Zustel­lung – und die Zustel­l­ur­kun­de

Die Zustel­lungs­ur­kun­de kann nicht nur die Zustel­lung der auf der Zustel­l­ur­kun­de ver­merk­ten Ver­fü­gung der Urkund­s­be­am­tin, son­dern auch der in der Urkun­de nicht genann­ten beglau­big­ten Abschrift des Beschlus­ses bewei­sen.

Zustel­lung – und die Zustel­l­ur­kun­de

Zwar trifft der Aus­gangs­punkt zu, dass sich die Beweis­kraft gemäß § 182 Abs. 1 Satz 2, § 418 Abs. 1 ZPO nur auf die in der Zustel­lungs­ur­kun­de fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen erstreckt [1]. § 182 Abs. 2 ZPO ver­langt aber nicht die Bezeich­nung des zuge­stell­ten Schrift­stücks in der Zustel­lungs­ur­kun­de.

Zudem ist die Zustel­lungs­ur­kun­de kein not­wen­di­ger (kon­sti­tu­ti­ver) Bestand­teil der Zustel­lung, son­dern dient nur deren Nach­weis [2]. Zur Klä­rung der Fra­ge, wel­ches Schrift­stück zuge­stellt wur­de, sind daher neben etwai­gen Anga­ben in der Zustel­lungs­ur­kun­de auch die sons­ti­gen Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re die Ver­fü­gun­gen des Gerichts, zu wür­di­gen [3].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist in der Zustel­lungs­ur­kun­de in dem Text­feld „1.2 Ggf. wei­te­re Kennz.“ ver­merkt „Bl. 241“. Das ver­weist auf die Ver­fü­gung der Urkund­s­be­am­tin vom 25.09.2018, in wel­cher der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers zur Rück­sen­dung des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses betref­fend die beglau­big­te Abschrift des Beschlus­ses auf­ge­for­dert wird. Am 8.10.2018 (dem Vor­tag der Zustel­lung) hat die Urkund­s­be­am­tin auf dem Tele­fax­Sen­de­be­richt die­ser Ver­fü­gung (ohne Blatt­zahl hin­ter GA II 241) ver­merkt „Beschluss gegen ZU an KV“. Dar­un­ter ist ein Auf­kle­ber mit der­sel­ben Num­mer ange­bracht, die sich auf einem ent­spre­chen­den Auf­kle­ber auf der Zustel­lungs­ur­kun­de fin­det. Aus dem Zusam­men­hang der Ver­fü­gun­gen vom 25.09.und 8.10.2018, der Anga­be der Blatt­zahl in der Zustel­lungs­ur­kun­de sowie den Auf­kle­bern auf der Ver­fü­gung vom 08.10.2018 und der Zustel­lungs­ur­kun­de ergibt sich zur Über­zeu­gung des Bun­des­ge­richts­hofs hin­rei­chend deut­lich, dass dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers am 9.10.2018 eine beglau­big­te Abschrift des ange­foch­te­nen Beschlus­ses zuge­stellt wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2020 – IV ZB 29/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2018 XII ZB 138/​18, NJW 2018, 2802 Rn. 5[]
  2. BGH, Urteil vom 19.07.2007 – I ZR 136/​05, NJW RR 2008, 218 Rn. 26; Beschluss vom 11.07.2018 aaO; BT-Drs. 14/​4554 S. 15; Zöller/​Schultzky, ZPO 33. Aufl. § 166 Rn. 10[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2018 aaO Rn. 8[]