Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die unrich­ti­ge Mit­tei­lung der Ansprü­che durch das Amts­ge­richt

Ein Zuschlags­ver­sa­gungs­grund nach § 83 Nr. 6 ZVG lässt nicht auf die inhalt­li­che Unrich­tig­keit der nach § 41 Abs. 2 ZVG erfolg­ten Mit­tei­lung des Voll­stre­ckungs­ge­richts stüt­zen, sofern die­ser Feh­ler im Ver­stei­ge­rungs­ter­min kor­ri­giert wur­de.

Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die unrich­ti­ge Mit­tei­lung der Ansprü­che durch das Amts­ge­richt

Gemäß § 41 Abs. 2 ZVG soll im Lau­fe der vier­ten Woche vor dem Ter­min den Betei­lig­ten mit­ge­teilt wer­den, auf wes­sen Antrag und wegen wel­cher Ansprü­che die Ver­stei­ge­rung erfolgt. In der Lite­ra­tur wird die Fra­ge, wel­che Rechts­fol­gen ein Ver­stoß gegen die­se Mit­tei­lungs­pflicht hat, nicht ein­heit­lich beant­wor­tet. Wäh­rend sich eine inhalt­li­che Unrich­tig­keit nach über­wie­gen­der Ansicht auf das Ver­fah­ren selbst nicht aus­wir­ken soll, da die Vor­schrift nur eine Ord­nungs­vor­schrift dar­stel­le 1, ver­wei­sen ande­re dar­auf, dass eine unrich­ti­ge und unvoll­stän­di­ge Benach­rich­ti­gung bei den Betei­lig­ten fal­sche Vor­stel­lun­gen über ihre Stel­lung im Ver­fah­ren oder die Berech­nung des gerings­ten Gebots her­vor­ru­fen kön­ne und damit unter Umstän­den so schwer wie­ge, dass der Zuschlag in Fra­ge gestellt wer­den müs­se 2.

Die Streit­fra­ge bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung. Selbst wenn einem Ver­stoß gegen § 41 Abs. 2 ZVG trotz ihrer Aus­ge­stal­tung als blo­ße "Soll-Vor­schrift" Rele­vanz für die Ertei­lung eines Zuschlags bei­gemes­sen wür­de und sich hier­aus ein Zuschlags­ver­sa­gungs­grund i.S.d. § 83 Nr. 6 ZVG ablei­ten las­sen könn­te, hat dies auf die Wirk­sam­keit des der Meist­bie­ten­den erteil­ten Zuschlags kei­nen Ein­fluss, weil er geheilt wor­den ist.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind (auch) Ver­fah­rens­feh­ler nach § 83 Nr. 6 ZVG jeden­falls bis zur Ertei­lung des Zuschlags grund­sätz­lich heil­bar, wenn sich ein­deu­tig fest­stel­len lässt, dass der Ver­fah­rens­feh­ler Rech­te von Betei­lig­ten nicht beein­träch­tigt hat 3.

So liegt der Fall hier. Das Voll­stre­ckungs­ge­richt hat zu Beginn des Ver­stei­ge­rungs­ter­mins die Betei­lig­ten aus­drück­lich auf die inhalt­li­che Unrich­tig­keit der Mit­tei­lung gemäß § 41 Abs. 2 ZVG hin­ge­wie­sen und die­se kor­ri­giert. Dass der Schuld­ner in sei­nen Rech­ten beein­träch­tigt wor­den ist, ins­be­son­de­re bei einer inhalt­li­chen Rich­tig­keit der Mit­tei­lung ein höhe­res Gebot erzielt wor­den wäre, ist des­halb aus­zu­schlie­ßen. Gegen eine Rechts­ver­let­zung spricht im übri­gen auch der Umstand, dass dem Schuld­ner der Beschluss, aus dem sich die Auf­he­bung des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens bezüg­lich der in der Mit­tei­lung noch ent­hal­te­nen Zins­an­sprü­che ergab, zuge­stellt wor­den war. Für ihn war des­halb ohne wei­te­res erkenn­bar, dass die Mitt­tei­lung gemäß § 41 Abs. 2 ZVG ledig­lich auf­grund eines Ver­se­hens ein fal­sches Zins­da­tum auf­wies.

BGh, Beschluss vom 16. März 2017 – V ZA 11/​17

  1. Bött­cher, ZVG, 6. Aufl., § 41 Rn. 7; Hint­zen in Dassler/​Schiffhauer/​Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG, 15. Aufl., § 41 Rn. 13; Depré/​Bachmann, ZVG, § 41 Rn. 15; Jaeckel/​Güthe, ZVG, 7. Aufl., § 41 Rn. 3; Stö­ber, ZVG, 21. Aufl., § 41 Rn.03.1[]
  2. vgl. Löning/​Huber, ZVG, § 41 Rn. 6; Steiner/​Teufel, ZVG, 9. Aufl., § 41 Rn. 15[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 30.01.2004 – IXa ZB 285/​03, NJW-RR 2004, 1366, 1367; BGH, Beschluss vom 10.04.2008 – V ZB 114/​07, NJW-RR 2008, 1018 Rn. 17; BGH, Beschluss vom 21.11.2013 – V ZB 109/​13, NJW-RR 2014, 400 Rn. 7[]