Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek für eine GbR

Die Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se einer GbR kön­nen auch bei der spä­te­ren Löschung einer von ihr erwirk­ten Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek mit der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung des Urteils nach­ge­wie­sen wer­den, auf Grund des­sen die Ein­tra­gung der Hypo­thek erfolg­te.

Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek für eine GbR

Die Mög­lich­keit, die Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se einer GbR mit dem zu voll­stre­cken­den Urteil nach­zu­wei­sen, hat der Bun­des­ge­richts­hof für die Ein­tra­gung einer Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek bereits bejaht [1]. Er hat dies sei­ner­zeit mit dem Cha­rak­ter des Urteils als öffent­li­cher Urkun­de begrün­det. Den mög­li­chen Ein­wand, die Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se könn­ten sich seit der Ver­kün­dung des Urteils ver­än­dert haben, hat er mit der Begrün­dung für uner­heb­lich gehal­ten, sol­che Ver­än­de­run­gen lie­ßen sich bei kei­ner öffent­li­chen Urkun­de aus­schlie­ßen. Die­se Begrün­dung lässt sich nicht ohne wei­te­res auf die spä­te­re Löschung der Hypo­thek über­tra­gen. Die Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se der GbR kön­nen aber aus einem ande­ren Grund auch für die spä­te­re Löschung mit der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung des Urteils nach­ge­wie­sen wer­den.

Die Hypo­thek, um deren Löschung es hier geht, ist weder auf Grund einer Bewil­li­gung noch auf Grund einer eine sol­che Bewil­li­gung erset­zen­den Ver­ur­tei­lung ein­ge­tra­gen wor­den. Es han­delt sich viel­mehr um eine Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek, die nach § 867 ZPO als Maß­nah­me der Zwangs­voll­stre­ckung in das unbe­weg­li­che Ver­mö­gen ein­ge­tra­gen wor­den ist. Grund­la­ge der Ein­tra­gung einer sol­chen Hypo­thek ist der Voll­stre­ckungs­ti­tel, hier das Urteil des Kam­mer­ge­richts vom 28.04.2008. Das Grund­buch­amt han­delt bei der Ein­tra­gung einer Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek als Voll­stre­ckungs­or­gan. Wie jedes Voll­stre­ckungs­or­gan hat es dabei nur die for­mel­len, nicht auch die sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung zu prü­fen [2]. Die sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung sind viel­mehr bei der Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel zu prü­fen. Die erteil­te Klau­sel hin­der­te das Voll­stre­ckungs­or­gan nicht – und damit auch nicht das Grund­buch­amt bei einer Ein­tra­gung nach § 867 ZPO – dar­an, den Titel etwa dar­auf zu über­prü­fen, ob er über­haupt ein voll­streck­ba­rer Titel ist [3] und ob er einen voll­streck­ba­ren Inhalt hat [4]. Die mit der Voll­stre­ckungs­klau­sel beschei­nig­ten sach­li­chen Erfor­der­nis­se der Voll­stre­ckung sind aber einer Über­prü­fung durch die Voll­stre­ckungs­or­ga­ne ent­zo­gen [5]. Zu die­sen gehört auch die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­tre­tung des Gläu­bi­gers. Feh­ler bei des­sen Ver­tre­tung kön­nen nach Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel nur noch im Wege der Klau­seler­in­ne­rung nach § 732 ZPO gerügt wer­den [6]. Geschieht dies nicht, sind sie von dem Voll­stre­ckungs­or­gan hin­zu­neh­men. Zeit­li­che Gren­zen bestimmt das Gesetz dafür nicht.

