Seit Freitag ist es amtlich: Brüssel setzt sich zur Wehr. Als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump beschlossenen US-Zölle auf Aluminium und Stahl verhängte die Europäische Union nun ebenfalls Strafzölle auf ausgewählte US-Importe. Der Handelsstreit droht zu eskalieren und auf den immens wichtigen Automobilmarkt überzugreifen.

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Im Jahr 2021 könnten aber noch weitere Vergeltungszölle auf US-Importe folgen. Für den Kauf von US-Motorrädern müsste dann wohl schon ein günstiger Kredit herhalten, damit solch eine Anschaffung für den Ottonormalverbraucher noch im Rahmen des Möglichen liegt.
Die zweite Phase würde Waren im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro betreffen und damit gemeinsam mit den bereits in Kraft getretenen Strafzöllen ein Gesamtvolumen von rund 6,4 Milliarden Euro erreichen. Dieser Betrag entspricht ungefähr der Summe der Strafzölle, welche die Vereinigten Staaten seit dem 01. Juni auf europäische Stahl- und Aluminiumeinfuhren erhebt. US-Präsident Donald Trump begründete und verteidigte die Erhebung der Zölle mit nationalen Sicherheitsinteressen.
Die Europäische Union wurde durch das Verhalten des US-Präsidenten zu einem Gegenschlag durch Strafzölle ihrerseits gezwungen. „Wir wollten nicht in diese Lage geraten. Die einseitig und ungerechtfertigterweise von den USA beschlossenen Zölle auf Stahl und Aluminium aus der EU lassen uns jedoch keine andere Wahl“, kommentierte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström die Vergeltungszölle am vergangenen Mittwoch. Des Weiteren führte sie aus, dass die Reaktion der Europäer „angemessen, wohlüberlegt und voll und ganz mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar“ sei.
US-Präsident treibt Abschottungspolitik massiv voran – Handelsstreit droht zu eskalieren
Die Abwärtsspirale ist nun wohl endgültig ins Laufen gebracht worden. In der Europäischen Union steigt die Sorge vor einer vollständigen Eskalation des Handelsstreits. Die Drohungen Donald Trumps, zusätzliche Strafzölle auf Autoteile sowie Autos zu erheben, trugen in großem Maße dazu bei.
Während Trump die US-Abschottungspolitik mit Nachdruck vorantreibt, prüft das US-Wirtschaftsministerium auf Anweisungen des US-Präsidenten nun, ob die nationale Sicherheit durch die große Zahl an aus der Europäischen Union importierten Pkw gefährdet und die Leistungsfähigkeit der US-Industrie bedroht ist.
Donald Trump betonte bereits mehrfach, dass der große Anteil an europäischen und auch asiatischen Pkw, die in den USA verkauft werden, mit dem Anteil von im Ausland verkaufter US-Fahrzeuge nicht vergleichbar sei. Der Anteil von importierten Autos stieg von 2013 bis 2017 um 16 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 180 Milliarden US-Dollar. Dass die amerikanischen Automobilhersteller durch den Fokus auf die in den USA beliebten Sportgeländewagen für diese Entwicklung teils selbst verantwortlich sind, wurde in Trumps Analyse allerdings vernachlässigt.
Sollte die Prüfung des US-Wirtschaftsministeriums zu dem Ergebnis kommen, dass die US-Industrie gefährdet sei, würde die, laut Aussagen des US-Präsidenten, Verzehnfachung des bisherigen Zollsatzes auf ausländische Autos auf insgesamt 25 Prozent speziell die deutschen Automobilhersteller treffen. Fast eine halbe Million Fahrzeuge exportierten sie allein 2017 in die Vereinigten Staaten.
Deutsche Automobilhersteller versuchen US-Zölle zu verhindern
Hinter verschlossenen Türen versuchen diverse Unterhändler der deutschen Automobilherstellerindustrie die angedrohten Strafzölle der US-Regierung noch zu verhindern. Es ist die Rede von einer grundsätzlichen Abschaffung von Zöllen auf Fahrzeuge.
Die EU erhebt aktuell zehn Prozent. Dieses Entgegenkommen soll den US-Präsidenten von weiteren Schritten abhalten. Die Europäische Union hat bei diesem Thema allerdings auch noch ein Wörtchen mitzureden.