Zustellung „demnächst“ – und die Zahlung der Gerichtskosten

Eine Zustellung „demnächst“ (§ 167 ZPO) nach Eingang des Antrags oder der Erklärung bedeutet eine Zustellung innerhalb einer nach den Umständen angemessenen, selbst längeren Frist, wenn die Partei oder ihr Prozessbevollmächtigter unter Berücksichtigung der Gesamtsituation alles Zumutbare für die alsbaldige Zustellung getan hat.

Zustellung „demnächst“ – und die Zahlung der Gerichtskosten

Die Zustellung ist dagegen nicht mehr „demnächst“ erfolgt, wenn die Partei, der die Fristwahrung obliegt, oder ihr Prozessbevollmächtigter durch nachlässiges auch leicht fahrlässiges Verhalten zu einer nicht bloß geringfügigen Zustellungsverzögerung beigetragen hat. Hat der Veranlasser die Zustellung nicht vorwerfbar verzögert oder fällt ihm nur eine geringfügige Verzögerung zur Last, überwiegen regelmäßig seine Interessen gegenüber den Belangen des Zustellungsadressaten1.

Bei der Bemessung einer Verzögerung ist auf die Zeitspanne abzustellen, um die sich der ohnehin erforderliche Zeitraum für die Zustellung der Klage als Folge der Nachlässigkeit des Klägers verzögert2. Dem Zustellungsveranlasser zuzurechnende Verzögerungen von bis zu 14 Tagen gelten regelmäßig als „geringfügig“ und sind deshalb hinzunehmen3.

Die Gerichtskostenrechnung darf die Klägerin abwarten4. Auch von einer auf die Wahrung ihrer prozessualen Obliegenheit bedachten Partei kann nicht verlangt werden, an Wochenend- und Feiertagen für die Einzahlung des Kostenvorschusses zu sorgen5. Ihr ist darüber hinaus eine Erledigungsfrist von bis zu drei Werktagen zur Bereitstellung und Einzahlung des Kostenvorschusses zuzugestehen6.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 25. Oktober 2016 – II ZR 230/15

  1. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/07, NJW 2011, 1227 Rn. 8; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 12.01.2016 – II ZR 280/14 12[]
  2. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/07, NJW 2011, 1227 Rn. 8; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/15, NJW 2015, 2666 Rn. 6; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/14, NJW 2015, 3101 Rn.19[]
  3. BGH, Urteil vom 25.11.1985 – II ZR 236/84, NJW 1986, 1347, 1348; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/14, ZIP 2015, 2501 Rn. 15; Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/14, ZIP 2015, 1898 Rn. 5[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 12.01.2016 – II ZR 280/14 12 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/15, NJW 2015, 2666 Rn. 6; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/14, NJW 2015, 3101 Rn.19[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/14, NJW 2015, 3101 Rn.19; vgl. auch Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/07, NJW 2011, 1277 Rn. 9[]