Spiel­ver­mitt­ler – und der Kar­tell­ver­stoß der Lot­to-Gesell­schaf­ten

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die West­deut­sche Lot­te­rie GmbH & Co. OHG ver­ur­teilt, an eine bun­des­weit täti­ge Spiel­ver­mitt­le­rin Scha­den­er­satz in Höhe von rund 11, 5 Mio. € zu zah­len.

Spiel­ver­mitt­ler – und der Kar­tell­ver­stoß der Lot­to-Gesell­schaf­ten

Die beklag­te West­lot­to sowie die übri­gen Lan­des­lot­to­ge­sell­schaf­ten des Deut­schen Lot­to- und Toto­blocks (DTLB) haben vor­sätz­lich in kar­tell­rechts­wid­ri­ger Wei­se durch abge­stimm­tes Ver­hal­ten eine Zusam­men­ar­beit mit der Spiel­ver­mitt­le­rin ver­wei­gert. Dies ist nach Ansicht des OLG Düs­sel­dorf ein wesent­li­cher Grund für das Schei­tern des – durch­aus erfolg­ver­spre­chen­den – Geschäfts­mo­dells der Spiel­ver­mitt­le­rin gewe­sen. Die beklag­te West­lot­to als Mit­tä­te­rin die­ses Kar­tell­ver­sto­ßes gegen § 1 GWB habe der Spiel­ver­mitt­le­rin des­halb den ihr in den Jah­ren 2006–2008 ent­gan­ge­nen Gewinn zu erset­zen.

Die kla­gen­de Spiel­ver­mitt­le­rin, die den Lot­to­ge­sell­schaf­ten bis­lang im Inter­net gene­rier­te Spiel­auf­trä­ge ver­mit­telt hat­te, beab­sich­tig­te im Jah­re 2005 dar­über hin­aus unter der Bezeich­nung „Lot­to-Direkt“ eine soge­nann­te „ter­res­tri­sche“ Ver­mitt­lung von Spiel­ein­sät­zen der Lot­te­rien „6 aus 49“, „Spiel 77“ und „Super 6“ auf­zu­bau­en. Ihr Geschäfts­mo­dell sah die Errich­tung sta­tio­nä­rer Ver­kaufs­stel­len in Ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten wie z. B. Super­märk­ten, Dis­coun­tern und Tank­stel­len vor. Auf Grund­la­ge eines gemein­sa­men Beschlus­ses lehn­ten die Beklag­te und ande­re Lan­des­lot­to­ge­sell­schaf­ten ab April 2005 jedoch die Annah­me sol­cher ter­res­tri­scher Spiel­auf­trä­ge ab, da sie die ent­ste­hen­de Ver­triebs­kon­kur­renz fürch­te­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof stell­te mit sei­nem „Lot­to­block-Beschluss“ vom 14. August 2008 [1] fest, dass die­se Wei­ge­rung einen Ver­stoß gegen Art. 81 EG und § 1 GWB dar­stel­le und somit kar­tell­rechts­wid­rig sei.

Die Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, dass die Lan­des­lot­to­ge­sell­schaf­ten des DTLB vor­sätz­lich kar­tell­rechts­wid­rig han­del­ten, grün­det sich u. a. auf den Inhal­ten von Vor­la­gen für Sit­zun­gen des DTLB-Rechts­aus­schus­ses im Janu­ar und April 2005. Aus die­sen wer­de deut­lich, dass den Gesell­schaf­ten des DTLB die Kar­tell­rechts­wid­rig­keit ihrer Ver­wei­ge­rung der Zusam­men­ar­beit mit ter­res­trisch-gewerb­li­chen Spiel­ver­mitt­lern bewusst gewe­sen sei.

Die Höhe des zu leis­ten­den Scha­den­er­sat­zes hat das OLG Düs­sel­dorf auf Grund­la­ge des von der Spiel­ver­mitt­le­rin dar­ge­leg­ten ent­gan­ge­nen Gewinns fest­ge­setzt. Die Spiel­ver­mitt­le­rin habe u. a. unter Bezug­nah­me auf eine Gewinn­pro­gno­se in einer Markt­ana­ly­se der Invest­ment­bank Sal. Oppen­heim sowie eines Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens mit der erfor­der­li­chen Wahr­schein­lich­keit dar­ge­legt, dass sie ohne den Kar­tell­rechts­ver­stoß der Beklag­ten mit ihrem Geschäfts­mo­dell in den Jah­ren 2006 bis 2008 einen Gewinn zumin­dest in Höhe des nun zu zah­len­den Scha­den­er­sat­zes erwirt­schaf­tet hät­te.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 9. April 2014 – VI – U (Kart) 10/​12

  1. BGH, Beschluss vom 14.08.2008 – KVR 54/​07 – Lot­to­block[]