Zwei­fel­haf­te Rechts­fra­gen im PKH-Ver­fah­ren

Das nur einer sum­ma­ri­schen Prü­fung unter­lie­gen­de Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren oder Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren hat nicht den Zweck, über zwei­fel­haf­te Rechts­fra­gen vor­weg zu ent­schei­den 1.

Zwei­fel­haf­te Rechts­fra­gen im PKH-Ver­fah­ren

Wenn in der Haupt­sa­che eine zwei­fel­haf­te Rechts­fra­ge zu klä­ren ist, darf nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts wie des Bun­des­ge­richts­hofs die Klä­rung der Fra­ge nicht in das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren (Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren) ver­la­gert wer­den. Die in Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG ver­bürg­te Rechts­schutz­gleich­heit gebie­tet im Fall zwei­fel­haf­ter Rechts­fra­gen, die Erfolgs­aus­sicht zu beja­hen und dem Antrag­stel­ler Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu gewäh­ren, denn das Haupt­ver­fah­ren eröff­net erheb­lich bes­se­re Mög­lich­kei­ten der Ent­wick­lung und Dar­stel­lung des eige­nen Rechts­stand­punk­tes 2. Das nur einer sum­ma­ri­schen Prü­fung unter­lie­gen­de Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren hat dem­ge­gen­über nicht den Zweck, über zwei­fel­haf­te Rechts­fra­gen vor­weg zu ent­schei­den 3. Bei zwei­fel­haf­ten Rechts­fra­gen hat das Gericht dem­nach Pro­zess­kos­ten­hil­fe bzw. Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu bewil­li­gen, auch wenn es der Auf­fas­sung ist, dass die Rechts­fra­ge zu Unguns­ten des Antrag­stel­lers zu ent­schei­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2012 – XII ZB 190/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.03.2004 – XII ZB 192/​02, NJW 2004, 2022[]
  2. BVerfGE 81, 347[]
  3. BVerfG Fam­RZ 2002, 665; BGH, Beschlüs­se vom 04.05.2011 – XII ZB 69/​11 Fam­RZ 2011, 1137 Rn. 8; und vom 17.03.2004 – XII ZB 192/​02 NJW 2004, 2022 mwN[]