Park­plät­ze für die Arbeit­neh­mer

Nach einer Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts kann ein Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet sein, einem Mit­ar­bei­ter kos­ten­frei einen Park­platz zu über­las­sen, wenn die Ent­schei­dung über den Ent­zug der Park­mög­lich­keit eine unbil­li­ge Ermes­sens­aus­übung durch den Arbeit­ge­ber dar­stellt.

Park­plät­ze für die Arbeit­neh­mer

Hin­ter­grund des Rechts­streits war eine in einem Vor­ver­fah­ren um einen Park­platz geführ­te gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung. Der Mit­ar­bei­ter, ein Flug­ka­pi­tän, des­sen Wohn­ort weit ent­fernt von sei­nem Sta­tio­nie­rungs­ort liegt, hat­te bis­her von dem Arbeit­ge­ber die Park­ge­büh­ren für einen auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de sei­nes Hei­mat­or­tes lie­gen­den Park­platz erstat­tet bekom­men. Nach­dem der Arbeit­ge­ber die­se Kos­ten nicht mehr tra­gen woll­te, führ­ten die Par­tei­en einen Rechts­streit, der mit der gericht­li­chen Fest­stel­lung ende­te, dass der Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet sei, ihm auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de sei­ner Hei­mat­sta­ti­on einen unent­gelt­li­chen Park­platz zu über­las­sen, von der der Mit­ar­bei­ter zu sei­nem Sta­tio­nie­rungs­ort flie­gen kann. Bis­her hat­te der Mit­ar­bei­ter einen Park­platz in einem bestimm­ten Park­haus genutzt. Nach Rechts­kraft der Ent­schei­dung in dem Vor­ver­fah­ren teil­te der Arbeit­ge­ber ihm mit, er sol­le an einer ande­ren, wei­ter ent­fern­ten Stel­le auf dem Gelän­de par­ken und von dort mit einem Pen­del­bus zum Ter­mi­nal fah­ren. Der Mit­ar­bei­ter woll­te jedoch wei­ter­hin in dem Park­haus par­ken und muss­te hier­für Wert­mar­ken erwer­ben, für die er in einem Zeit­raum von ca. 1,5 Jah­ren einen Betrag von knapp € 2.000,00 zahl­te. Die­sen Betrag woll­te er von sei­nem Arbeit­ge­ber erstat­tet und im Übri­gen wie­der eine Park­mög­lich­keit in dem Park­haus ein­ge­räumt bekom­men.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Fall befass­te Arbeits­ge­richt Frank­furt am Main hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Die gegen die­ses Urteil gerich­te­te Beru­fung des Mit­ar­bei­ters hat­te nun jedoch vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt Erfolg. Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richt war der Arbeit­ge­ber zumin­dest zur­zeit ver­pflich­tet, dem Flug­ka­pi­tän wei­ter­hin zu den bis­he­ri­gen Bedin­gun­gen kos­ten­frei zu dienst­li­chen Zwe­cken einen Park­platz an der Sta­ti­on sei­nes Hei­mat­or­tes in dem Park­haus zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Zwar habe der Mit­ar­bei­ter kei­nen Anspruch auf Bereit­stel­lung eines bestimm­ten Park­plat­zes und der Arbeit­ge­ber habe zu bestim­men, wel­chen Park­platz er dem Mit­ar­bei­ter im Rah­men sei­ner Bereit­stel­lungs­ver­pflich­tung zur Ver­fü­gung stellt. Aller­dings müs­se die­se Leis­tungs­be­stim­mung durch den Arbeit­ge­ber nach bil­li­gem Ermes­sen im Sin­ne des § 315 Abs. 1 BGB getrof­fen wer­den.

Dies sei in dem zu ent­schei­den­den Fall nicht gesche­hen, was dazu füh­re, dass die Leis­tungs­be­stim­mung für den Mit­ar­bei­ter unver­bind­lich sei und es des­halb bei der ursprüng­li­chen Leis­tungs­be­stim­mung blei­be, die auf die die Zuwei­sung eines Park­plat­zes im Park­haus aus­ge­rich­tet gewe­sen sei.

Die Zuwei­sung des ande­ren Park­plat­zes auf dem Gelän­de ent­spre­che nicht bil­li­gem Ermes­sen. Hier­zu müs­se der Arbeit­ge­ber die wesent­li­chen Umstän­de des Falls abwie­gen und die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen berück­sich­ti­gen.

Zur Wah­rung bil­li­gen Ermes­sens habe der Arbeit­ge­ber nichts Kon­kre­tes vor­ge­tra­gen. Ins­be­son­de­re habe er nicht offen­ge­legt, auf­grund wel­cher Erwä­gun­gen er sich ent­schlos­sen habe, dem Flug­ka­pi­tän einen ande­ren Park­platz auf dem Gelän­de zuzu­wei­sen und den bis­he­ri­gen Park­platz im Park­haus zu ent­zie­hen.

Soweit der Arbeit­ge­ber auf Kos­ten abstel­le, habe er nicht vor­ge­tra­gen, wel­che Kos­ten für die Stel­lung eines Park­plat­zes im Park­haus auf­zu­wen­den waren und wel­che Kos­ten bei Stel­lung eines ande­ren Park­plat­zes auf dem Gelän­de anfie­len.

Inwie­weit bei der Ent­schei­dung des Park­platz­wech­sels die Inter­es­sen des Mit­ar­bei­ters berück­sich­tigt wur­den, sei eben­falls nicht dar­ge­legt wor­den. Sei­ne Inter­es­sen wür­den jeden­falls erkenn­bar berührt, wenn er statt eines Park­plat­zes, von dem aus er bin­nen 3 Minu­ten die sog. Crew­sta­ti­on bzw. bin­nen 4 Minu­ten das Ter­mi­nal errei­chen konn­te, nun­mehr einen Park­platz zuge­wie­sen erhält, der einen ent­we­der deut­lich län­ge­ren Fuß­weg oder aber die Nut­zung eines Pen­del­bus­ses, dies wie­der­um ver­bun­den mit Fuß­weg bis zu des­sen Hal­te­stel­le, oder aber die Nut­zung eines ohne­hin nicht zu allen Zei­ten ver­keh­ren­den Bus­ses des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs erfor­de­re.

Soweit der Arbeit­ge­ber aus­füh­re, es sei ihm über­las­sen, in wel­cher Form er sei­ne Ver­pflich­tung erbrin­ge, der Mit­ar­bei­ter kön­ne ihr nicht vor­schrei­ben, wel­chen Park­platz er ihm zur Ver­fü­gung zu stel­len habe, sei dies grund­sätz­lich zutref­fend. Gleich­wohl ver­ken­ne der Arbeit­ge­ber mit die­ser Argu­men­ta­ti­on aber, dass er sei­ne Ent­schei­dung nicht nach frei­em Ermes­sen, frei­em Belie­ben oder Gut­dün­ken aus­üben kön­ne, son­dern nach bil­li­gem Ermes­sen aus­zu­üben habe.

Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Novem­ber 2009 – 17 Sa 900/​09

  1. ArbG Frank­furt am Main, Urteil vom 25.02.2009 – 15 Ca 7680/​08[]