Zusätz­li­che Ver­gü­tung des Ver­wal­ters beim Inol­venz­ver­fah­ren

Eine zusätz­li­che Ver­gü­tung, wenn es nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens einen Mas­se­zu­fluss gege­ben hat, kann nur bei einer Nach­trags­ver­tei­lung fest­ge­setzt wer­den.

Zusätz­li­che Ver­gü­tung des Ver­wal­ters beim Inol­venz­ver­fah­ren

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den. Zwar hat der hier frag­li­che Mas­se­zu­fluss bei Erstel­lung der Schluss­rech­nung noch nicht sicher fest­ge­stan­den und dass die Rechts­kraft des Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­be­schlus­ses der nach­träg­li­chen Gel­tend­ma­chung von Umstän­den ent­ge­gen­ste­he, die der Ver­wal­ter schon im durch­ge­führ­ten Fest­set­zungs­ver­fah­ren hät­te gel­tend machen kön­nen. Vor­lie­gend gehe es aber um einen Mas­se­zu­fluss, der nicht sicher gewe­sen sei. Eine Nach­trags­ver­tei­lung sei im Hin­blick auf die hier­durch aus­ge­lös­ten Kos­ten unan­ge­mes­sen. Für sol­che Fäl­le habe sich frü­her die Übung ent­wi­ckelt gehabt, den Betrag zusätz­lich als Ver­gü­tung fest­zu­set­zen oder einer gemein­nüt­zi­gen Ein­rich­tung als Spen­de zuzu­füh­ren. Nach § 203 Abs. 3 Satz 1 InsO kön­ne zwar jetzt ein sol­cher Betrag dem Schuld­ner über­las­sen wer­den. Dies set­ze aber des­sen wei­te­re Exis­tenz vor­aus, wor­an es bei einer juris­ti­schen Per­son regel­mä­ßig feh­le. Es bie­te sich des­halb an, den neu­en Zufluss der ursprüng­li­chen Mas­se zuzu­rech­nen, die Ver­gü­tung ent­spre­chend zu erhö­hen und den Rest des Zuflus­ses einer gemein­nüt­zi­gen Ein­rich­tung zuzu­füh­ren.

Die Aus­füh­run­gen des Beschwer­de­ge­richts hal­ten recht­li­cher Prü­fung stand. Eine zusätz­li­che Ver­gü­tung kann, sofern kei­ne Nach­trags­ver­tei­lung durch­ge­führt wird, nicht fest­ge­setzt wer­den. Grund­la­ge für die Berech­nung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters ist gemäß § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO der Wert der Insol­venz­mas­se bei Been­di­gung des Ver­fah­rens. Ein­nah­men der Mas­se, die noch nicht fest­ste­hen, kön­nen grund­sätz­lich noch nicht Grund­la­ge der Ver­gü­tungs­fest­set­zung des Ver­wal­ters sein. Steht aber ein spä­te­rer Mas­se­zu­fluss bei Ein­rei­chung der Schluss­rech-nung schon mit Sicher­heit fest, ist die­ser bereits bei der Schluss­rech­nung und der hier­auf gestütz­ten Ver­gü­tungs­fest­set­zung zu berück­sich­ti­gen. Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che der Mas­se, die nach Ein­rei­chung der Schluss­rech­nung mit Sicher­heit zu erwar­ten sind, wer­den des­halb in die Bemes­sungs­grund­la­ge ein­be­zo­gen. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass die­se tat­säch­lich an die Mas­se aus­be­zahlt wer­den und daher die Mas­se erhö­hen 1.

Die Fest­set­zung der Ver­wal­ter­ver­gü­tung im Insol­venz­ver­fah­ren ent­fal­tet mate­ri­el­le Rechts­kraft für den Ver­gü­tungs­an­spruch als sol­chen und sei­nen Umfang; die Berech­nungs­grund­la­ge und der Ver­gü­tungs­satz neh­men als Vor­fra­gen an der Rechts­kraft nicht teil. Ein Zweit­ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­wal­ter­ver­gü­tung kann nicht auf Umstän­de gestützt wer­den, die bereits im Erst­ver­fah­ren gel­tend gemacht wor­den sind oder hät­ten gel­tend gemacht wer­den kön­nen 2.

Mas­se­zu­flüs­se nach Ein­rei­chung der Schluss­rech­nung des Ver­wal­ters, die nicht sicher zu erwar­ten waren, stel­len aller­dings neue Tat­sa­chen dar, die zu einer ergän­zen­den Ver­gü­tungs­fest­set­zung füh­ren kön­nen 3. Das gilt jedoch nur dann, wenn der Mas­se­zu­fluss bis zur Been­di­gung des Ver­fah­rens erfolgt. Denn die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters wird nach dem Wert der Insol­venz­mas­se zu die­sem Zeit­punkt berech­net, § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kom­men des­halb nach­träg­li­che Erhö­hun­gen der Ver­gü­tungs­fest­set­zung auch auf­grund neu­er Tat­sa­chen nur
bei einem Zufluss vor Been­di­gung des Ver­fah­rens in Betracht 4. Ob hier­bei auf den Schluss­ter­min, bis zu dem jeden­falls Mas­se­zu­flüs­se zu berück­sich­ti­gen sind 5 oder auf den (rechts-kräf­ti­gen) Beschluss zur Auf­he­bung des Ver­fah­rens abzu­stel­len ist, wie das Beschwer­de­ge­richt meint, bedarf vor­lie­gend kei­ner nähe­ren Erör­te­rung, weil der Mas­se­zu­fluss hier jeden­falls lan­ge nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens erfolg­te. Der in der Schluss­rech­nung auf­ge­führ­te Mas­se­zu­fluss durch Umsatz­steu­er­erstat­tung kann des­halb nun­mehr nicht mehr nach­träg­lich ver­gü­tungs­er­hö­hend gel­tend gemacht wer­den.

