Zurück­ver­wei­sung durch das Revi­si­ons­ge­richt – und die neu­en Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel

Nach der Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits durch das Revi­si­ons­ge­richt darf das Beru­fungs­ge­richt in der wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­hand­lung auch neue Angriffsund Ver­tei­di­gungs­mit­tel in den Gren­zen des § 531 Abs. 2 Satz 1 ZPO zulas­sen 1.

Zurück­ver­wei­sung durch das Revi­si­ons­ge­richt – und die neu­en Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel

Das Beru­fungs­ge­richt muss auch nicht gemäß § 139 ZPO zusätz­lich dar­auf hin­wei­sen, dass das "Ent­schei­dungs­pro­gramm" des wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­fah­rens durch das vor­an­ge­gan­ge­ne Revi­si­ons­ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs in kei­ner Wei­se vor­ge­zeich­net sei und es kei­ne Bin­dung des Beru­fungs­ge­richts dahin gebe, dass es jetzt (hier:) nur noch die Fest­stel­lun­gen zu den sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen des Miet­erhö­hungs­ver­lan­gens zu tref­fen habe.

Dass das Beru­fungs­ge­richt auch nach der Zurück­ver­wei­sung eines Rechts­streits neue Angriffsund Ver­tei­di­gungs­mit­tel in den Gren­zen des § 531 Abs. 2 ZPO zulas­sen darf, ent­spricht gefes­tig­ter höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung 2. Dies ergibt sich bereits aus dem Wort­laut des § 531 Abs. 2 ZPO, der kei­ne Unter­schei­dung zwi­schen ver­schie­de­nen Sta­di­en des Beru­fungs­ver­fah­rens trifft.

Vor die­sem Hin­ter­grund war im hier ent­schie­de­nen Fall weder der Bun­des­ge­richts­hof gehal­ten, in sei­nem in der vor­lie­gen­den Sache ergan­ge­nen Revi­si­ons­ur­teil vom 31.05.2017 3 auf die­sen Gesichts­punkt geson­dert ein­zu­ge­hen, noch das Beru­fungs­ge­richt ver­pflich­tet, der Klä­ge­rin einen ent­spre­chen­den Hin­weis zu ertei­len. Davon abge­se­hen hat das Beru­fungs­ge­richt dem Klä­ger­ver­tre­ter aus­weis­lich des Ver­hand­lungs­pro­to­kolls unmiss­ver­ständ­lich zu ver­ste­hen gege­ben, dass es das neue Beklag­ten­vor­brin­gen zur tat­säch­li­chen Woh­nungs­grö­ße berück­sich­ti­gen wer­de und die Klä­ge­rin nun­mehr Beweis für die von ihr behaup­te­te Wohn­flä­che anzu­tre­ten habe. Es hat also für alle Pro­zess­be­tei­lig­ten erkenn­bar gera­de nicht beab­sich­tigt, allein noch Fest­stel­lun­gen zu den sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen des Miet­erhö­hungs­ver­lan­gens zu tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2019 – VIII ZR 255/​17

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 02.04.2004 – V ZR 107/​03, NJW 2004, 2382 unter – II 4 a; Beschluss vom 23.08.2016 – VIII ZR 178/​15, NJW-RR 2017, 72 Rn.19[]
  2. vgl. etwa BGH, Urteil vom 02.04.2004 – V ZR 107/​03, NJW 2004, 2382 unter – II 4 a; BGH, Beschluss vom 23.08.2016 – VIII ZR 178/​15, NJW-RR 2017, 72 Rn.19[]
  3. BGH, Urteil vom 31.05.2017 – VIII ZR 181/​16, aaO[]