Zustel­lung „dem­nächst“ – und die Ein­zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses

Das Merk­mal „dem­nächst“ (§ 167 ZPO) ist nur erfüllt, wenn sich der Par­tei zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­run­gen in einem hin­nehm­ba­ren Rah­men hal­ten.

Zustel­lung „dem­nächst“ – und die Ein­zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses

Mit Blick auf die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses kommt es bei der Berech­nung der noch hin­nehm­ba­ren Ver­zö­ge­rung von 14 Tagen nicht auf die Zeit­span­ne zwi­schen der Auf­for­de­rung zur Ein­zah­lung der Gerichts­kos­ten und deren Ein­gang bei der Gerichts­kas­se, son­dern dar­auf an, um wie vie­le Tage sich der für die Zustel­lung der Kla­ge ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum infol­ge der Nach­läs­sig­keit des Klä­gers ver­zö­gert hat [1].

Wur­de der Kos­ten­vor­schuss ver­fah­rens­wid­rig nicht von der kla­gen­den Par­tei selbst, son­dern über deren Anwalt ange­for­dert, ist die damit ein­her­ge­hen­de – der Par­tei nicht zuzu­rech­nen­de – Ver­zö­ge­rung im All­ge­mei­nen mit drei Werk­ta­gen zu ver­an­schla­gen.

Auch von einer auf die Wah­rung ihrer pro­zes­sua­len Oblie­gen­hei­ten bedach­ten Par­tei kann nicht ver­langt wer­den, an Wochen­end- und Fei­er­ta­gen sowie am Hei­lig­abend und Sil­ves­ter für die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses Sor­ge zu tra­gen.

Das Merk­mal „dem­nächst“ (§ 167 ZPO) ist nur erfüllt, wenn sich die der Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­run­gen in einem hin­nehm­ba­ren Rah­men hal­ten. Dabei wird eine der Par­tei zuzu­rech­nen­de Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung von bis zu 14 Tagen regel­mä­ßig hin­ge­nom­men [2], um eine Über­for­de­rung des Klä­gers sicher aus­zu­schlie­ßen.

Dar­über hin­aus hat der V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs in der typi­sier­ba­ren Fall­grup­pe des nach § 12 Abs. 1 GKG zu leis­ten­den Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses eine hin­nehm­ba­re Ver­zö­ge­rung bejaht, wenn die­ser nach sei­ner Anfor­de­rung inner­halb eines Zeit­raums ein­ge­zahlt wird, der sich „um zwei Wochen bewegt oder nur gering­fü­gig dar­über liegt“ [3]. Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof einen Zeit­raum von 14 Tagen für unschäd­lich erach­tet. Die Hin­nehm­bar­keit dar­über hin­aus­ge­hen­der Ver­zö­ge­run­gen hat er dage­gen vom Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de und dem Ergeb­nis einer tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de abhän­gig gemacht [4]. Dem­ge­gen­über belässt es der VII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs auch in die­ser Kon­stel­la­ti­on bei den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen, was dazu führt, dass bei der Berech­nung der noch hin­nehm­ba­ren Ver­zö­ge­rung von 14 Tagen nicht auf die Zeit­span­ne zwi­schen der Auf­for­de­rung zur Ein­zah­lung der Gerichts­kos­ten und deren Ein­gang bei der Gerichts­kas­se, son­dern dar­auf abge­stellt wird, um wie­vie­le Tage sich der für die Zustel­lung der Kla­ge ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum infol­ge der Nach­läs­sig­keit des Klä­gers ver­zö­gert hat [5]. Die­ser Rechts­auf­fas­sung schließt sich der V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs nun­mehr aus Grün­den der Ver­ein­heit­li­chung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung und zur Her­stel­lung eines ein­heit­li­chen – für sämt­li­che Fall­grup­pen gel­ten­den – Maß­sta­bes an.

