Zustel­lung dem­nächst – und der Gerichts­kos­ten­vor­schuss

Die Ver­jäh­rung etwai­ger Ansprü­che des Klä­gers ist gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 167 ZPO bereits mit Ein­gang der Kla­ge­schrift gehemmt, wenn die Zustel­lung der Kla­ge­schrift „dem­nächst“ im Sin­ne von § 167 ZPO erfolgt. Dabei kann eine vor dem Jah­res­wech­sel ein­ge­reich­te Kla­ge­schrift auch noch Mit­te Febru­ar „dem­nächst“ zuge­stellt wer­den.

Zustel­lung dem­nächst – und der Gerichts­kos­ten­vor­schuss

Ob eine Zustel­lung „dem­nächst“ im Sin­ne von § 167 ZPO erfolgt ist, beur­teilt sich nach dem Sinn und Zweck die­ser Rege­lung. Danach soll die Par­tei bei der Zustel­lung von Amts wegen vor Nach­tei­len durch Zustel­lungs­ver­zö­ge­run­gen inner­halb des gericht­li­chen Geschäfts­be­triebs bewahrt wer­den. Dage­gen sind der Par­tei die Ver­zö­ge­run­gen zuzu­rech­nen, die sie oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter (§ 85 Abs. 2 ZPO) bei gewis­sen­haf­ter Pro­zess­füh­rung hät­te ver­mei­den kön­nen [1]. Eine Zustel­lung „dem­nächst“ nach Ein­gang des Antrags oder der Erklä­rung bedeu­tet daher eine Zustel­lung inner­halb einer nach den Umstän­den ange­mes­se­nen Frist, wenn die Par­tei oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter unter Berück­sich­ti­gung der Gesamt­si­tua­ti­on alles Zumut­ba­re für die als­bal­di­ge Zustel­lung getan hat. Die Zustel­lung ist dage­gen nicht mehr „dem­nächst“ erfolgt, wenn die Par­tei, der die Fris­t­wah­rung obliegt, oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter durch nach­läs­si­ges – auch leicht fahr­läs­si­ges – Ver­hal­ten zu einer nicht ledig­lich gering­fü­gi­gen Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung bei­getra­gen hat. Hat der Ver­an­las­ser die Zustel­lung nicht vor­werf­bar ver­zö­gert oder fällt ihm nur eine gering­fü­gi­ge Ver­zö­ge­rung zur Last, über­wie­gen regel­mä­ßig sei­ne Inter­es­sen gegen­über den Belan­gen des Zustel­lungs­adres­sa­ten [2]. Dem Zustel­lungs­ver­an­las­ser zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­run­gen von bis zu 14 Tagen gel­ten regel­mä­ßig als „gering­fü­gig“ und sind des­halb hin­zu­neh­men [3].

Nach die­sen Maß­stä­ben ware in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Zustel­lun­gen „dem­nächst“ bewirkt wor­den. Die dem Klä­ger zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­rung über­schrei­tet den noch hin­nehm­ba­ren Zeit­raum von 14 Tagen nicht.

Der Klä­ger muss den Gerichts­kos­ten­vor­schuss nach § 12 Abs. 1 GKG nicht von sich aus mit der Kla­ge ein­zah­len. Er kann viel­mehr – jeden­falls bis drei Wochen nach Ein­rei­chung der Kla­ge bzw. nach Ablauf der durch die Kla­ge zu wah­ren­den Frist – die Anfor­de­rung durch das Gericht abwar­ten [4]. Erst ab die­sem Zeit­punkt ist zu über­prü­fen, ob ein nach­läs­si­ges Ver­hal­ten des Klä­gers oder sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zu einer nicht ledig­lich gering­fü­gi­gen Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung bei­getra­gen hat. Ob eine gering­fü­gi­ge und des­halb regel­mä­ßig hin­zu­neh­men­de Ver­zö­ge­rung vor­liegt, beur­teilt sich nach nun­mehr ein­hel­li­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, der sich der V. Zivil­se­nat unter Auf­ga­be sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung [5] ange­schlos­sen hat, nicht nach der Zeit­span­ne zwi­schen der Auf­for­de­rung zur Ein­zah­lung der Gerichts­kos­ten und deren Ein­gang bei der Gerichts­kas­se, son­dern danach, um wie vie­le Tage sich der ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum für die Zustel­lung der Kla­ge als Fol­ge der Nach­läs­sig­keit des Klä­gers ver­zö­gert hat [6].

Danach über­schritt im hier ent­schie­de­nen Fall die dem Klä­ger zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­rung der Kla­ge­zu­stel­lung bis zum Ein­gang des Vor­schus­ses am 30.01.2012 die regel­mä­ßig noch hin­zu­neh­men­de Dau­er von 14 Tagen nicht. Vor­lie­gend sind die Gerichts­kos­ten ver­fah­rens­wid­rig nicht unmit­tel­bar beim Klä­ger ange­for­dert wor­den, son­dern über sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten [7]. Ob und in wel­chem Umfang die­ses Vor­ge­hen zu einer dem Klä­ger nicht zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­rung der Zustel­lung geführt hat, kann dahin­ste­hen [8]. Selbst wenn dem Klä­ger die Zah­lungs­auf­for­de­rung am 13.01.2012 – einem Frei­tag – unmit­tel­bar zuge­gan­gen wäre, hät­te er nicht vor dem dar­auf­fol­gen­den Mon­tag, also dem 16.01.2012, tätig wer­den müs­sen. Von einer auf die Wah­rung ihrer pro­zes­sua­len Oblie­gen­hei­ten bedach­ten Par­tei kann nicht ver­langt wer­den, an Wochen­end- und Fei­er­ta­gen für die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses Sor­ge zu tra­gen [9]. Da vom 16.01.2012 bis zum Ein­gang der Gerichts­kos­ten am 30.01.2012 nicht mehr als 14 Tage ver­gan­gen sind, kommt es auch nicht dar­auf an, ob die für die Bank­be­ar­bei­tung erfor­der­li­chen Werk­ta­ge zu Guns­ten des Klä­gers zu berück­sich­ti­gen sein könn­ten [10] und wann der Rechts­schutz­ver­si­che­rer des Klä­gers die Anwei­sung ver­an­lasst hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2016 – II ZR 280/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.11.1985 – II ZR 236/​84, NJW 1986, 1347, 1348[]
  2. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5; Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8, jeweils mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 25.11.1985 – II ZR 236/​84, NJW 1986, 1347, 1348; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5[]
  4. sie­he zuletzt BGH, Urteil vom 25.09.2015 – V ZR 203/​1413; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643, 644 mwN[]
  6. BGH, Urteil vom 25.09.2015 – V ZR 203/​14 9; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, ZIP 2015, 2501 Rn.19; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 9; Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8[]
  7. vgl. Gerlach/​Gerlach in Dörndorfer/​Neie/​Petzold/​Wendtland, Beck­OK KostR, 11. Edi­ti­on, Stand 15.02.2015, § 25 KostVfg Rn. 13 f.[]
  8. für eine in sol­chen Fäl­len im All­ge­mei­nen zu ver­an­schla­gen­de – der Par­tei nicht zuzu­rech­nen­de – Ver­zö­ge­rung von drei Werk­ta­gen BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 8[]
  9. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 9[]
  10. vgl. auch BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, ZIP 2015, 1898 Rn. 9[]