Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Kos­ten­fests­set­zungs­be­schluss – und ihre einst­wei­li­ge Ein­stel­lung

Die Ent­schei­dung, ob im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung gemäß § 575 Abs. 5 i.V.m. § 570 Abs. 3 ZPO die Voll­zie­hung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung aus­zu­set­zen oder eine Anord­nung mit ande­rem Inhalt zu tref­fen ist, steht im Ermes­sen des Rechts­be­schwer­de­ge­richts.

Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Kos­ten­fests­set­zungs­be­schluss – und ihre einst­wei­li­ge Ein­stel­lung

Rich­tet sich – wie hier – die Rechts­be­schwer­de gegen einen Beschluss des Beru­fungs­ge­richts, durch den die Beru­fung des Rechts­be­schwer­de­füh­rers als unzu­läs­sig ver­wor­fen wor­den ist (§ 522 Abs. 1 Satz 3 ZPO), ist der Schuld­ner so zu stel­len, wie er stün­de, wenn das Beru­fungs­ge­richt die Beru­fung durch Urteil als unzu­läs­sig ver­wor­fen hät­te 1. Dies führt – bei Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on über die Ver­wei­sungs­vor­schrift des § 544 Abs. 5 Satz 2 ZPO – zur Anwen­dung des § 719 Abs. 2 ZPO.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt eine Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung gemäß § 719 Abs. 2 ZPO nicht in Betracht, wenn der Schuld­ner es ver­säumt hat, im Beru­fungs­ver­fah­ren einen Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag gemäß § 712 ZPO zu stel­len, obwohl ihm dies mög­lich und zumut­bar gewe­sen wäre. Ein gemäß § 719 Abs. 1 Satz 1, § 707 ZPO gestell­ter Antrag auf einst­wei­li­ge Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung gilt nur für die­se Instanz und wirkt nicht über den Erlass des Beru­fungs­ur­teils hin­aus. Er kann nicht den erfor­der­li­chen Antrag nach § 712 ZPO erset­zen, der dahin geht, dass das Beru­fungs­ge­richt auch gegen­über sei­ner Ent­schei­dung Voll­stre­ckungs­schutz gewäh­ren soll 2. Wegen der unter­schied­li­chen Ziel­rich­tung schei­det auch die Aus­le­gung eines Antrags gemäß § 719 Abs. 1 Satz 1, § 707 ZPO als gemäß § 712 ZPO aus 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist dem Klä­ger im hier ent­schie­de­nen Fall kein Voll­stre­ckungs­schutz zu gewäh­ren. Er hat im Beru­fungs­ver­fah­ren ledig­lich einen Antrag auf Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung nach den §§ 719, 707 ZPO gestellt, nicht aber einen sol­chen gemäß § 712 ZPO. Er hat auch kei­ne Umstän­de vor­ge­tra­gen, nach denen es ihm nicht mög­lich oder nicht zumut­bar gewe­sen wäre, im Beru­fungs­rechts­zug einen Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag gemäß § 712 ZPO zu stel­len. Ein sol­cher Antrag war auch nicht des­halb ent­behr­lich, weil er sich bereits in dem Ein­stel­lungs­an­trag vom 11.01.2013 auf Umstän­de beru­fen hat, die mög­li­cher­wei­se eine Ein­stel­lung gemäß § 712 ZPO gerecht­fer­tigt hät­ten.

Im Übri­gen lässt sich ein durch die Voll­stre­ckung nicht zu erset­zen­der Nach­teil des Klä­gers i.S.d. § 719 Abs. 2 Satz 1 ZPO mit einer Ver­mö­gens­lo­sig­keit des Beklag­ten nicht begrün­den. Wird die vor­läu­fig voll­streck­ba­re Kos­ten­grund­ent­schei­dung des Land­ge­richts, auf deren Grund­la­ge der Rechts­an­walt des Beklag­ten sei­ne Gebüh­ren und Aus­la­gen gemäß § 126 Abs. 1 ZPO gegen den Klä­ger bei­trei­ben möch­te, auf­ge­ho­ben oder abge­än­dert, erlischt das Bei­trei­bungs­recht des Rechts­an­walts. Dem Klä­ger erwächst in die­sem Fall ein Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 717 Abs. 2 ZPO unmit­tel­bar gegen den Rechts­an­walt. Unab­hän­gig davon kann der Klä­ger bei einer Auf­he­bung oder Ände­rung der vor­läu­fi­gen Kos­ten­grund­ent­schei­dung die an den Anwalt gezahl­ten Kos­ten gegen die­sen rück­fest­set­zen las­sen 4. Dass auch Rück­erstat­tungs­an­sprü­che gegen den Rechts­an­walt des Beklag­ten nicht durch­setz­bar sind, behaup­tet der Klä­ger nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Janu­ar 2016 – V ZB 175/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.07.1989 – III ZB 39/​89, BGHR ZPO § 572 Abs. 3 einst­wei­li­ge Anord­nung 1; Beschluss vom 27.08.1993 – IV ZB 14/​93, BGHR ZPO § 572 Abs. 3 einst­wei­li­ge Anord­nung 2, jeweils zu § 519b Abs. 2 ZPO aF und § 573 Abs. 3 ZPO aF; sie­he auch BGH, Beschluss vom 18.09.2014 – V ZR 290/​13, NJW 2014, 3583 Rn. 7 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.03.2012 – V ZR 275/​11, NJW 2012, 1292 Rn. 5 f.; BGH, Beschluss vom 02.07.2014 – XII ZR 65/​14, NJW-RR 2014, 969 Rn. 4; Beschluss vom 31.07.2013 – XII ZR 114/​13, GuT 2013, 217 Rn. 5 jeweils mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 20.03.2012 – V ZR 275/​11, NJW 2012, 1292 Rn. 6[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 20.11.2012 – VI ZB 64/​11, NJW-RR 2013, 186 Rn. 9 f.[]