Zwangs­ver­stei­ge­rung – und der wegen Befan­gen­heit abge­lehn­te Rechts­pfle­ger

Der Zuschlag im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren darf nach § 83 Nr. 6 ZVG (vor­läu­fig) grund­sätz­lich nicht erteilt wer­den, wenn der Rechts­pfle­ger zuvor wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit abge­lehnt wor­den ist.

Zwangs­ver­stei­ge­rung – und der wegen Befan­gen­heit abge­lehn­te Rechts­pfle­ger

Zwar kann ein Ter­min bei dro­hen­der Ver­ta­gung unter Mit­wir­kung des abge­lehn­ten Rechts­pfle­gers fort­ge­setzt wer­den (§ 10 Satz 1 RPflG i.V.m. § 47 Abs. 2 ZPO). Das ändert jedoch nichts dar­an, dass jeden­falls eine End­ent­schei­dung grund­sätz­lich erst nach (abschlie­ßen­der) Beschei­dung des Ableh­nungs­ge­suchs erge­hen darf 1.

Erle­di­gung im Sin­ne des § 47 Abs. 1 ZPO tritt erst dann ein, wenn die Behand­lung des Ableh­nungs­ge­suchs end­gül­tig abge­schlos­sen ist. Hier­für genügt die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts nicht. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist des­halb geklärt, dass ein Rich­ter für einen Rechts­pfle­ger gilt dies gemäß § 10 Satz 1 RPflG ent­spre­chend grund­sätz­lich nicht vor rechts­kräf­ti­ger Zurück­wei­sung eines Ableh­nungs­ge­suchs tätig wer­den darf 2.

Im vor­lie­gen­den Fall ver­half dies der Rechts­be­schwer­de gegen den Zuschlags­be­schluss vor dem Bun­des­ge­richts­hof gleich­wohl nicht zum Erfolg. Hier­für konn­te es der Bun­des­ge­richts­hof dahin­ste­hen las­sen, ob das Ableh­nungs­ge­such rechts­miss­bräuch­lich war und bereits des­halb der Zuschlag trotz des noch nicht erle­dig­ten Befan­gen­heits­ge­suchs erteilt wer­den durf­te 3. Ein etwai­ger Ver­stoß gegen die War­te­pflicht des § 47 ZPO i.V.m. § 10 Satz 1 RPflG ist jeden­falls dadurch geheilt wor­den, dass die Beschwer­de gegen die Ver­wer­fung des Befan­gen­heits­ge­suchs zwi­schen­zeit­lich rechts­kräf­tig zurück­ge­wie­sen wur­de und des­halb die Unbe­gründ­etheit der Ableh­nung fest­steht. Dass eine sol­che Hei­lung mög­lich ist, ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur aner­kannt 4.

Ob die Hei­lung eines etwai­gen Ver­sto­ßes gegen § 47 Abs. 1 ZPO aus­schei­det, wenn die das Ableh­nungs­ge­such zurück­wei­sen­den Beschlüs­se auf will­kür­li­chen Erwä­gun­gen beru­hen, wie das Beschwer­de­ge­richt meint, bedarf kei­ner Ent­schei­dung, da die Beschlüs­se kei­ne sach­frem­den Erwä­gun­gen ent­hal­ten. Ent­ge­gen dem Vor­brin­gen in der Rechts­be­schwer­de ist die Beschwer­de­ent­schei­dung vom 28.03.2018 nicht nur damit begrün­det wor­den, dass die Betei­lig­te zu 1 bereits "zuvor eini­ge Befan­gen­heits­an­trä­ge gestellt" hat­te. Viel­mehr ver­weist das Beschwer­de­ge­richt dar­auf, dass das Ableh­nungs­ge­such nicht den Anfor­de­run­gen des § 44 ZPO genü­ge, weil ein kon­kre­ter Ableh­nungs­grund hier­aus nicht erkenn­bar sei. Ins­be­son­de­re blei­be unklar, inwie­fern der Rechts­pfle­ger die Betei­lig­te zu 1 "bewusst getäuscht" haben sol­le. Eben­so­we­nig sei aus ihren Aus­füh­run­gen in Ver­bin­dung mit dem Ter­mins­pro­to­koll ersicht­lich, dass das Vor­ge­hen des Rechts­pfle­gers einer aus­rei­chen­den Geset­zes­grund­la­ge ent­beh­re. Wenn das Beschwer­de­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang auf eine Viel­zahl wei­te­rer (erfolg­lo­ser) Befan­gen­heits­an­trä­ge ver­weist und schluss­fol­gert, das Befan­gen­heits­ge­such sei nur zur Ver­fah­rens­ver­schlep­pung gestellt wor­den und damit rechts­miss­bräuch­lich, ist dies ohne wei­te­res nach­voll­zieh­bar, kei­nes­falls will­kür­lich. Für eine beab­sich­tig­te Ver­fah­rens­ver­schlep­pung spricht im Übri­gen auch der Umstand, dass die Betei­lig­te zu 1 das Befan­gen­heits­ge­such auf ein Ver­hal­ten des Rechts­pfle­gers in dem ers­ten Ver­stei­ge­rungs­ter­min am 15.08.2016 stütz­te, die Ableh­nung aber nicht zeit­nah nach die­sem Ter­min erfolg­te, son­dern erst unmit­tel­bar vor Durch­füh­rung des neu­en Ver­stei­ge­rungs­ter­mins am 6.02.2017.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Novem­ber 2018 – V ZB 71/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2007 – V ZB 3/​07, NJW-RR 2008, 216 Rn. 6[]
  2. vgl. nur BGH, Beschluss vom 15.06.2010 – XI ZB 33/​09, NJW-RR 2011, 427 Rn. 17 mwN[]
  3. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 21.06.2007 – V ZB 3/​07, NJW-RR 2008, 216 Rn. 7; sie­he auch bereits BGH, Beschluss vom 14.04.2005 – V ZB 7/​05, NJW-RR 2005, 1226, 1227[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 05.03.2009 – V ZA 26/​08 1; BVerfG, ZIP 1988, 174, 175; BGH, Beschluss vom 08.11.2004 – II ZB 41/​03, ZIP 2005, 45 f.; BAG DB 2000, 884; BSG NVwZ 2001, 472; vgl. aus der Lite­ra­tur Münch­Komm-ZPO/Stack­mann, 5. Aufl., § 47 Rn. 8; Beck­OK ZPO/​Vossler, Stand: 1.07.2018, § 47 Rn. 6; Musielak/​Voit/​Heinrich, 15. Aufl., § 47 Rn. 5; aA nur Zöller/​Vollkommer, ZPO, 32. Aufl., § 47 Rn. 5[]