Baby­nah­rung – für eine gesun­de Darm­flo­ra

Ein Her­stel­ler darf für sei­ne Baby­nah­rung nicht mit einer "gesun­den Darm­flo­ra" wer­ben. Mit die­ser Ent­schei­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof den Begriff der gesund­heits­be­zo­ge­nen Anga­be im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Nr. 5 Health-Claim-Ver­ord­nung (EG) Nr. 1924/​2006 wei­ter prä­zi­siert.

Baby­nah­rung – für eine gesun­de Darm­flo­ra

Die Par­tei­en des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streits ver­trei­ben Baby­nah­rung. Die Beklag­te bot unter der Bezeich­nung "Praebio­tik® + Pro­bio­tik®" Pro­duk­te an, die als prä­bio­ti­sche Kom­po­nen­te Galac­too­li­gosac­chari­de und als pro­bio­ti­sche Kom­po­nen­te das Bak­te­ri­um Lac­to­ba­c­il­lus fer­men­tum her­edi­t­um ent­hal­ten. Sie ver­wen­de­te auf der Ver­pa­ckung die wei­te­ren Aus­sa­gen "mit natür­li­chen Milch­säu­re­kul­tu­ren" und "Praebio­tik® zur Unter­stüt­zung der Darm­flo­ra". Die Klä­ge­rin sieht hier­in gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­ben, die mit der Health-Claim-Ver­ord­nung unver­ein­bar sei­en. Sie hat die Beklag­te daher unter ande­rem auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich mit der Unter­las­sungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main hat die Beklag­te zur Unter­las­sung der Ver­wen­dung der Bezeich­nung "Praebio­tik® + Pro­bio­tik®" (Antrag zu 1) ver­ur­teilt 1. Den auf das Ver­bot der Anga­be ""Praebio­tik® + Pro­bio­tik® Mit natür­li­chen Milch­säu­re­kul­tu­ren – Praebio­tik® zur Unter­stüt­zung einer gesun­den Darm­flo­ra" gerich­te­ten Antrag zu 2 hat es abge­wie­sen.

Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main das land­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen 2.

Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt auf­ge­ho­ben und die Beklag­te nach dem Antrag zu 2 zur Unter­las­sung ver­ur­teilt. Im Hin­blick auf den Antrag zu 1 hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das OLG Frank­furt zurück­ver­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat – anders als das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main – in der Bezeich­nung "Praebio­tik® + Pro­bio­tik®" eine gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 der Health-Claim-Ver­ord­nung gese­hen. Die Bezeich­nung wird vom Durch­schnitts­ver­brau­cher nicht ledig­lich als eine Beschaf­fen­heits- oder Inhalts­an­ga­be ange­se­hen, son­dern spielt im Sin­ne eines spre­chen­den Kenn­zei­chens auf die Eigen­schaf­ten "pro­bio­tisch" und "prä­bio­tisch" an, also die Fähig­keit, die natür­li­che Darm­funk­ti­on und die Abwehr­kräf­te zu sti­mu­lie­ren. Die­ser sug­ge­rier­te Zusam­men­hang zwi­schen dem Bestand­teil eines Lebens­mit­tels und dem Gesund­heits­zu­stand des Kon­su­men­ten reicht für die Beja­hung einer gesund­heits­be­zo­ge­nen Anga­be aus. Im neu eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­fah­ren ist nun die bis­lang vom Beru­fungs­ge­richt offen­ge­las­se­ne Fra­ge zu klä­ren, ob die Beklag­te die Bezeich­nung "Praebio­tik® + Pro­bio­tik®" bereits vor dem 1. Janu­ar 2005 zur Kenn­zeich­nung von Lebens­mit­teln benutzt hat­te und sich des­halb auf die Über­gangs­vor­schrift des Art. 28 Abs. 2 der Health-Claim-Ver­ord­nung beru­fen kann.

Die mit dem Antrag zu 2 ange­grif­fe­ne Anga­be ""Praebio­tik® + Pro­bio­tik® Mit natür­li­chen Milch­säu­re­kul­tu­ren – Praebio­tik® zur Unter­stüt­zung einer gesun­den Darm­flo­ra" hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­bo­ten. Die­se gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be ist nicht auf­grund der Über­gangs­be­stim­mung des Art. 28 Abs. 6 Buchst. b der Health-Claim-Ver­ord­nung zuläs­sig, weil sie nicht Gegen­stand einer vor­he­ri­gen Anmel­dung im Sin­ne die­ser Vor­schrift war. Ange­mel­det war die rein beschrei­ben­de Anga­be eines Inhalts­stoffs ("Pre­bio­tic fib­re sup­ports deve­lop­ment of healt­hy intes­ti­nal flo­ra"), wäh­rend die Bezeich­nung "Praebio­tik®" vom Ver­kehr als ein mar­ken­ty­pisch auf ein Unter­neh­men hin­wei­sen­des Kenn­zei­chen ver­stan­den wird. Dar­in liegt ein grund­le­gen­der inhalt­li­cher Unter­schied, der bei dem anzu­le­gen­den stren­gen Maß­stab der Anwen­dung der Über­gangs­vor­schrift des Art. 28 Abs. 6 Buchst. b der Ver­ord­nung ent­ge­gen­steht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – I ZR 178/​12 – Praebio­tik

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 23.03.2011 – 2/​06 O 568/​10[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 09.08.2012 – 6 U 67/​11, GRUR-RR 2012, 484[]