Zwangs­ver­wal­tung, Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die form­wech­seln­de Umwand­lung der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin

Ist eine form­wech­seln­de Umwand­lung von einer Kapi­tal- oder einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft in eine GbR zwar im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, im Grund­buch aber nicht durch eine berich­ti­gen­de Ein­tra­gung nach § 47 Abs. 2 GBO nach­voll­zo­gen wor­den, bedarf es für eine Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück kei­ner titel­er­gän­zen­den Klau­sel nach § 727 ZPO. Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung kön­nen auf Grund eines auf die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Gesell­schaft lau­ten­den Titels ange­ord­net und fort­ge­setzt wer­den.

Zwangs­ver­wal­tung, Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die form­wech­seln­de Umwand­lung der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin

In die­sem Fall liegt auch kein die einst­wei­li­ge Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gebie­ten­der beheb­ba­rer Voll­stre­ckungs­man­gel nach § 28 Abs. 2 ZVG vor.

Die form­wech­seln­de Umwand­lung der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin (Schuld­ne­rin) von einer GmbH in eine OHG nach §§ 190, 191, 202 UmwG hat die Iden­ti­tät des Rechts­trä­gers nicht geän­dert. Bei die­ser Umwand­lung fin­det weder ein Ver­mö­gens­über­gang noch eine Rechts­nach­fol­ge durch einen ande­ren Rechts­trä­ger statt 1. Die ursprüng­li­che Eigen­tü­me­rin exis­tier­te – anders als das Beschwer­de­ge­richt – meint, nach der Umwand­lung wei­ter; geän­dert hat­ten sich allein ihre Rechts­form und ihre Fir­ma.

Strei­tig ist aller­dings, ob die aus einem gegen die OHG gerich­te­ten Voll­stre­ckungs­ti­tel ange­ord­ne­te Zwangs­ver­stei­ge­rung wei­ter­ge­führt wer­den darf, wenn die­se nach Ver­fah­rens­er­öff­nung durch die Löschung ihrer Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter gemäß § 105 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 2 Satz 3 HGB eine GbR gewor­den ist oder ob es dazu einer den Titel umschrei­ben­den Voll­stre­ckungs­klau­sel in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 727 ZPO bedarf.

Die Erfor­der­lich­keit einer sol­chen Klau­sel wird im Schrift­tum von Stö­ber 2 unter Bezug­nah­me auf eine älte­re Ent­schei­dung 3 bejaht.

Gegen­tei­li­ger Auf­fas­sung für den hier vor­lie­gen­den Fall, dass aus der OHG eine GbR wird, sind Gott­wald 4 und Heß­ler 5. In die­sem Fall lie­ge – wie bei der umge­kehr­ten Umwand­lung einer GbR in eine OHG – ledig­lich ein Wech­sel der Rechts­form vor, bei dem die Iden­ti­tät der Gesell­schaft gewahrt blei­be. Da kein Fall der Rechts­nach­fol­ge vor­lie­ge, bedür­fe es auch kei­ner Umschrei­bung des Titels. Davon geht auch Münz­berg 6 aus. Bei Annah­me einer Iden­ti­tät der in eine GbR umge­wan­del­ten OHG gemäß dem Urteil des II. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 29.01.2001 7 kön­ne aus dem Titel gegen die OHG in das Gesell­schafts­ver­mö­gen einer GbR voll­streckt wer­den. Voll­stre­ckungs­recht­lich sei eine Gesamt­rechts­nach­fol­ge nur dann anzu­neh­men, wenn man die Par­tei­fä­hig­keit der GbR ver­ei­ne.

Im Übri­gen wird das Erfor­der­nis einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 727 ZPO unter Bezug­nah­me auf eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs 8 für den Fall ange­nom­men, dass das Recht der GbR im Grund­buch gemäß § 47 Abs. 2 Satz 1 GBO unter Benen­nung ihrer Gesell­schaf­ter ein­ge­tra­gen wor­den ist 9.

