Zustel­lung dem­nächst – und die Streit­wert­an­fra­ge des Gerichts

Für die Fra­ge, ob die mate­ri­el­le Kla­ge­er­he­bungs­frist des § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG gewahrt ist, ist auf den Ein­gang der Kla­ge­schrift bei Gericht abzu­stel­len, wernn die Zustel­lung der Kla­ge dem­nächst im Sin­ne von § 167 ZPO bewirkt wor­den ist.

Zustel­lung dem­nächst – und die Streit­wert­an­fra­ge des Gerichts

Das Merk­mal "dem­nächst" (§ 167 ZPO) ist nur erfüllt, wenn sich die der Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­run­gen der Zustel­lung der Kla­ge in einem hin­nehm­ba­ren Rah­men hal­ten. Dabei wird eine der Par­tei zuzu­rech­nen­de Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung von bis zu 14 Tagen regel­mä­ßig hin­ge­nom­men 1.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war frag­lich, ob durch die ver­spä­te­te Beant­wor­tung der Streit­wert­an­fra­ge des Amts­ge­richts nicht eine von den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger ver­schul­de­te und damit den Klä­gern zuzu­rech­nen­de Ver­zö­ge­rung von mehr als 14 Tagen ein­ge­tre­ten ist.

Der 14-Tage-Zeit­raum berech­net sich nicht ab dem Tag, an wel­chem den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger die Streit­wert­an­fra­ge zuge­gan­gen ist.

Viel­mehr ist auf die Zeit­span­ne abzu­stel­len, um die sich der für die Zustel­lung der Kla­ge ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum infol­ge der Nach­läs­sig­keit der Klä­ger ver­zö­gert hat 2. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof für die Fall­kon­stel­la­ti­on der Gerichts­kos­ten­vor­schuss­an­for­de­rung die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, der 14-Tage-Zeit­raum sei schon ab Ein­gang der Vor­schuss­an­for­de­rung zu berech­nen, hat er hier­an in der Ent­schei­dung vom 10.07.2015 3 nicht mehr fest­ge­hal­ten.

Danach hält sich im hier ent­schie­de­nen Fall die zure­chen­ba­re Ver­zö­ge­rung im vor­lie­gen­den Fall inner­halb eines Zeit­rau­mes von 14 Tagen. Da die Recht­spre­chung es der Par­tei gestat­tet, den Streit­wert nicht in der Kla­ge­schrift anzu­ge­ben, son­dern eine Streit­wert­an­fra­ge des Gerichts für einen – wie hier – ange­mes­se­nen Zeit­raum abzu­war­ten 4, kann die Zeit, die die Par­tei zur Beant­wor­tung der Streit­wert­an­fra­ge auch bei zügi­ger Bear­bei­tung benö­tigt, nicht als ihr zuzu­rech­nen­de schuld­haf­te Ver­zö­ge­rung ange­se­hen wer­den. Ihr zuzu­rech­nen ist viel­mehr nur eine Ver­zö­ge­rung, die dadurch ein­tritt, dass sie die Streit­wert­an­fra­ge nicht zügig beant­wor­tet 5. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist im vor­lie­gen­den Fall die Streit­wert­an­fra­ge den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger am 16.08.2013 zuge­gan­gen. Da auch bei einem ein­fach gela­ger­ten Sach­ver­halt für die Beant­wor­tung einer Streit­wert­an­fra­ge ein­schließ­lich deren Ein­gang bei Gericht bei der gebo­te­nen zügi­gen Bear­bei­tung ein Zeit­raum von jeden­falls einer Woche zu ver­an­schla­gen ist 6, kann den Klä­gern frü­hes­tens die ab dem 24.08.2013 ein­ge­tre­te­ne Ver­zö­ge­rung zuge­rech­net wer­den. Die hier maß­geb­li­che Frist von 14 Tagen ende­te am 7.09.2013. Da es sich hier­bei um einen Sams­tag han­del­te, ist unter Berück­sich­ti­gung des in § 193 BGB ent­hal­te­nen Rechts­ge­dan­kens mit der am Mon­tag, den 9.09.2013, ein­ge­gan­ge­nen Beant­wor­tung der Streit­wert­an­fra­ge die 14-Tage-Frist noch gewahrt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2016 – V ZR 131/​15

  1. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 2/​14, ZWE 2015, 375 Rn. 5; BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, NJW 2015, 3101 Rn. 15; jeweils mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, NJW 2015, 3101 Rn. 15 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.07.2015 – V ZR 2/​14, ZWE 2015, 375 Rn. 6[]
  4. vgl. dazu BGH, Urteil vom 25.09.2015 – V ZR 203/​14, NJW 2016, 568 Rn. 13[]
  5. BGH, Urteil vom 01.12 1993 – XII ZR 177/​92, NJW 1994, 1073, 1074[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 01.12 1993 – XII ZR 177/​92, NJW 1994, 1073, 1074[]