Der Grund­satz der Bes­ten­aus­le­seund die Be­ur­tei­lun­gen der Sol­da­ten

Bei Aus­wah­l­ent­schei­dun­gen zur Be­set­zung eines hö­her­wer­ti­gen Dienst­pos­tens nach dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se kön­nen beim Ver­gleich der dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen der Be­wer­ber Leis­tungs­be­wer­tun­gen als „im We­sent­li­chen gleich“ ein­ge­stuft wer­den, wenn sie im sel­ben Wer­tungs­be­reich (§ 2 Abs. 5 und 6 SLV, Nr. 610 Buchst. b ZDv 20/​6) lie­gen und sich der Un­ter­schied der Be­wer­tun­gen (Durch­schnitts­wert der Auf­ga­ben­er­fül­lung) in einem be­grenz­ten Rah­men hält (be­jaht für eine Dif­fe­renz von 0,3 auf einer neun­stu­fi­gen Ska­la). Bei „im We­sent­li­chen glei­chen“ Leis­tungs­be­wer­tun­gen ist es mit dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se ver­ein­bar, dem pro­gnos­ti­schen Teil der dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen, ins­be­son­de­re der Ent­wick­lungs­pro­gno­se des nächst­hö­he­ren Vor­ge­setz­ten (Nr. 102 Buchst. c und Nr. 910 ZDv 20/​6), aus­schlag­ge­ben­des Ge­wicht im Eig­nungs­ver­gleich zu­zu­mes­sen.

Der Grund­satz der Bes­ten­aus­le­seund die Be­ur­tei­lun­gen der Sol­da­ten

^Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu beam­ten­recht­li­chen Kon­kur­ren­ten­strei­tig­kei­ten um Beför­de­rungs­äm­ter folgt aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art.19 Abs. 4 GG die Ver­pflich­tung des Dienst­herrn, die sei­ner Ent­schei­dung zu Grun­de lie­gen­den wesent­li­chen Aus­wahl­er­wä­gun­gen schrift­lich nie­der­zu­le­gen, um eine sach­ge­rech­te Kon­trol­le durch den unter­le­ge­nen Bewer­ber und ggf. durch das Gericht zu ermög­li­chen1. § 3 Abs. 1 SG über­nimmt die Grund­sät­ze des Art. 33 Abs. 2 GG in das Dienst­ver­hält­nis der Sol­da­ten und erstreckt sie über Ernen­nun­gen hin­aus aus­drück­lich auf Ver­wen­dungs­ent­schei­dun­gen. Der Senat hat des­halb eine ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung zur Doku­men­ta­ti­on der wesent­li­chen Aus­wahl­er­wä­gun­gen auch für Ent­schei­dun­gen ange­nom­men, die – wie im vor­lie­gen­den Fall – ein Kon­kur­renz­ver­hält­nis um eine höher­wer­ti­ge mili­tä­ri­sche Ver­wen­dung betref­fen2. Zur Doku­men­ta­ti­on ver­pflich­tet ist pri­mär die Stel­le, die für die zu tref­fen­de Aus­wahl­ent­schei­dung zustän­dig ist3.

Für die nach Art. 33 Abs. 2 GG und § 3 Abs. 1 SG gebo­te­ne Aus­wahl nach Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung und für die gericht­li­che Kon­trol­le der Aus­wahl­ent­schei­dung gel­ten nach der Recht­spre­chung des Senats ins­be­son­de­re die nach­fol­gen­den Grund­sät­ze4.

Ein Sol­dat hat grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te ört­li­che oder fach­li­che Ver­wen­dung oder auf Ver­wen­dung auf einem bestimm­ten Dienst­pos­ten. Ein dahin­ge­hen­der Anspruch lässt sich auch nicht aus der Für­sor­ge­pflicht ablei­ten. Viel­mehr ent­schei­det der zustän­di­ge Vor­ge­setz­te über die Ver­wen­dung eines Sol­da­ten nach Maß­ga­be des dienst­li­chen Bedürf­nis­ses nach sei­nem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen, in des­sen Rah­men bei der Kon­kur­renz um höher­wer­ti­ge Dienst­pos­ten Art. 33 Abs. 2 GG und § 3 Abs. 1 SG zu berück­sich­ti­gen sind. Da Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung unbe­stimm­te Rechts­be­grif­fe wer­ten­den Inhalts sind, steht dem zustän­di­gen Vor­ge­setz­ten bei der Ent­schei­dung über die Eig­nung eines Sol­da­ten für eine bestimm­te Ver­wen­dung im Sin­ne des § 3 Abs. 1 SG ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, den er unter Berück­sich­ti­gung des von dem Sol­da­ten wahr­zu­neh­men­den Dienst­pos­tens aus­zu­fül­len hat5. Dem­zu­fol­ge beschränkt sich die gericht­li­che Nach­prü­fung der Eig­nung auf die Kon­trol­le, ob der Vor­ge­setz­te bei der Ent­schei­dung den anzu­wen­den­den Begriff oder den gesetz­li­chen Rah­men des Beur­tei­lungs­spiel­raums ver­kannt hat, ob er von einem unrich­ti­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen ist, all­ge­mein gül­ti­ge Wert­maß­stä­be nicht beach­tet, sach­frem­de Erwä­gun­gen ange­stellt oder gegen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ver­sto­ßen hat6.