Strei­tig ist wie­der­um, ob der Titel die Gesell­schaf­ter auch dann aus­wei­sen muss, wenn die GbR gemäß der – vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und der elek­tro­ni­schen Akte im Grund­buch­ver­fah­ren sowie zur Ände­rung wei­te­rer grund­buch, regis­ter- und kos­ten­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 11.08.2009 (ERVGBG) 10 ergan­ge­nen – Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 04.12.2008 11 wie eine Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft unter Nen­nung nur ihres Namens ohne Anga­be ihrer Gesell­schaf­ter im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Teil­wei­se wird ange­nom­men, dass es bei der sog. Namens-GbR einer Bezeich­nung der Gesell­schaf­ter nicht bedür­fe 12, teil­wei­se wer­den wei­te­re Anga­ben im Voll­stre­ckungs­ti­tel und in der Grund­buch­ein­tra­gung zum Nach­weis der Iden­ti­tät des Titel­schuld­ners und des im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Eigen­tü­mers für erfor­der­lich gehal­ten 13.

Rich­ti­ger­wei­se ist in der hier gege­be­nen Fall­ge­stal­tung eine Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ent­behr­lich. Ist eine form­wech­seln­de Umwand­lung von einer Kapi­tal- oder einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft in eine GbR zwar im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, im Grund­buch aber nicht durch eine berich­ti­gen­de Ein­tra­gung nach § 47 Abs. 2 GBO nach­voll­zo­gen wor­den, bedarf es für eine Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück kei­ner titel­er­gän­zen­den Klau­sel nach § 727 ZPO. Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung kön­nen auf Grund eines auf die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Gesell­schaft lau­ten­den Titels ange­ord­net und fort­ge­setzt wer­den.

Aus­zu­ge­hen ist davon, dass bei einer gesell­schafts­recht­li­chen Betrach­tung kein Fall der Rechts­nach­fol­ge vor­liegt. Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks ist die­sel­be Gesell­schaft, auch wenn die­se infol­ge einer auf Antrag der Gesell­schaf­ter erfolg­ten Löschung ihrer Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter nach § 105 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 2 Satz 3 HGB kei­ne Han­dels­ge­sell­schaft mehr ist. Die mit Han­dels­rechts­re­form­ge­setz vom 22.06.1998 14 für die Gewer­be­be­trie­be ein­ge­führ­te Mög­lich­keit, ihre Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter löschen zu las­sen, wenn ihr Unter­neh­men einen in kauf­män­ni­scher Wei­se ein­ge­rich­te­ten Geschäfts­be­trieb nicht mehr erfor­dert, führt zu einer beson­de­ren Form der Umwand­lung kraft Geset­zes, bei der die bis dahin kraft Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter als OHG gel­ten­de Gesell­schaft (§ 105 Abs. 2 Satz 1 HGB) in die Rechts­form einer GbR zurück­fällt 15. Auch die­se Umwand­lung ändert die Iden­ti­tät des Rechts­trä­gers nicht. Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks bleibt die Gesell­schaft.

Eine titel­er­gän­zen­de Klau­sel ist weder nach § 736 ZPO noch nach § 750 Abs. 1 ZPO erfor­der­lich.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen auf Grund eines Titels gegen die GbR mög­lich, da die Gesell­schaft – unge­ach­tet in wel­cher Rechts­form sie im Rechts­ver­kehr auf­tritt – Trä­ge­rin ihres Ver­mö­gens ist. § 736 ZPO schafft die Mög­lich­keit einer Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen auch auf Grund eines gegen alle Gesell­schaf­ter ergan­ge­nen Urteils 16. Dies ist eine voll­stre­ckungs­recht­li­che Kon­se­quenz aus der Aner­ken­nung der Teil­rechts­fä­hig­keit der GbR, die wie­der­um auf den Ent­schei­dun­gen des Umwand­lungs­ge­set­zes vom 28.10.1994 17 und des Han­dels­rechts­re­form­ge­set­zes vom 22.01.1998 14 beruht, mit denen in wei­tem Umfang form­wech­seln­de, iden­ti­täts­wah­ren­de Umwand­lun­gen in eine GbR ermög­licht wor­den sind 18.

