Zustel­lung "als­bald" – und die Zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses

Einer Par­tei ist in der Regel eine Erle­di­gungs­frist von einer Woche zur Ein­zah­lung des ange­for­der­ten Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses zuzu­ge­ste­hen [1].

Zustel­lung "als­bald" – und die Zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses

Für die Fra­ge der Fris­t­wah­rung ist auf den Ein­gang der Kla­ge abzu­stel­len, wenn sie der Beklag­ten dem­nächst i.S.v. § 167 ZPO zuge­stellt wor­den ist.

Eine Zustel­lung "dem­nächst" nach Ein­gang des Antrags oder der Erklä­rung bedeu­tet eine Zustel­lung inner­halb einer nach den Umstän­den ange­mes­se­nen, selbst län­ge­ren Frist, wenn die Par­tei oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter unter Berück­sich­ti­gung der Gesamt­si­tua­ti­on alles Zumut­ba­re für die als­bal­di­ge Zustel­lung getan hat. Die Zustel­lung ist dage­gen nicht mehr "dem­nächst" erfolgt, wenn die Par­tei, der die Fris­t­wah­rung obliegt, oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter durch nach­läs­si­ges auch leicht fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten zu einer nicht bloß gering­fü­gi­gen Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung bei­getra­gen hat. Hat der Ver­an­las­ser die Zustel­lung nicht vor­werf­bar ver­zö­gert oder fällt ihm nur eine gering­fü­gi­ge Ver­zö­ge­rung zur Last, über­wie­gen regel­mä­ßig sei­ne Inter­es­sen gegen­über den Belan­gen des Zustel­lungs­adres­sa­ten [2]. Bei der Bemes­sung einer Ver­zö­ge­rung ist auf die Zeit­span­ne abzu­stel­len, um die sich der ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum für die Zustel­lung der Kla­ge als Fol­ge der Nach­läs­sig­keit des Klä­gers ver­zö­gert [3]. Dem Zustel­lungs­ver­an­las­ser zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­run­gen von bis zu 14 Tagen gel­ten regel­mä­ßig als gering­fü­gig und sind des­halb hin­zu­neh­men [4].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Streit­fall hat der Klä­ger eine ers­te Kos­ten­rech­nung, die der Urkund­s­be­am­te der Geschäfts­stel­le auf­grund der Streit­wert­an­ga­be in der Kla­ge­schrift (100.000 €) erstell­te, bin­nen einer Woche bezahlt. Auf eine zwei­te, an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers adres­sier­te Kos­ten­rech­nung vom 14.03.2017, die auf rich­ter­li­cher Fest­set­zung des vor­läu­fi­gen Streit­werts auf 500.000 € beruh­te, hat der Klä­ger den Kos­ten­vor­schuss am 11.04.2017 bei Gericht ein­ge­zahlt. Dar­auf­hin ist die Kla­ge zuge­stellt wor­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat die recht­zei­tig ein­ge­reich­te Kla­ge wegen Ver­strei­chens der (hier: gesell­schafts­ver­trag­li­chen) Kla­ge­frist abge­wie­sen, da sie man­gels recht­zei­ti­ger Beglei­chung der zwei­ten Kos­ten­rech­nung nicht dem­nächst i.S.v. § 167 ZPO zuge­stellt wor­den sei [5]. Der Bun­des­ge­richts­hof sah dies anders, hob das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil auf und ver­wies den Rechts­streit zurück an das Ober­lan­des­ge­richt Köln:

Das Beru­fungs­ge­richt ist im recht­li­chen Aus­gangs­punkt zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass der Klä­ger zunächst die nach rich­ter­li­cher Fest­set­zung des vor­läu­fi­gen Streit­werts erstell­te Gerichts­kos­ten­rech­nung vom 14.03.2017 abwar­ten durf­te [6]. Nach­dem die Kos­ten­rech­nung am 16.03.2017, einem Don­ners­tag, bei dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers ein­ging, muss­te die­ser sie prü­fen und an den Klä­ger wei­ter­lei­ten. Der dafür erfor­der­li­che Zeit­raum ist im All­ge­mei­nen mit drei Werk­ta­gen zu ver­an­schla­gen unter Aus­klam­me­rung des Ein­gangs­ta­ges und von Wochen­end­ta­gen [7]. Er führt nicht zu einer der Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­rung, son­dern zählt zum nor­ma­len Ablauf [8]. Die Prü­fungs- und Wei­ter­lei­tungs­frist begann mit­hin am 17.03.2017 und ende­te mit Ablauf des 21.03.2017.

