg­te Zulas­sung ist das Rechts­be­schwer­de­ge­richt gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO gebun­den [1].

Die Rechts­be­schwer­de ist auch begrün­det; die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung unter­liegt bereits des­halb der Auf­he­bung, weil sie unter Ver­let­zung des Ver­fas­sungs­ge­bots des gesetz­li­chen Rich­ters ergan­gen ist.

Der Ein­zel­rich­ter durf­te nicht selbst ent­schei­den, son­dern hät­te das Ver­fah­ren wegen der von ihm ange­nom­me­nen grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Rich­tern besetz­ten Kam­mer über­tra­gen müs­sen. Mit sei­ner Ent­schei­dung hat er die Beur­tei­lung der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Sache dem Kol­le­gi­um als dem gesetz­lich zustän­di­gen Rich­ter ent­zo­gen.

Die­sen Ver­stoß gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot des gesetz­li­chen Rich­ters hat das Rechts­be­schwer­de­ge­richt von Amts wegen zu beach­ten [2].

Nach Zurück­ver­wei­sung wird der Ein­zel­rich­ter die Sache der Kam­mer zu über­tra­gen haben, wenn er der Rechts­sa­che nach erneu­ter Prü­fung wei­ter­hin grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­misst.

Für das wei­te­re Ver­fah­ren weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass es nicht Zweck einer Ent­schei­dung über die Kos­ten des Rechts­streits nach § 91a ZPO ist, Rechts­fra­gen von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zu klä­ren, soweit es um Fra­gen des mate­ri­el­len Rechts geht. Grund­la­ge der Ent­schei­dung ist ledig­lich eine sum­ma­ri­sche Prü­fung, bei der das Gericht grund­sätz­lich davon abse­hen kann, in einer recht­lich schwie­ri­gen Sache nur wegen der Ver­ur­tei­lung der Kos­ten alle für den hypo­the­ti­schen Aus­gang bedeut­sa­men Rechts­fra­gen zu klä­ren [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Juli 2020 – IV ZB 11/​20

  1. BGH, Beschlüs­se vom 19.08.2014 – VI ZB 17/​13, NJW 2014, 3520 Rn. 4; vom 13.07.2004 – VI ZB 63/​03, NJW-RR 2004, 1717 unter – I 1 5]; vgl. auch Zöller/​Althammer, ZPO 33. Aufl. § 91a Rn. 29; Zöller/​Heßler aaO § 574 Rn. 9[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.05.2020 – IX ZB 56/​19, WM 2020, 1077 Rn. 3; vom 19.08.2014 aaO Rn. 5; vom 13.07.2004 aaO Rn. 6; vgl. auch Zöller/​Heßler aaO § 574 Rn. 9[]
  3. BGH, Urteil vom 18.04.2013 – III ZR 156/​12, BGHZ 197, 147 Rn. 13; Beschlüs­se vom 07.02.2018 – VII ZB 28/​17 10; vom 28.10.2008 – VIII ZB 28/​08, NJW ‑RR 2009, 422 5; Zöller/​Althammer, ZPO 33. Aufl. § 91a Rn. 27[]