Wahr­heits­wid­ri­ges Ent­las­tungs­vor­brin­gen

Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tat­ge­richts. Ihm allein obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung ist dar­auf beschränkt, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Das ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist, nament­lich wesent­li­che Fest­stel­lun­gen nicht erör­tert, oder gegen die Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt 1.

Wahr­heits­wid­ri­ges Ent­las­tungs­vor­brin­gen

Die Wider­le­gung bewusst wahr­heits­wid­ri­gen Ent­las­tungs­vor­brin­gens lie­fert in der Regel kein zuver­läs­si­ges Indiz für die Täter­schaft der Ange­klag­ten.

Soll eine Lüge als Belas­tungs­in­diz die­nen, setzt dies viel­mehr vor­aus, dass mit rechts­feh­ler­frei­er Begrün­dung dar­ge­tan wird, war­um im zu ent­schei­den­den Fall eine ande­re Erklä­rung nicht in Betracht kommt oder – wie­wohl denk­bar – nach den Umstän­den so fern­liegt, dass sie aus­schei­det 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Sep­tem­ber 2015 – 1 StR 445/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 22.05.2007 – 1 StR 582/​06; Urteil vom 14.12 2011 – 1 StR 501/​11, NStZ-RR 2012, 148, 149; Beschluss vom 23.08.2012 – 4 StR 305/​12, NStZ-RR 2012, 383, 384[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.07.1995 – 2 StR 137/​95, BGHSt 41, 153, 155 f.; Beschluss vom 16.12 2010 – 4 StR 508/​10, NStZ-RR 2011, 118; San­der in Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 261 Rn. 74[]