Ver­gel­tungs­zöl­le der EU tre­ten in Kraft – Han­dels­streit mit den USA droht zu eska­lie­ren

Seit Frei­tag ist es amt­lich: Brüs­sel setzt sich zur Wehr. Als Reak­ti­on auf die von US-Prä­si­dent Donald Trump beschlos­se­nen US-Zöl­le auf Alu­mi­ni­um und Stahl ver­häng­te die Euro­päi­sche Uni­on nun eben­falls Straf­zöl­le auf aus­ge­wähl­te US-Impor­te. Der Han­dels­streit droht zu eska­lie­ren und auf den immens wich­ti­gen Auto­mo­bil­markt über­zu­grei­fen.

Ver­gel­tungs­zöl­le der EU tre­ten in Kraft – Han­dels­streit mit den USA droht zu eska­lie­ren

Zwei Fäuste in den Farben der Flaggen der USA und der EU prallen vor einer Weltkarte aufeinander
Der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und der EU nimmt durch die Gegen­maß­nah­men der EU Fahrt auf.
Bild­quel­le: Aquir – 116484262 /​Shutterstock.com
Die von der Euro­päi­schen Uni­on Mit­te Juni beschlos­se­nen Straf­zöl­le auf aus­ge­wähl­te ame­ri­ka­ni­sche Impor­te sind seit dem 22. Juni in Kraft getre­ten. Ins­ge­samt wer­den von der EU Waren aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Wert von rund 2,8 Mil­li­ar­den Euro mit Straf­zöl­len belegt. Neben Stahl­pro­duk­ten sind von den Zöl­len auch Erd­nuss­but­ter, Jeans und Bour­bon-Whis­key­sor­ten betrof­fen. Die­se Pro­duk­te wer­den in der EU nun ein gan­zes Stück teu­rer wer­den. Die Höhe der Zöl­le liegt laut der EU-Kom­mis­si­on dabei zwi­schen zehn und 50 Pro­zent.

Im Jahr 2021 könn­ten aber noch wei­te­re Ver­gel­tungs­zöl­le auf US-Impor­te fol­gen. Für den Kauf von US-Motor­rä­dern müss­te dann wohl schon ein güns­ti­ger Kre­dit her­hal­ten, damit solch eine Anschaf­fung für den Otto­nor­mal­ver­brau­cher noch im Rah­men des Mög­li­chen liegt.

Die zwei­te Pha­se wür­de Waren im Wert von rund 3,6 Mil­li­ar­den Euro betref­fen und damit gemein­sam mit den bereits in Kraft getre­te­nen Straf­zöl­len ein Gesamt­vo­lu­men von rund 6,4 Mil­li­ar­den Euro errei­chen. Die­ser Betrag ent­spricht unge­fähr der Sum­me der Straf­zöl­le, wel­che die Ver­ei­nig­ten Staa­ten seit dem 01. Juni auf euro­päi­sche Stahl- und Alu­mi­ni­um­ein­fuh­ren erhebt. US-Prä­si­dent Donald Trump begrün­de­te und ver­tei­dig­te die Erhe­bung der Zöl­le mit natio­na­len Sicher­heits­in­ter­es­sen.

Die Euro­päi­sche Uni­on wur­de durch das Ver­hal­ten des US-Prä­si­den­ten zu einem Gegen­schlag durch Straf­zöl­le ihrer­seits gezwun­gen. „Wir woll­ten nicht in die­se Lage gera­ten. Die ein­sei­tig und unge­recht­fer­tig­ter­wei­se von den USA beschlos­se­nen Zöl­le auf Stahl und Alu­mi­ni­um aus der EU las­sen uns jedoch kei­ne ande­re Wahl“, kom­men­tier­te EU-Han­dels­kom­mis­sa­rin Ceci­lia Malm­ström die Ver­gel­tungs­zöl­le am ver­gan­ge­nen Mitt­woch. Des Wei­te­ren führ­te sie aus, dass die Reak­ti­on der Euro­pä­er „ange­mes­sen, wohl­über­legt und voll und ganz mit den Regeln der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on ver­ein­bar“ sei.

US-Prä­si­dent treibt Abschot­tungs­po­li­tik mas­siv vor­an – Han­dels­streit droht zu eska­lie­ren

Die Abwärts­spi­ra­le ist nun wohl end­gül­tig ins Lau­fen gebracht wor­den. In der Euro­päi­schen Uni­on steigt die Sor­ge vor einer voll­stän­di­gen Eska­la­ti­on des Han­dels­streits. Die Dro­hun­gen Donald Trumps, zusätz­li­che Straf­zöl­le auf Auto­tei­le sowie Autos zu erhe­ben, tru­gen in gro­ßem Maße dazu bei.
Wäh­rend Trump die US-Abschot­tungs­po­li­tik mit Nach­druck vor­an­treibt, prüft das US-Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um auf Anwei­sun­gen des US-Prä­si­den­ten nun, ob die natio­na­le Sicher­heit durch die gro­ße Zahl an aus der Euro­päi­schen Uni­on impor­tier­ten Pkw gefähr­det und die Leis­tungs­fä­hig­keit der US-Indus­trie bedroht ist.
Donald Trump beton­te bereits mehr­fach, dass der gro­ße Anteil an euro­päi­schen und auch asia­ti­schen Pkw, die in den USA ver­kauft wer­den, mit dem Anteil von im Aus­land ver­kauf­ter US-Fahr­zeu­ge nicht ver­gleich­bar sei. Der Anteil von impor­tier­ten Autos stieg von 2013 bis 2017 um 16 Pro­zent auf ein Gesamt­vo­lu­men von 180 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Dass die ame­ri­ka­ni­schen Auto­mo­bil­her­stel­ler durch den Fokus auf die in den USA belieb­ten Sport­ge­län­de­wa­gen für die­se Ent­wick­lung teils selbst ver­ant­wort­lich sind, wur­de in Trumps Ana­ly­se aller­dings ver­nach­läs­sigt.

Soll­te die Prü­fung des US-Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zu dem Ergeb­nis kom­men, dass die US-Indus­trie gefähr­det sei, wür­de die, laut Aus­sa­gen des US-Prä­si­den­ten, Ver­zehn­fa­chung des bis­he­ri­gen Zoll­sat­zes auf aus­län­di­sche Autos auf ins­ge­samt 25 Pro­zent spe­zi­ell die deut­schen Auto­mo­bil­her­stel­ler tref­fen. Fast eine hal­be Mil­li­on Fahr­zeu­ge expor­tier­ten sie allein 2017 in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten.

Deut­sche Auto­mo­bil­her­stel­ler ver­su­chen US-Zöl­le zu ver­hin­dern

Hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ver­su­chen diver­se Unter­händ­ler der deut­schen Auto­mo­bil­her­stel­ler­in­dus­trie die ange­droh­ten Straf­zöl­le der US-Regie­rung noch zu ver­hin­dern. Es ist die Rede von einer grund­sätz­li­chen Abschaf­fung von Zöl­len auf Fahr­zeu­ge.

Die EU erhebt aktu­ell zehn Pro­zent. Die­ses Ent­ge­gen­kom­men soll den US-Prä­si­den­ten von wei­te­ren Schrit­ten abhal­ten. Die Euro­päi­sche Uni­on hat bei die­sem The­ma aller­dings auch noch ein Wört­chen mit­zu­re­den.