Dar­an hat sich durch die nach der erwähn­ten BGH-Ent­schei­dung erfolg­te Ergän­zung von § 47 GBO um den heu­ti­gen Absatz 2 nichts geän­dert. Danach darf eine GbR als Inha­be­rin von Rech­ten an einem Grund­stück nicht mehr allein unter ihrer Bezeich­nung, son­dern unter Nen­nung ihrer Gesell­schaf­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Nach Art. 229 § 21 EGBGB müss­te die Bezeich­nung einer GbR als Gläu­bi­ge­rin einer vor dem Inkraft­tre­ten von § 47 Abs. 2 GBO ein­ge­tra­ge­nen Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek ent­spre­chend geän­dert wer­den. Hier geht es aber nicht dar­um, dass die GbR als Gläu­bi­ge­rin der Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek nicht dem Gesetz ent­spre­chend ein­ge­tra­gen ist und wie dies erreicht wer­den könn­te. Viel­mehr geht es um die Löschung der Hypo­thek und die Fra­ge, wie die Ver­tre­tung der GbR durch die Ge. nach­ge­wie­sen wer­den kann. Dazu besagt § 47 Abs. 2 GBO nichts. Die Vor­schrift befasst sich nur mit der Form der Ein­tra­gung, stellt aber kei­ne zusätz­li­chen Nach­wei­s­er­for­der­nis­se auf [7]. Der Bin­dung des Grund­buch­amts als Voll­stre­ckungs­or­gan an die Anga­ben im Titel steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Anga­be zu Gesell­schaf­tern unter Umstän­den nicht an den Urteils­wir­kun­gen teil­nimmt [8]. Hier geht es um die Anga­be zur Ver­tre­tung der GbR. Die­se ist nach § 253 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 4, § 130 Nr. 1 ZPO von dem Pro­zess­ge­richt zu prü­fen und im Rubrum aus­zu­wei­sen.

Aller­dings ist das Grund­buch­amt nur in sei­ner Eigen­schaft als Voll­stre­ckungs­or­gan an die Anga­be zur Ver­tre­tung des Gläu­bi­gers im Titel gebun­den. Dazu gehört die hier anste­hen­de Löschung nicht. Für sie gel­ten viel­mehr aus­schließ­lich die Anfor­de­run­gen der Grund­buch­ord­nung [9]. Dem trägt das Gesetz etwa in § 868 ZPO dadurch Rech­nung, dass die Hypo­thek auch nach einer Erklä­rung der Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig zur Eigen­tü­mer­grund­schuld wird. Das ändert aber nichts dar­an, dass die Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek nicht nur eine Siche­rungs­hy­po­thek ist, auf die das mate­ri­el­le Hypo­the­ken­recht anzu­wen­den ist [10], son­dern eine Maß­nah­me der Zwangs­voll­stre­ckung bleibt. Das ist auch bei der Anwen­dung des § 29 GBO auf die Löschung einer Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek zu berück­sich­ti­gen. Die­se dient inhalt­lich dazu, die erwirk­te Voll­stre­ckungs­maß­nah­me wie­der rück­gän­gig zu machen. Dass dafür stren­ge­re Anfor­de­run­gen gel­ten sol­len als für ihre Erwir­kung, ist sach­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Der Nach­weis der Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se des Gläu­bi­gers kann daher für die Löschung einer Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek mit der voll­streck­ba­ren Urteils­aus­fer­ti­gung erbracht wer­den, die Grund­la­ge ihrer Ein­tra­gung war. Dafür spricht auch, dass das Grund­buch­amt die­sen Titel bei Ein­tra­gung einer wei­te­ren Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek wie­der als Nach­weis der Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se aus­rei­chen las­sen müss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2011 – V ZB 90/​11

  1. BGH, Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, 114 Rn. 25[]
  2. Bay­O­bLG, OLGE 3, 306 [in casu fehl­ten die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen]; KG, OLGE 7, 367, 368; Stein/​Jonas/​Münzberg, aaO, § 867 Rn. 17[]
  3. BGH, Beschluss vom 04.10.2005 – VII ZB 21/​05, NJW-RR 2006, 217 f.[]
  4. Zöller/​Stöber, ZPO, 28. Aufl., § 724 Rn. 14[]
  5. Zöller/​Stöber wie vor[]
  6. OLG Olden­burg, MDR 1955, 488, 489 für die gesetz­li­che Ver­tre­tung[]
  7. BGH, Beschluss vom 28.04.2011 – V ZB 194/​10, NJW 2011, 1958, 1960 Rn. 24 f.[]
  8. Krü­ger, NZG 2010, 801, 807[]
  9. OLG Dres­den, OLGE 3, 442; Stein/​Jonas/​Münzberg, aaO, § 867 Rn. 40[]
  10. RGZ 78, 398, 406[]