Zwangs­voll­stre­ckung in die Zuschlä­ge für Sonn­tags­ar­beit und Fei­er­tags­ar­beit

Zuschlä­ge für Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit unter­lie­gen in den Gren­zen des § 3b EStG als Erschwer­nis­zu­la­gen nicht der Zwangs­voll­stre­ckung. Kei­ne Erschwer­nis­zu­la­gen sind Zuschlä­ge für Sams­tags­ar­beit 1.

Zwangs­voll­stre­ckung in die Zuschlä­ge für Sonn­tags­ar­beit und Fei­er­tags­ar­beit

Nach § 36 Abs. 1 Satz 1 InsO gehö­ren Gegen­stän­de, die nicht der Zwangs­voll­stre­ckung unter­lie­gen, nicht zur Insol­venz­mas­se. Unpfänd­bar sind nach der ent­spre­chend gel­ten­den (§ 36 Abs. 1 Satz 2 InsO) Bestim­mung des § 850a Nr. 3 ZPO Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen, Aus­lö­sungs­gel­der und sons­ti­ge sozia­le Zula­gen für aus­wär­ti­ge Beschäf­ti­gun­gen, das Ent­gelt für selbst­ge­stell­tes Arbeits­ma­te­ri­al, Gefah­ren­zu­la­gen sowie Schmutz- und Erschwer­nis­zu­la­gen, soweit die­se Bezü­ge den Rah­men des Übli­chen nicht über­stei­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass Nacht­ar­beits­zu­schlä­ge inso­weit gemäß § 850a Nr. 3 ZPO als Erschwer­nis­zu­la­gen unpfänd­bar sind, als sie dem Schuld­ner steu­er­frei im Sin­ne des § 3b EStG gewährt wer­den 2. Er hat dabei maß­geb­lich dar­auf abge­stellt, dass die Leis­tung von Arbeit zur Nacht­zeit eine gene­rell mit gesund­heit­li­chen Risi­ken für den Schuld­ner ver­bun­de­ne Erschwer­nis sei­ner Arbeit dar­stel­le, die es recht­fer­ti­ge, zur Abgel­tung die­ser Erschwer­nis gezahl­te Nacht­ar­beits­zu­schlä­ge als nach § 850a Nr. 3 ZPO unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen zu qua­li­fi­zie­ren, soweit die­se den Rah­men des Übli­chen nicht über­stie­gen. Als Anhalts­punkt für den übli­chen Rah­men kön­ne § 3b EStG her­an­ge­zo­gen wer­den, wonach Zuschlä­ge, die für tat­säch­lich geleis­te­te Nacht­ar­beit neben dem Grund­lohn gezahlt wer­den, in bestimm­tem Umfang steu­er­frei sei­en.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Urteil vom 23.08.2017 3 ent­schie­den, dass neben Zula­gen für Nacht­ar­beit auch Zula­gen für Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit Erschwer­nis­zu­la­gen im Sin­ne von § 850a Nr. 3 ZPO und damit im Rah­men des Übli­chen unpfänd­bar sind. Zula­gen für Schicht- und Sams­tags­ar­beit sei­en dage­gen der Pfän­dung nicht ent­zo­gen. Die­se Beur­tei­lung ent­spre­che Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung. Die Zwangs­voll­stre­ckungs­re­geln ver­folg­ten einer­seits das Ziel, dem Gläu­bi­ger einen Weg zu eröff­nen, eine titu­lier­te For­de­rung auch tat­säch­lich durch­set­zen zu kön­nen; ande­rer­seits dien­ten sie dem Inter­es­se des Schuld­ners, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu sichern. Eine beson­de­re Lage der Arbeits­zeit kön­ne vor die­sem Hin­ter­grund dann zu einem Pfän­dungs­schutz unter dem Gesichts­punkt einer Erschwer­nis­zu­la­ge füh­ren, wenn aus ander­wei­ti­gen gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tun­gen abge­lei­tet wer­den kön­ne, dass die Lage der Arbeits­zeit nicht nur als ungüns­tig, son­dern als beson­ders belas­tend anzu­se­hen sei. Dies sei bei Zula­gen für Nacht, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit der Fall. Für die Arbeit an Sonn­ta­gen und an gesetz­li­chen Fei­er­ta­gen sei­en ins­be­son­de­re die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben in Art. 140 GG, Art. 139 WRV und die gesetz­li­che Rege­lung in § 1 Nr. 2, §§ 9 bis 11 ArbZG zu berück­sich­ti­gen. Für die Arbeit an Sams­ta­gen feh­le es hin­ge­gen an einer ent­spre­chen­den gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung.

Die­ser Beur­tei­lung folgt der Bun­des­ge­richts­hof. Die vom Schuld­ner erziel­ten Zuschlä­ge für Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit unter­lie­gen danach als Erschwer­nis­zu­la­gen nach § 850a Nr. 3 ZPO inso­weit nicht der Zwangs­voll­stre­ckung, als sie den Rah­men des Übli­chen nicht über­stei­gen. Zur Bestim­mung des Rah­mens des Übli­chen kann an die Rege­lung in § 3b EStG ange­knüpft wer­den, wonach Zuschlä­ge für geleis­te­te Sonn­tags­ar­beit bis zu 50 vom Hun­dert des Grund­lohns und Fei­er­tags­zu­schlä­ge bis zu 125 vom Hun­dert des Grund­lohns steu­er­frei sind 4. Die dem Schuld­ner gezahl­ten Zuschlä­ge für Sams­tags­ar­beit sind dage­gen nicht nach § 850a Nr. 3 ZPO unpfänd­bar. Auch die Rege­lung in § 3b EStG stellt der­ar­ti­ge Zuschlä­ge nicht den Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlä­gen gleich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2018 – IX ZB 41/​16

  1. Anschluss an BAG, NJW 2017, 3675[]
  2. BGH, Beschluss vom 29.06.2016 – VII ZB 4/​15, BGHZ 211, 46 Rn. 10 ff[]
  3. BAG, Urteil vom 23.08.2017 – 10 AZR 859/​16, NJW 2017, 3675 Rn. 21 ff[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 29.06.2016 – VII ZB 4/​15, BGHZ 211, 46 Rn. 14; BAG, NJW 2017, 3675 Rn. 52[]