Beset­zung einer Pro­fes­so­ren­stel­le an einer kirch­li­chen Hoch­schu­le

Gemäß Art. 33 Abs. 2 GG hat jeder Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen Amt (Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch). Der Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch besteht aller­dings nur solan­ge, wie die Stel­le noch nicht besetzt ist. Mit der end­gül­ti­gen Über­tra­gung der Stel­le auf den Mit­be­wer­ber geht der Anspruch unter. Der unter­le­ge­ne Bewer­ber kann allen­falls Scha­dens­er­satz ver­lan­gen. Dies setzt vor­aus, dass bei ord­nungs­ge­mä­ßer Durch­füh­rung des Aus­wahl­ver­fah­rens ihm als Best­ge­eig­ne­tem die Stel­le hät­te über­tra­gen wer­den müs­sen.

Beset­zung einer Pro­fes­so­ren­stel­le an einer kirch­li­chen Hoch­schu­le

In einem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te sich der Klä­ger erfolg­los um die öffent­lich aus­ge­schrie­be­ne Stel­le eines Pro­fes­sors an einer evan­ge­li­schen Hoch­schu­le bewor­ben. Die­se ist eine staat­lich aner­kann­te Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts in kirch­li­cher Trä­ger­schaft. Ihr Per­so­nal wird allein aus Lan­des­mit­teln finan­ziert. Die Stel­le wur­de mit einer Mit­be­wer­be­rin besetzt. Der Klä­ger ver­lang­te, das Beset­zungs­ver­fah­ren zu wie­der­ho­len, hilfs­wei­se, ihm Scha­dens­er­satz zu leis­ten.

Der Senat hat die abwei­sen­den Ent­schei­dun­gen des Arbeits­ge­richts und Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg 1 bestä­tigt. Die von den Vor­in­stan­zen auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob eine staat­lich aner­kann­te Fach­hoch­schu­le in kirch­li­cher Trä­ger­schaft an die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 2 GG gebun­den ist, konn­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt dabei offen­las­sen. Mit der end­gül­ti­gen Beset­zung der Stel­le war das Aus­wahl­ver­fah­ren been­det. Die Arbeit­ge­be­rin war nicht ver­pflich­tet, das Ver­fah­ren zu wie­der­ho­len. Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch bestand nicht, da der Klä­ger nicht gel­tend gemacht hat, dass er der best­ge­eig­ne­te Bewer­ber gewe­sen sei.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Okto­ber 2010 – 9 AZR 554/​09

  1. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.12.2008 – 18 Sa 2121/​08[]