Zustel­lung an den Nicht-Anwalt

Zustel­lun­gen an einen gegen Art. 1 § 1 RBerG ver­sto­ßen­den Bevoll­mäch­tig­ten sind bis zu des­sen Zurück­wei­sung durch das Gericht wirk­sam (vgl. nun­mehr auch § 79 Abs. 3 Satz 2 ZPO); ein den Bevoll­mäch­tig­ten vom Ver­fah­ren aus­schlie­ßen­der Beschluss wirkt kon­sti­tu­tiv und ent­fal­tet kei­ne Rück­wir­kung.

Zustel­lung an den Nicht-Anwalt

Für die – in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof noch maß­geb­li­che – Rechts­la­ge nach dem Rechts­be­ra­tungs­ge­setz ent­spricht es höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, dass Pro­zess­hand­lun­gen nicht ohne wei­te­res unbe­acht­lich sind, wenn der Bevoll­mäch­tig­te gegen Art. 1 § 1 RBerG ver­stößt 1. Ein den Bevoll­mäch­tig­ten vom Ver­fah­ren aus­schlie­ßen­der Beschluss wirkt kon­sti­tu­tiv und ent­fal­tet kei­ne Rück­wir­kung 2. Für Zustel­lun­gen gilt nichts anders. Dem ent­spricht es, dass der Gesetz­ge­ber unter bewuss­ter Fort­schrei­bung die­ser Rechts­la­ge 3 nun­mehr für das seit dem 1. Juli 2008 gel­ten­de Recht eine aus­drück­li­che Rege­lung geschaf­fen hat, wonach nicht nach § 79 Abs. 2 ZPO zur Ver­tre­tung befug­te Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te zurück­zu­wei­sen sind, die bis dahin vor­ge­nom­me­nen Rechts­hand­lun­gen und Zustel­lun­gen aber wirk­sam blei­ben (§ 79 Abs. 3 Satz 1 u. 2 ZPO).

Dies schließt es aller­dings nicht aus, dass eine Pro­zess­voll­macht bei Hin­zu­tre­ten außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de gleich­wohl unwirk­sam sein kann. Das hat dann zur Fol­ge, dass auch die namens des Ver­tre­te­nen vor­ge­nom­me­ne Pro­zess­hand­lung kei­ne Rechts­wir­kun­gen ent­fal­tet. So hat der Bun­des­ge­richts­hof wie­der­holt ent­schie­den, dass die pro­zes­sua­len Grund­sät­zen unter­ste­hen­de Voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung nach § 794 Abs. 1 Nr. 5 ZPO durch einen gegen Art. 1 § 1 RBerG ver­sto­ßen­den Treu­hän­der im Hin­blick auf die beson­de­ren Gefah­ren unwirk­sam ist, die mit der Voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung ver­bun­den sind 4. Es erscheint nicht hin­nehm­bar, dass ein gegen Art. 1 § 1 RBerG ver­sto­ßen­der Bevoll­mäch­tig­ter zu Las­ten des Ver­tre­te­nen für den Ver­tre­te­nen zwar kei­ne mate­ri­ell­recht­li­che Ver­pflich­tung nach 780 BGB begrün­den kann (§ 134 BGB), er aber in der Lage sein soll, einen – ungleich gefähr­li­che­ren – Voll­stre­ckungs­ti­tel zu schaf­fen 5. Damit sind Zustel­lun­gen in einem gerichts­för­mi­gen Ver­fah­ren nicht zu ver­glei­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2010 – V ZB 122/​09

  1. vgl. BVerfG NJW 2004, 1373, 1374; BGHZ 54, 275, 281[]
  2. BVerfG, a.a.O.; Rennen/​Calie­be, RBerG, 3. Aufl., Art. 1 § 1 Rdn. 199; jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BT-Drs. 16/​3655, S. 34[]
  4. vgl. dazu etwa BGHZ 154, 283, 286 f. m.w.N.[]
  5. BGH, Urteil vom 29.10.2003 – IV ZR 122/​02, NJW 2004, 841, 843[]