Nur wenn es infol­ge Mas­se­zu­flus­ses nach Been­di­gung des Schluss­ter­mins zu einer Nach­trags­ver­tei­lung kommt, ist eine wei­te­re Ver­gü­tungs­fest­set­zung vor­zu­neh­men, die sich aus­schließ­lich nach § 6 Ins­VV rich­tet.

Die Anord­nung einer Nach­trags­ver­tei­lung ist bis­lang nicht erfolgt. Die Anord­nung kann gemäß § 203 Abs. 1 InsO auf Antrag des Ver­wal­ters, eines Insol­venz­gläu­bi­gers oder von Amts wegen gesche­hen. Der Ver­wal­ter hat einen ent­spre­chen­den Antrag bis­lang nicht gestellt. Ob die Insol­venz­gläu­bi­ger Kennt­nis von der zuge­flos­se­nen Mas­se haben, ist nicht erkenn­bar. Jeden­falls kann das Insol­venz­ge­richt von Amts wegen tätig wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen einer Nach­trags­ver­tei­lung nach dem weit aus­zu­le­gen­den § 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO lie­gen im Grund­satz vor 6. Zeit­lich ist die Nach­trags­ver­tei­lung von der Been­di­gung des Schluss­ter­mins an mög­lich 7. Ob nach § 203 Abs. 3 InsO von einer Nach­trags­ver­tei­lung abzu­se­hen ist, hat das Insol­venz­ge­richt zu ent­schei­den; das Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren bie­tet kei­nen Raum für eine Ent­schlie­ßung über den Ver­bleib rest­li­cher Mas­se­ge­gen­stän­de 8.

Wird eine Nach­trags­ver­tei­lung durch­ge­führt, rich­tet sich die Ver­gü­tung aus­schließ­lich nach § 6 Ins­VV. In die­sem Fall kommt es nicht in Betracht, den Wert der nach­träg­lich ver­teil­ten Mas­se zu der zuvor fest­ge­stell­ten Ver­tei­lungs­mas­se (§ 1 Ins­VV; § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO) hin­zu­zu­zäh­len und auf die­se Wei­se eine auf die erhöh­te Ver­tei­lungs­mas­se bezo­ge­ne ein­heit­li­che Ver­gü­tung zu errech­nen. Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 6 Abs. 1 Ins­VV erhält der Ver­wal­ter für die Nach­trags­ver­tei­lung eine geson­der­te Ver­gü­tung. Das Nach­trags­ver­tei­lungs­ver­fah­ren ist ein selb­stän­di­ges, geson­dert zu ver­gü­ten­des Ver­fah­ren (BGH, Beschluss vom 12.10.2006, aaO Rn. 4; vom 22.10.2009 – IX ZB 78/​08, NZI 2010, 259 Rn. 3)), für das der Ver­ord­nungs­ge­ber kei­ne Regel­ver­gü­tung vor­ge­se­hen hat, weil Nach­trags­ver­tei­lun­gen zu ver­schie­den gela­gert sind. Es ist dort sach­ge­recht, die Ver­gü­tung jeweils ein­zel­fall­be­zo­gen fest­zu­le­gen 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Okto­ber 2011 – IX ZB 12/​11

  1. BGH, Beschluss vom 25.10.2007 – IX ZB 147/​06, ZIP 2008, 81 Rn. 6; vom 17.07.2008 – IX ZB 150/​07; vom 01.07.2010 – IX ZB 66/​09, ZIn­sO 2010, 1503 Rn. 5 f[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.05.2010 – IX ZB 11/​07, BGHZ 185, 353 Rn. 8 ff[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.11.2005 – IX ZB 168/​04, ZIP 2006, 93 Rn. 16; vom 26.01.2006 – IX ZB 183/​04, ZIP 2006, 486 Rn. 18; vom 20.05.2010, aaO Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 26.01.2006 – IX ZB 183/​04, ZIP 2006, 486, Rn. 15 f; vom 12.10.2006 – IX ZB 294/​05, ZIP 2006, 2131 Rn. 4[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 26.01.2006, aaO Rn. 15[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 01.12.2005 – IX ZB 17/​04, ZIP 2006, 143 Rn. 6; vom 06.12.2007 – IX ZB 229/​06, ZIP 2008, 322 Rn. 6; vom 02.12.2010 – IX ZB 184/​09, ZIP 2011, 135 Rn. 11[]
  7. BGH, Beschluss vom 17.03.2005 – IX ZB 286/​03, NZI 2005, 395 mwN[]
  8. BGH, Beschluss vom 17.03.2005, aaO[]
  9. BGH, Beschluss vom 12.10.2006, aaO Rn. 5[]