Ren­de­ring-Leis­tun­gen von Archi­tek­ten – und die Gewerbesteuer

Archi­tek­ten, die aus­schließ­lich sog. Ren­de­ring-Leis­tun­gen anbie­ten, sind frei­be­ruf­lich und nicht gewerb­lich tätig, wenn bei den Tätig­kei­ten ein Gestal­tungs­spiel­raum besteht. 

Ren­de­ring-Leis­tun­gen von Archi­tek­ten – und die Gewerbesteuer

In dem hier vom Finanz­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Fall boten die Archi­tek­ten Visua­li­sie­rungs-Dienst­leis­tun­gen für frem­de Archi­tek­ten­ent­wür­fe an (sog. Ren­de­ring). Beim Ren­de­ring wer­den Ent­wurfs-Pla­nun­gen mit­hil­fe einer Gra­fik-Soft­ware drei­di­men­sio­nal ver­an­schau­licht, damit der Betrach­ter einen Ein­druck von der Wir­kung eines Bau­werks bekommt.

Das Finanz­amt unter­warf die Ein­künf­te aus die­sen Leis­tun­gen der Gewer­be­steu­er. Bei der Visua­li­sie­rung frem­der Archi­tek­ten­ent­wür­fe ste­he die Anwen­dung tech­ni­scher Fer­tig­kei­ten und die Beherr­schung der ent­spre­chen­den Gra­fik-Soft­ware im Vor­der­grund. Die Archi­tek­ten hät­ten einen so begrenz­ten eige­nen Gestal­tungs­spiel­raum, dass die Tätig­keit im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung nicht mehr dem Berufs­bild eines Archi­tek­ten ent­spre­che und daher als gewerb­lich anzu­se­hen sei.

Hier­ge­gen wand­ten sich die Archi­tek­ten mit ihrer Kla­ge und erhiel­ten vom Finanz­ge­richt Köln Recht. Das Finanz­ge­richt stell­te fest, dass die Archi­tek­ten typi­sche Archi­tek­ten­tä­tig­kei­ten im Bereich der gestal­te­ri­schen Pla­nung ausübten.

Das Visualisieren/​Rendern von Archi­tek­tur­pro­jek­ten gehö­re unstrei­tig zur typi­schen Archi­tek­ten­tä­tig­keit. Ren­de­ring sei inzwi­schen ein uner­läss­li­cher Teil des Archi­tek­tur­stu­di­ums. Die Spe­zia­li­sie­rung auf einen für die Archi­tek­tur typi­schen Teil­be­reich sei nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs für die Aus­übung einer frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit unschädlich.

Die kom­ple­xen Auf­ga­ben­stel­lun­gen bei der Pla­nung und Errich­tung von Bau­wer­ken erfor­der­ten unter­schied­li­che Spe­zia­li­sie­run­gen. Die Archi­tek­ten wür­den in einem Pla­nungs­sta­di­um tätig, in dem nur ein gro­ber Ent­wurf des Bau­pro­jek­tes vor­lie­ge und vie­le Aus­stat­tungs­de­tails noch fehl­ten. Daher sei­en sie auch aus­rei­chend gestal­te­risch betei­ligt und „hauch­ten“ dem Objekt durch ihre Tätig­keit erst „Leben“ ein.

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Baukosten - und der Auskunftsanspruch des Architekten

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 21. April 2021 – 9 K 2291/​17

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