Steu­er­ein­zug per Last­schrift, Insol­venz­an­fech­tung – und kein Leis­tungs­be­scheid

Ein vom Finanz­amt auf­grund der Insol­venz­an­fech­tung an den Insol­venz­ver­wal­ter zurück­ge­zahl­ter Betrag (hier: die per Last­schrift ein­ge­zo­ge­ne Steu­er­schuld aus einer Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung) kann vom Finanz­amt beim Insol­venz­ver­wal­ter nicht durch Leis­tungs­be­scheid zurück­ge­for­dert wer­den.

Steu­er­ein­zug per Last­schrift, Insol­venz­an­fech­tung – und kein Leis­tungs­be­scheid

Bei dem vom Insol­venz­ver­wal­ter gel­tend gemach­ten; und vom beklag­ten Finanz­amt erfüll­ten Anspruch han­delt es sich nicht um einen Anspruch aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis, über des­sen Bestehen im Wege eines Abrech­nungs­be­scheids hät­te ver­bind­lich ent­schie­den wer­den dür­fen. Die Umsatz­steu­er ist nicht ohne recht­li­chen Grund gezahlt wor­den.

Der Zah­lung, die zum Erlö­schen des Anspruchs aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis führ­te (§ 47 AO), lag eine wirk­sa­me Steu­er­fest­set­zung zugrun­de (§ 168 Satz 1 AO). Die Steu­er­fest­set­zung ist nicht wegen der vom Klä­ger erklär­ten Insol­venz­an­fech­tung unwirk­sam gewor­den.

Rechts­fol­ge einer erfolg­rei­chen Insol­venz­an­fech­tung ist nach § 143 Abs. 1 Satz 1 InsO ledig­lich, dass zur Insol­venz­mas­se zurück­ge­währt wer­den muss, was durch die anfecht­ba­re Rechts­hand­lung aus dem Ver­mö­gen des Insol­venz­schuld­ners ver­äu­ßert, weg­ge­ge­ben oder auf­ge­ge­ben wor­den ist.

Dem­ge­mäß kann über die Fra­ge, ob der Klä­ger als Insol­venz­ver­wal­ter einen aus § 143 Abs. 1 Satz 1 AO fol­gen­den Anspruch auf Rück­ge­währ erbrach­ter Leis­tun­gen hat, nicht durch Abrech­nungs­be­scheid ent­schei­den wer­den. Denn die­ser Anspruch ist kein Erstat­tungs­an­spruch i.S. des § 37 Abs. 2 AO und kein Anspruch aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis i.S. des § 37 Abs. 1 AO [1].

Viel­mehr ist der auf einer erfolg­rei­chen Insol­venz­an­fech­tung beru­hen­de Rück­ge­währ­an­spruch des Insol­venz­ver­wal­ters ein zivil­recht­li­cher Anspruch, der mit der Insol­venz­eröff­nung ent­steht [2]. Über einen sol­chen Anspruch ist mit­hin aus­schließ­lich nach den Vor­schrif­ten der Insol­venz­ord­nung und nicht nach den Bestim­mun­gen der Abga­ben­ord­nung zu ent­schei­den [3].

Finanz­ge­richt DÜs­sel­dorf – Urteil vom 26. Juni 2013 – 4 K 1593/​12 AO

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 05.09.2012 – VII B 95/​12, BFHE 238, 325, BStBl II 2012, 854; sowie vom 27.09.2012 – VII B 190/​11, BFHE 238, 526, BStBl I 2013, 109[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – IX ZB 36/​09, NJW 2011, 1365[]
  3. BFH, Beschlüs­se in BFHE 238, 325, BStBl II 2012, 854; sowie in BFHE 238, 526, BStBl I 2013, 109[]