Dem Klä­ger war dar­über hin­aus eine aus­rei­chen­de Frist zur Bereit­stel­lung und Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses zuzu­bil­li­gen [9]. Auch von einer auf die Wah­rung ihrer pro­zes­sua­len Oblie­gen­heit bedach­ten Par­tei kann ins­be­son­de­re nicht ver­langt wer­den, an Wochen­end- und Fei­er­ta­gen für die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses zu sor­gen [10]. Der Par­tei ist des­halb nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Bewir­kung der Ein­zah­lung in der Regel eine Erle­di­gungs­frist von einer Woche zuzu­ge­ste­hen [11]. Soweit dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 25.10.2016 [12] ent­nom­men wer­den mag, dass sich die Frist für den Kos­ten­ein­gang bei der Gerichts­kas­se stets auf höchs­tens drei Werk­ta­ge beläuft, wird dar­an nicht fest­ge­hal­ten.

Die Frist zur Bereit­stel­lung und Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses durch den Klä­ger begann hier­nach am 21.03.2017 und lief frü­hes­tens am 28.03.2017 ab. Ein die Ver­kür­zung die­ser Frist recht­fer­ti­gen­der Aus­nah­me­fall ist schon des­halb nicht gege­ben, weil der Klä­ger nach unver­züg­li­cher Beglei­chung der ers­ten Kos­ten­rech­nung nicht ohne Wei­te­res mit der Nach­for­de­rung eines wei­te­ren Vor­schus­ses in über­dies beträcht­li­cher Höhe (wei­te­re 7.530 €) rech­nen muss­te [13]. Da der Klä­ger den Kos­ten­vor­schuss am 11.04.2017 bezahl­te, beträgt die ihm zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­rung der Zustel­lung der Kla­ge nicht mehr als 14 Tage.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Dezem­ber 2019 – II ZR 281/​18

  1. Anschluss an BGH, Urtei­le vom 29.09.2017 – V ZR 103/​16, NJW-RR 2018, 461 Rn. 9; und vom 20.04.2018 – V ZR 202/​16, NJW-RR 2018, 970 Rn. 36[]
  2. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 12.01.2016 – II ZR 280/​14 12[]
  3. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 6; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19; Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 24; Urteil vom 29.09.2017 – V ZR 103/​16, NJW-RR 2018, 461 Rn. 9; Urteil vom 20.04.2018 – V ZR 202/​16, NJW-RR 2018, 970 Rn. 36[]
  4. BGH, Urteil vom 25.11.1985 – II ZR 236/​84, NJW 1986, 1347, 1348; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5; Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 24; Urteil vom 20.04.2018 – V ZR 202/​16, NJW-RR 2018, 970 Rn. 36[]
  5. OLG Köln, Urteil vom 05.07.2018 – 18 U 122/​17[]
  6. vgl. etwa BGH, Urteil vom 12.01.2016 – II ZR 280/​14 12; Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 25[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 Rn. 8[]
  8. BGH, Urteil vom 29.09.2017 – V ZR 103/​16, NJW-RR 2018, 461 Rn. 14 f.[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19; Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 25; vgl. auch Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 9[]
  10. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​15, ZIP 2015, 1898 Rn. 9; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19; Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 25[]
  11. BGH, Urteil vom 29.09.2017 – V ZR 103/​16, NJW-RR 2018, 461 Rn. 9; Urteil vom 20.04.2018 – V ZR 202/​16, NJW-RR 2018, 970 Rn. 36[]
  12. BGH, Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, ZIP 2017, 281 Rn. 25[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19; Urteil vom 29.09.2017 – V ZR 103/​16, NJW-RR 2018, 461 Rn. 9[]