Eine titel­er­gän­zen­de Klau­sel ist auch nicht nach § 750 Abs. 1 ZPO erfor­der­lich, nach der die Zwangs­voll­stre­ckung nur begin­nen darf, wenn die Per­son, gegen die sie statt­fin­den soll, in dem Voll­stre­ckungs­ti­tel nament­lich bezeich­net wor­den ist. Da sich in den Fäl­len der Umwand­lung nur die Rechts­form, nicht jedoch die Iden­ti­tät des Rechts­trä­gers des Ver­mö­gens ändert, in das voll­streckt wer­den soll, bedarf es dafür kei­ner Rechts­nach­fol­ge­klau­sel nach § 727 ZPO. Haben sich die Rechts­form und – hier bei der ers­ten Umwand­lung – auch die Fir­ma des Rechts­trä­gers geän­dert, soll aller­dings der neue Name des Schuld­ners auf dem Titel ver­merkt wer­den (sog. Beisch­rei­bung), weil die Voll­stre­ckungs­or­ga­ne mit der Prü­fung der Iden­ti­tät der betref­fen­den Per­son andern­falls über­for­dert sein könn­ten und damit der Beginn der Voll­stre­ckung (§ 750 Abs. 1 ZPO) gefähr­det wäre 19. Die Beschrei­bung ist jedoch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 20 ver­zicht­bar, wenn sich die Iden­ti­tät des Voll­stre­ckungs­schuld­ners mit der im Titel bezeich­ne­ten Per­son für das Voll­stre­ckungs­or­gan auf Grund eige­ner Ermitt­lun­gen – wie durch Ein­sicht­nah­me in das Han­dels­re­gis­ter – zwei­fels­frei ergibt. Das ist hier – soweit es um die Gesell­schaft als Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks und nicht um deren Gesell­schaf­ter geht – der Fall.

Einer Ergän­zung des Titels bedarf es schließ­lich auch nicht im Hin­blick dar­auf, dass nach § 47 Abs. 2 Satz 1 GBO bei der Ein­tra­gung eines Rechts einer GbR auch deren Gesell­schaf­ter ein­zu­tra­gen sind und dass nach § 17 Abs. 1 ZVG die Zwangs­ver­stei­ge­rung nur ange­ord­net wer­den darf, wenn der Schuld­ner als Eigen­tü­mer des Grund­stücks ein­ge­tra­gen ist.

Die letzt­ge­nann­te Vor­aus­set­zung liegt hier vor. Schuld­ner nach der nota­ri­el­len Urkun­de ist die W GmbH. Im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist aller­dings noch die W GmbH i.G. Da die GmbH jedoch durch Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter ent­stan­den ist, ist die Vor-GmbH in die­ser auf­ge­gan­gen. Ihre Akti­va und Pas­si­va sind auf die GmbH über­ge­gan­gen 21, so dass der Titel­schuld­ner der im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Eigen­tü­mer ist.

