Zwei Kla­ge­mar­ken – und die Bestimmt­heit des Unter­las­sungs­an­trags

Die Klä­ge­rin stützt ihr Kla­ge­be­geh­ren inso­weit auf ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de, als sie in ers­ter Linie aus zwei ein­ge­tra­ge­nen Mar­ken vor­geht 1.

Zwei Kla­ge­mar­ken – und die Bestimmt­heit des Unter­las­sungs­an­trags

Zudem hat sie im hier ent­schie­de­nen sich hilfs­wei­se auf ihr Unter­neh­mens­kenn­zei­chen und wie­der­um hilfs­wei­se hier­zu auf ihr Namens­recht sowie auf all­ge­mei­ne delikts­recht­li­che Vor­schrif­ten gestützt. Die Klä­ge­rin hat aller­dings in den Tat­sa­chen­in­stan­zen nicht ange­ge­ben, in wel­cher Rang­fol­ge ihre Kla­ge­mar­ken geprüft wer­den sol­len. Der Bun­des­ge­richts­hof sah hier­in im vor­lie­gen­den Fall kein Pro­blem:

Die danach hin­sicht­lich des Vor­ge­hens aus den Mar­ken gege­be­ne alter­na­ti­ve Kla­ge­häu­fung, bei der ein ein­heit­li­ches Kla­ge­be­geh­ren aus meh­re­ren pro­zes­sua­len Ansprü­chen (Streit­ge­gen­stän­den) her­ge­lei­tet wird und dem Gericht die Aus­wahl über­las­sen bleibt, auf wel­chen Kla­ge­grund es die Ver­ur­tei­lung stützt, ver­stößt zwar gegen das Gebot des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, den Kla­ge­grund bestimmt zu bezeich­nen 2. Die Klä­ge­rin konn­te auch in der Revi­si­ons­in­stanz vor dem Bun­des­ge­richts­hof nicht mehr von der alter­na­ti­ven Kla­ge­häu­fung zur kumu­la­ti­ven Kla­ge­häu­fung über­ge­hen, weil dar­in eine Kla­ge­än­de­rung liegt, die in der Revi­si­ons­in­stanz aus­ge­schlos­sen ist 3.

Die Klä­ge­rin hat aller­dings in der Revi­si­ons­er­wi­de­rung klar­ge­stellt, dass sie ihre Ansprü­che zuerst auf die Gemein­schafts­wort­mar­ke Nr. 009397936 und anschlie­ßend auf die Gemein­schafts­bild­mar­ke Nr. 009934861 stützt sowie hilfs­wei­se aus der bereits in den Vor­in­stan­zen ange­ge­be­ne Rang­fol­ge der wei­te­ren Streit­ge­gen­stän­de her­lei­tet. Die­se an sich schon in der Kla­ge gebo­te­ne Klar­stel­lung konn­te die Klä­ge­rin noch im Lau­fe des Ver­fah­rens, und zwar auch noch in der Revi­si­ons­in­stanz, nach­ho­len 4.

Sie ist zudem ver­fah­rens­recht­lich unbe­denk­lich, weil das Beru­fungs­ge­richt die Ver­ur­tei­lung zur Unter­las­sung nach dem Kla­ge­an­trag eben­falls auf einen Schutz einer der bei­den Gemein­schafts­wort­mar­ken gestützt hat 5. Vor die­sem Hin­ter­grund kommt es des­halb nicht wei­ter dar­auf an, ob sich aus dem zur Aus­le­gung der Kla­ge­an­trä­ge her­an­zu­zie­hen­den Kla­ge­vor­brin­gen in den Tat­sa­chen­in­stan­zen hin­rei­chend deut­lich ergibt, dass sich die Klä­ge­rin in ers­ter Linie auf ihre Wort­mar­ke stützt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2016 – I ZR 82/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2011 – I ZR 108/​09, GRUR 2011, 1043 Rn. 26 = WRP 2011, 1454 TÜV II; Urteil vom 09.11.2011 – I ZR 150/​09, GRUR 2012, 304 Rn. 18 = WRP 2012, 330 – Bas­ler Haar-Kos­me­tik, jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – I ZR 108/​09, BGHZ 189, 56 Rn. 8 – TÜV I[]
  3. vgl. BGH, GRUR 2011, 1043 Rn. 32 – TÜV II; BGH, Urteil vom 19.04.2012 – I ZR 86/​10, GRUR 2012, 1145 Rn. 21 = WRP 2012, 1392 Peli­kan; Urteil vom 27.11.2014 – I ZR 1/​11, GRUR 2015, 689 Rn. 14 = WRP 2015, 735 – Par­fum­fla­kon III[]
  4. vgl. BGHZ 189, 56 Rn. 13 – TÜV I; BGH, GRUR 2011, 1043 Rn. 37 – TÜV II; GRUR 2012, 304 Rn. 18 – Bas­ler Haar-Kos­me­tik; BGH, Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 75/​10, GRUR 2012, 621 Rn. 31 = WRP 2012, 716 OSCAR; BGH, GRUR 2015, 689 Rn. 14 – Par­fum­fla­kon III[]
  5. vgl. BGHZ 189, 56 Rn. 14 – TÜV I[]