Dabei war im hier ent­schie­de­nen Fall zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen, dass der Kos­ten­vor­schuss ver­fah­rens­wid­rig (§ 31 Abs. 1, § 32 Abs. 2 KostVfG-Ber­lin aF) nicht von der Par­tei selbst, son­dern über deren Anwalt ange­for­dert wor­den ist [6]. Die damit ein­her­ge­hen­de – der Par­tei nicht zuzu­rech­nen­de – Ver­zö­ge­rung ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs im All­ge­mei­nen mit drei Werk­ta­gen zu ver­an­schla­gen unter Aus­klam­me­rung des Ein­gangs­ta­ges und von Wochen­end­ta­gen. Inner­halb einer sol­chen Zeit­span­ne kann auch in hoch­be­las­te­ten Anwalts­kanz­lei­en eine Kennt­nis­nah­me, Bear­bei­tung und Wei­ter­lei­tung sowie bei Zugrun­de­le­gung übli­cher Post­lauf­zei­ten auch der Ein­gang bei der Par­tei selbst erwar­tet wer­den. Da die Kos­ten­an­for­de­rung dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten am 18.12 2012 (Diens­tag) zuge­gan­gen ist, führt dies dazu, dass die Klä­ger so zu stel­len sind, wie sie stün­den, wenn ihnen selbst die Anfor­de­rung erst am 21.12 2012 (Frei­tag) zuge­gan­gen wäre.

Sodann ist in Rech­nung zu stel­len, dass von einer auf die Wah­rung ihrer pro­zes­sua­len Oblie­gen­hei­ten bedach­ten Par­tei nicht ver­langt wer­den kann, an Wochen­end- und Fei­er­ta­gen für die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses Sor­ge zu tra­gen [7]; eben­so ist bei der gebo­te­nen typi­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se mit dem 24. und 31.12 (Hei­lig­abend und Sil­ves­ter) zu ver­fah­ren, weil an die­sen Tagen viel­fach über­haupt nicht oder doch nur ein­ge­schränkt gear­bei­tet wird. Da die Klä­ger danach frü­hes­tens am 27.12 2012 (Don­ners­tag) hät­ten tätig wer­den müs­sen und der Kos­ten­vor­schuss tat­säch­lich am 7.01.2013 bei der Jus­tiz­kas­se ein­ge­gan­gen ist, liegt selbst ohne Berück­sich­ti­gung des für die Über­wei­sung durch die Bank erfor­der­li­chen Zeit­raums kei­ne schuld­haf­te Ver­zö­ge­rung von mehr als 14 Tagen vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2015 – V ZR 154/​14

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8 f.; mwN; Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643 f. mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Urteil vom 12.01.1996 – V ZR 246/​94, NJW 1996, 1060, 1061 [inso­weit in BGHZ 131, 376 nicht abge­druckt]; BGH, Urteil vom 01.12 1993 – XII ZR 177/​92, NJW 1994, 1073, 1074; jeweils mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643 f.; Urteil vom 17.09.2010 – V ZR 5/​10, NJW 2010, 3376, 3377 Rn. 7; Urteil vom 03.02.2012 – V ZR 44/​11, NJW-RR 2012, 527 Rn. 7; Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230, 235 f., Rn. 16; vgl. auch jeweils obiter BGH, Urteil vom 15.11.1985 – II ZR 236/​84, NJW 1986, 1347, 1348; Urteil vom 12.11.2009 – III ZR 113/​09 21 f.; inso­weit in NJW 2010, 333 ff. nicht abge­druckt[]
  4. vgl. nur BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643, 644[]
  5. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8 f.; Urteil vom 20.04.2000 – VII ZR 116/​99, NJW 2000, 2282; Urteil vom 27.05.1999 – VII ZR 24/​98, NJW 1999, 3125; vgl. auch Urteil vom 25.02.1971 – VII ZR 181/​69, NJW 1971, 891 f.[]
  6. Abgren­zung zu BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643, 644; Urteil vom 03.02.2012 – V ZR 44/​11, NJW-RR 2012, 527 Rn. 11[]
  7. vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 14.04.2011 – I2 U 102/​10 22; KG, Beck­RS 2010, 03466; vom BGH man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit bis­lang offen gelas­sen, vgl. BGH, Urteil vom 30.03.2012 – V ZR 148/​11, ZMR 2012, 643, 644[]