Dass die durch Umwand­lung ent­stan­de­ne GbR nicht gemäß § 47 Abs. 2 Satz 1 GBO im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist, schließt die Fort­set­zung des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens gegen sie aus dem Voll­stre­ckungs­ti­tel gegen die GmbH nicht aus. Die Schuld­ne­rin exis­tiert auch noch nach der Löschung der Ein­tra­gung der Fir­ma der OHG im Han­dels­re­gis­ter nun­mehr in der Rechts­form der GbR fort. Da im Grund­buch die Gesell­schaft noch in ihrer frü­he­ren Rechts­form ein­ge­tra­gen ist, bedarf es kei­ner titel­er­gän­zen­den Klau­sel. Ein sol­ches Ver­lan­gen wür­de zu dem merk­wür­di­gen Ergeb­nis füh­ren, dass die Bezeich­nun­gen der Gesell­schaft in dem Voll­stre­ckungs­ti­tel und in dem Grund­buch nicht mehr über­ein­stimm­ten. Da die Gesell­schaft sowohl im Voll­stre­ckungs­ti­tel als auch im Grund­buch noch in ihrer frü­he­ren Rechts­form mit dem Namen bezeich­net ist, den sie als Han­dels­ge­sell­schaft trug, ist sie auch ein­deu­tig iden­ti­fi­ziert. Inso­weit unter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt von den den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 02.10.2010 22 und vom 24.02.2011 23 zugrun­de lie­gen­den; dort war die GbR vor der Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung unter Anga­be der Namen ihrer Gesell­schaf­ter im Grund­buch ein­ge­tra­gen.

Zuguns­ten der Gläu­bi­ge­rin greift in die­sen Fäl­len die Fik­ti­on des § 1148 Satz 1 BGB ein, nach der bei der Ver­fol­gung der Rech­te aus der Hypo­thek zuguns­ten des Gläu­bi­gers der­je­ni­ge, der im Grund­buch als Eigen­tü­mer ein­ge­tra­gen ist, als der Eigen­tü­mer gilt. Maß­ge­bend dafür ist die fort­be­stehen­de Ein­tra­gung der W GmbH im Grund­buch 24. Stim­men Titel und Grund­buch­ein­tra­gung über­ein, kann selbst der wirk­li­che Eigen­tü­mer nicht ein­wen­den, dass gegen ihn kein zur Zwangs­voll­stre­ckung geeig­ne­ter Titel vor­lie­ge 25. Dies gilt erst recht, wenn der Eigen­tü­mer der­sel­be geblie­ben ist und sich nur sei­ne Rechts­form und sein Name geän­dert haben. Dass die Schuld­ne­rin im Grund­buch nun­mehr gemäß § 47 Abs. 2 GBO ein­zu­tra­gen ist, berührt das lau­fen­de Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nicht. Die­se Berich­ti­gung her­bei­zu­füh­ren ist weder Auf­ga­be des Voll­stre­ckungs­ge­richts noch der Gläu­bi­ge­rin, son­dern der Schuld­ne­rin 26.

Schließ­lich ist es auch uner­heb­lich, dass mit der Auf­lö­sung der OHG und des Erlö­schens ihrer Fir­ma im März 2011 acht Mona­te nach der Ver­fah­rens­an­ord­nung die Publi­zi­täts­wir­kung des Han­dels­re­gis­ters (§ 15 Abs. 1 HGB) weg­fiel. Zu Unrecht ver­weist das Beschwer­de­ge­richt dar­auf, dass die Gläu­bi­ge­rin sich danach nicht mehr dar­auf ver­las­sen kön­ne, dass die vor­mals als Gesell­schaf­ter der OHG ein­ge­tra­ge­nen Per­so­nen über­haupt deren Gesell­schaf­ter gewe­sen sei­en.

Für das zuvor ein­ge­lei­te­te Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ist das des­halb ohne Bedeu­tung, weil die Löschung der Ein­tra­gung der OHG nicht zurück, son­dern erst von der Ein­tra­gung an (ex nunc) wirkt 27. Selbst wenn die im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter infol­ge einer vor­he­ri­gen Abtre­tung der GmbH-Antei­le nicht Gesell­schaf­ter der OHG gewor­den sein soll­ten 28, änder­te das nichts dar­an, dass bis zur Ein­tra­gung der Auf­lö­sung der OHG und des Erlö­schens ihrer Fir­ma Zustel­lun­gen an die im Han­dels­re­gis­ter als per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter ein­ge­tra­ge­nen Per­so­nen wirk­sam waren.

