Gesund­heits­be­zo­ge­ne Lebens­mit­tel­wer­bung – "So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!"

Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine Fra­ge zur zeit­li­chen Rück­wir­kung der Health-Claims-Vor­schrif­ten über gesund­heits­be­zo­ge­ne Lebens­mit­tel­wer­bung dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Gesund­heits­be­zo­ge­ne Lebens­mit­tel­wer­bung – "So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!"

Die Beklag­te stellt Milch­er­zeug­nis­se her und ver­treibt einen Früch­te­quark mit der Bezeich­nung "Mons­ter­ba­cke". Auf des­sen Ver­pa­ckungs­ober­sei­te ver­wen­det sie den Slo­gan "So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!". Die Klä­ge­rin hält dies für unzu­läs­sig im Sin­ne des § 4 Nr. 11 UWG in Ver­bin­dung mit Art. 9 und 10 der soge­nann­ten Health-Claim-Ver­ord­nung 1924/​2006, weil der Wer­be­slo­gan sowohl nähr­wert­be­zo­ge­ne als auch gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­ben über Lebens­mit­tel ent­hal­te, wei­ter erfor­der­li­che Anga­ben aber fehl­ten. Im Übri­gen sei der Slo­gan irre­füh­rend nach § 11 Abs. 1 LFGB, weil nicht auf den gegen­über Milch erheb­lich erhöh­ten Zucker­ge­halt hin­ge­wie­sen wer­de. Sie hat die Beklag­te auf Unter­las­sung und Zah­lung der Abmahn­kos­ten in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Stutt­gart hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart die Beklag­te zur Unter­las­sung ver­ur­teilt 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun­mehr das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob die Hin­weis­pflich­ten gemäß Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1924/​2006 bereits ab dem Zeit­punkt der Gel­tung die­ser Ver­ord­nung am 1. Juli 2007 zu beach­ten waren.

Der Bun­des­ge­richts­hof ist dabei davon aus­ge­gan­gen, dass der Wer­be­slo­gan nicht irre­füh­rend ist und auch kei­ne nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Nr. 4 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1924/​2006, wohl aber eine gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Nr. 5 die­ser Ver­ord­nung dar­stellt. Dies ent­nimmt der BGH dem "Deut­sches Weintor"-Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs 3. Danach ist der Begriff "gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be" weit zu ver­ste­hen.

Der Erfolg des Rechts­mit­tels hängt dem­nach davon ab, ob die Vor­schrift des Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1924/​2006 in dem für die Beur­tei­lung des Fal­les rele­van­ten Zeit­raum im Jahr 2010 bereits anwend­bar war. Hier­für spricht der Wort­laut des Art. 28 Abs. 5 der Ver­ord­nung, in dem Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung nicht genannt ist. Nach der gegen­tei­li­gen Ansicht spricht der sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­hang der Rege­lung dafür, dass die Hin­weis­pflich­ten gemäß Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1924/​2006 erst ab der – nach wie vor aus­ste­hen­den – Ver­ab­schie­dung der Lis­te zuge­las­se­ner gesund­heits­be­zo­ge­ner Anga­ben gemäß Art. 13 Abs. 3 der Ver­ord­nung gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Dezem­ber 2012 – I ZR 36/​11 – Mons­ter­ba­cke

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 31.05.2010 – 34 O 19/​10 KfH[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 03.02.2011 – 2 U 61/​10, ZLR 2011, 352 []
  3. EuGH, Urteil vom 06.09.2012 – C‑544/​10 [Deut­sches Wein­tor], GRUR 2012, 1161 Rn. 34 – 36[]