Zwangs­ver­stei­ge­rung einer Eigen­tums­woh­nung – und die Zustim­mung zur Ver­äu­ße­rung

Macht der Gläu­bi­ger des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens einer Eigen­tums­woh­nung gegen­über den übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern einen Anspruch gemäß § 12 WEG auf Ertei­lung der Zustim­mung gel­tend, so han­delt es sich hier­bei um eine Woh­nungs­ei­gen­tums­sa­che gemäß § 43 Nr. 1 WEG.

Zwangs­ver­stei­ge­rung einer Eigen­tums­woh­nung – und die Zustim­mung zur Ver­äu­ße­rung

Bei der Gel­tend­ma­chung des Zustim­mungs­an­spruchs eines Woh­nungs­ei­gen­tü­mers nach § 12 WEG gegen die übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer liegt eine Strei­tig­keit über die sich aus der Gemein­schaft der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer erge­ben­den Rech­ten und Pflich­ten der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer unter­ein­an­der vor 1. Der Annah­me einer gemein­schafts­be­zo­ge­nen Strei­tig­keit im Sin­ne von § 43 Nr. 1 WEG steht nicht ent­ge­gen, dass die Kla­ge hier nicht von dem von der Zwangs­ver­stei­ge­rung betrof­fe­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, son­dern von der Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ge­rin erho­ben wur­de. Denn es kommt auf den Gegen­stand der Strei­tig­keit und nicht dar­auf an, wer die Kla­ge erho­ben hat 2.

Dem­ge­mäß han­delt es sich auch dann um eine Strei­tig­keit nach § 43 Nr. 1 WEG, wenn ein unter die­se Vor­schrift fal­len­des Recht von einem Rechts­nach­fol­ger gel­tend gemacht wird 3. Glei­ches gilt bei einem selb­stän­di­gen Antrags­recht, wie es der Gläu­bi­ge­rin hier zusteht. Eben­so wie der die Zwangs­ver­stei­ge­rung eines Erb­bau­rechts betrei­ben­de Gläu­bi­ger berech­tigt ist, einen Anspruch aus § 7 Abs. 1 Satz 1 Erb­Bau­RG auf Zustim­mung zur Ver­äu­ße­rung des Erb­bau­rechts gel­tend zu machen 4, ist ange­sichts der Ver­gleich­bar­keit der Lage der die Zwangs­ver­stei­ge­rung einer Eigen­tums­woh­nung betrei­ben­de Gläu­bi­ger befugt, den dem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer zuste­hen­den Anspruch aus § 12 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Satz 2 WEG auf Zustim­mung selb­stän­dig aus­zu­üben 5. Der Gegen­stand der Strei­tig­keit – der Anspruch auf Zustim­mung zur Ver­äu­ße­rung gemäß § 12 Abs. 2 WEG – ändert sich dadurch nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2013 – V ZR 269/​12

  1. Jen­ni­ßen, WEG, 3. Aufl., § 12 Rn. 31; Riecke/​Schmid/​Schneider, WEG, 3. Aufl., § 12 Rn. 152; Weitnauer/​Lüke, WEG, 9. Aufl., § 12 Rn. 12[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2012 – V ZB 56/​12, NJW-RR 2012, 1359 Rn. 6[]
  3. vgl. Klein in Bär­mann, WEG, 12. Aufl., § 43 Rn. 46[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.02.1987 – V ZB 10/​86, BGHZ 100, 107, 111 f.[]
  5. Klein in Bär­mann, WEG, 12. Aufl., § 12 Rn. 41; Palandt/​Bassenge, BGB, 73. Aufl., § 12 WEG, Rn. 13; Riecke/​Schmid/​Schneider, WEG, 3. Aufl., § 12 Rn. 76; Spielbauer/​Then, WEG, 2. Aufl., § 12 Rn. 11; BeckOKWEG/​Hogenschurz, Ed. 17, § 12 Rn. 37; Hint­zen in Dassler/​Schiffhauer/​Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG, 14. Aufl., Vor § 15 Rn. 74, 91[]