Dass der Voll­stre­ckungs­ti­tel nicht die zur Ver­tre­tung der Gesell­schaft befug­ten Gesell­schaf­ter bezeich­net, steht des­sen Voll­streck­bar­keit eben­falls nicht ent­ge­gen, da der Titel die gesetz­li­chen Ver­tre­ter einer Gesell­schaft nicht benen­nen muss 29. Erschwert wird dadurch aller­dings die Zustel­lung von Beschlüs­sen im lau­fen­den Ver­fah­ren, die an den geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ter (§ 170 Abs. 1 ZPO) oder – falls der Gesell­schafts­ver­trag kei­ne vom Grund­satz des § 709 BGB Gesetz abwei­chen­de Rege­lung ent­hält – an einen ihrer Gesell­schaf­ter (§ 170 Abs. 3 ZPO) erfol­gen muss. Die ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­ter zu bestim­men, ist des­halb schwie­rig, weil die Rege­lung der Geschäfts­füh­rung in einer GbR und die dar­an anknüp­fen­de gesetz­li­che Ver­tre­tungs­be­fug­nis (§ 714 BGB) nicht in einem öffent­li­chen Regis­ter zu publi­zie­ren­de Inter­na der Gesell­schaft sind 30. Die Zuläs­sig­keit der Voll­stre­ckung aus dem Titel wird jedoch von Ände­run­gen der Befug­nis­se zur Ver­tre­tung der Schuld­ne­rin nicht berührt 31.

Was die wei­ter vor­zu­neh­men­den Zustel­lun­gen betrifft, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein Zustel­lungs­ver­tre­ter (§ 6 ZVG) auch dann bestellt wer­den kann, wenn für das Voll­stre­ckungs­ge­richt erheb­li­che Zwei­fel ver­blei­ben, ob die­je­ni­gen, die sich jetzt als Gesell­schaf­ter der B GbR aus­ge­ben, dies auch tat­säch­lich sind. Die Vor­schrift über die Bestel­lung eines Zustel­lungs­ver­tre­ters ist ent­spre­chend anzu­wen­den, wenn dem Voll­stre­ckungs­ge­richt unbe­kannt ist, wer der Adres­sat der im Ver­fah­ren an den Schuld­ner zu bewir­ken­den Zustel­lun­gen ist 32. Eine sol­che Unkennt­nis über die zur Ver­tre­tung der GbR berech­tig­ten Gesell­schaf­ter kann dar­aus fol­gen, dass das zu ver­stei­gern­de Grund­stück nun­mehr Eigen­tum einer GbR ist, deren Gesell­schaf­ter jedoch ent­ge­gen § 47 Abs. 2 GBO im Grund­buch nicht ein­ge­tra­gen sind, wes­halb die Ver­mu­tung des § 899a Satz 1 BGB nicht ein­greift. Die Fest­stel­lung der ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­ter stößt für das Voll­stre­ckungs­ge­richt auf beson­de­re Schwie­rig­kei­ten, wenn in der nach einer Über­tra­gung der GmbH-Antei­le zum Han­dels­re­gis­ter ein­ge­reich­ten Gesell­schafter­lis­te (§ 40 GmbHG) und nach den Ein­tra­gun­gen im Han­dels­re­gis­ter selbst ver­schie­de­ne Per­so­nen Gesell­schaf­ter einer mehr­fach umge­wan­del­ten Gesell­schaft sein kön­nen, die – wor­auf die Rechts­be­schwer­de zutref­fend hin­weist – zudem gegen­über dem Regis­ter­ge­richt wider­sprüch­li­che Anga­ben dazu gemacht haben, wer von ihnen Gesell­schaf­ter ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – V ZB 148/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 27.02.2004 – IXa ZB 262/​03, DGVZ 2004, 73, 74; OLG Köln, GmbHR 2003, 1489, 1491; Depré/​Cranshaw, ZVG, § 15 Rn. 79; Decher/​Hoger in Lut­ter, UmwG, 5. Aufl., § 202 Rn. 48; Meister/​Klöcker in Kall­mey­er, UmwG, § 202 Rn. 16; Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 727 Rn. 31[]
  2. ZVG, 20. Aufl., § 15 Rn.19.2[]
  3. LG Olden­burg, Rpfle­ger 1980, 27[]
  4. Gottwald/​Mock, Zwangs­voll­stre­ckungs­recht, 7. Aufl., § 736 ZPO Rn. 22[]
  5. Münch­Komm-ZPO, 4. Aufl., § 736 Rn. 44[]
  6. in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 736 Rn. 3[]
  7. BGH, URteil vom 29.01.2001 II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 346[]
  8. BGH, Beschluss vom 02.12 2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344 Rn. 9 ff.[]
  9. Beck­OK ZPO/​Ulrici, 18. Aufl., § 727 Rn. 17a; HK-ZV/Giers, 3. Aufl., § 736 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 4. Aufl., § 736 Rn. 17; Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner, 4. Aufl., § 727 Rn. 17; Rey­mann, NJW 2011, 1412[]
  10. BGBl. I S. 2173[]
  11. BGH, Beschluss vom 04.012.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102 Rn.20[]
  12. Rey­mann, NJW 2011, 1412, 1414[]
  13. Bestel­mey­er, ZfIR 2011, 117, 121; Bött­cher, Notar 2012, 122, 124; die­se Fra­ge dahin­ste­hen las­send: OLG Schles­wig, NJW-RR 2011, 1033, 1034[]
  14. BGBl. I S. 1474[][]
  15. BT-Drs. 13/​8444, S. 64; Kind­ler in Koller/​Kindler/​Roth/​Morck, HGB, 8. Aufl., § 105 Rn. 55; Oetker/​Weitermeyer, HGB, 4. Aufl., § 105 Rn. 29; Wer­ten­bruch in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 105 Rn. 38[]
  16. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 353 ff[]
  17. BGBl. I S. 2310; 1995 – I S. 428[]
  18. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 346[]
  19. vgl. BayO­bLGZ 1978, 143, 144; 1987, 446, 447; OLG Köln, GmbHR 2003, 1489, 1492[]
  20. BGH, Urteil vom 21.07.2011 – I ZB 93/​10, NJW-RR 2011, 1335 Rn. 13[]
  21. BGH, Urteil vom 09.03.1981 – II ZR 54/​80, BGHZ 80, 129, 138 ff.; BayO­bLGZ 1987, 446, 448[]
  22. BGH, Beschluss vom 02.10.2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344[]
  23. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449[]
  24. vgl. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn. 18[]
  25. PWW/​Waldner, BGB, 10. Aufl., § 1148 Rn. 2; Staudinger/​Wolfsteiner, BGB [2015], § 1148 Rn. 9[]
  26. BGH, Beschluss vom 16.07.2004 – IXa ZB 288/​03, NJW 2004, 3632, 3634[]
  27. BT-Drs. 13/​8444, S. 49[]
  28. vgl. BayO­bLG, NZG 2003, 829, 830[]
  29. vgl. Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 4. Aufl., § 750 Rn. 18; Stein/​Jonas/​Münzberg, ZPO, 22. Aufl., § 750 Rn. 23; Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl. § 750 Rn. 12[]
  30. vgl. BGH, Beschluss vom 06.04.2006 – V ZB 158/​05, DNotZ 2006, 777, 778; Beschluss vom 07.12 2006 – V ZB 166/​05, NJW 2007, 995 Rn. 7 ff.[]
  31. vgl. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn.19[]
  32. vgl. Bött­cher, ZVG, 6. Aufl., § 6 Rn. 2; Depré/​Cranshaw, ZVG, § 6 Rn. 6; Rel­ler­mey­er in Dassler/​Schiffhauer/​Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG, 14. Aufl., § 6 Rn. 3; Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 6 Rn.02.4[]