Fest­le­gun­gen über die Anfor­de­run­gen an die Wahr­neh­mung eines Dienst­pos­tens (etwa in Form eines Anfor­de­rungs­pro­fils als Maß­stab der Anfor­de­run­gen an den/​die Bewer­ber oder in Form einer im Aus­wahl­ver­fah­ren her­an­ge­zo­ge­nen Auf­ga­ben- und Tätig­keits­be­schrei­bung für den Dienst­pos­ten) unter­lie­gen als orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men nach Maß­ga­be mili­tä­ri­scher Zweck­mä­ßig­keit zwar nicht der gericht­li­chen Kon­trol­le, bin­den aber die zustän­di­ge Stel­le im Aus­wahl­ver­fah­ren; ob sie ihre Aus­wahl­ent­schei­dung an dem Anfor­de­rungs­pro­fil bzw. an der Auf­ga­ben- und Tätig­keits­be­schrei­bung aus­ge­rich­tet hat, ist gericht­lich in vol­lem Umfang über­prüf­bar. Für die eigent­li­che inhalt­li­che Bewer­tung der Eig­nung der Kan­di­da­ten am Maß­stab des Anfor­de­rungs­pro­fils bzw. der Auf­ga­ben- und Tätig­keits­be­schrei­bung ver­bleibt es aller­dings bei der oben dar­ge­leg­ten ein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Nach­prü­fung7.

Wenn meh­re­re Bewer­ber allen Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en gerecht wer­den, haben – in der Regel durch dienst­li­che Beur­tei­lun­gen aus­ge­wie­se­ne – Abstu­fun­gen der Qua­li­fi­ka­ti­on Bedeu­tung8. Zur Ermitt­lung des Leis­tungs­stands kon­kur­rie­ren­der Bewer­ber ist dabei in ers­ter Linie auf die zum Zeit­punkt der Aus­wahl­ent­schei­dung aktu­ells­ten Beur­tei­lun­gen abzu­stel­len, wes­halb der letz­ten dienst­li­chen Beur­tei­lung regel­mä­ßig eine aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zukommt; zur abge­run­de­ten Bewer­tung des Leistungs‑, Eig­nungs- und Befä­hi­gungs­bil­des und sei­ner Kon­ti­nui­tät ist es dar­über hin­aus zuläs­sig, in die Aus­wahl­ent­schei­dung auch frü­he­re Beur­tei­lun­gen bis zu den bei­den letz­ten plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lun­gen vor der aktu­el­len Beur­tei­lung mit ein­zu­be­zie­hen9. Sind danach meh­re­re Bewer­ber als im Wesent­li­chen gleich geeig­net ein­zu­stu­fen, kann im Rah­men sach­ge­rech­ter Erwä­gun­gen auch sons­ti­gen sach­li­chen Gesichts­punk­ten ein (gege­be­nen­falls) ent­schei­den­des Gewicht für die Aus­wahl bei­gemes­sen wer­den, sofern dadurch das Gebot der Aus­wahl nach Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung nicht in Fra­ge gestellt wird10.

Es ist im vor­lie­gen­den Fall nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts recht­lich auch nicht zu bean­stan­den, dass der Abtei­lungs­lei­ter PSZ dem Bei­gela­de­nen im Eig­nungs- und Leis­tungs­ver­gleich nach dem Gesamt­bild der aktu­el­len dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen den Vor­rang gegen­über dem Antrag­stel­ler ein­ge­räumt hat.

Der Abtei­lungs­lei­ter PSZ hat sei­ne Aus­wahl­ent­schei­dung an der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung in der Vor­la­ge des Refe­rats PSZ I 3 vom 13.05.2011 für den Per­so­nal­be­ra­ter­aus­schuss ori­en­tiert. Die ein­schlä­gi­gen Erfah­run­gen, Qua­li­fi­ka­tio­nen und Vor­ver­wen­dun­gen der Kan­di­da­ten und die Aus­sa­gen und Bewer­tun­gen der dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen wer­den dort zu den Auf­ga­ben­schwer­punk­ten des Dienst­pos­tens ins Ver­hält­nis gesetzt.

Nicht zu bean­stan­den ist danach die Annah­me, dass alle Bewer­ber die Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en erfüll­ten und des­halb grund­sätz­lich geeig­net für die Beset­zung des Dienst­pos­tens waren.

Der Abtei­lungs­lei­ter PSZ durf­te dem Bei­gela­de­nen in der Gesamt­be­trach­tung der aktu­el­len dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen den Vor­rang gegen­über dem Antrag­stel­ler geben.

Die Ein­schät­zung, die Leis­tungs­be­wer­tun­gen des Antrag­stel­lers und des Bei­gela­de­nen in der Auf­ga­ben­er­fül­lung auf dem Dienst­pos­ten sei­en im Wesent­li­chen gleich, hält sich im Rah­men des eröff­ne­ten Beur­tei­lungs­spiel­raums.

Die aktu­el­len dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen zum Vor­la­ge­ter­min 30.09.2009 wei­sen für den Antrag­stel­ler einen Durch­schnitts­wert der Auf­ga­ben­er­fül­lung von 7,00 und für den Bei­gela­de­nen einen Durch­schnitts­wert von 6,70 aus.

Die Vor­la­ge des Refe­rats PSZ I 3 vom 13.05.2011 führt zur Bewer­tung der Auf­ga­ben­er­fül­lung auf dem Dienst­pos­ten aus, dass die­se bei allen vor­ge­stell­ten Sani­täts­stabs­of­fi­zie­ren über­durch­schnitt­lich gut sei, wobei Ober­starzt Dr. Kl. (der für den par­al­le­len Dienst­pos­ten des Chefs des Sta­bes beim … aus­ge­wähl­te Bewer­ber, der des­halb im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang außer Betracht bleibt) mit 8,10 gegen­über Ober­starzt … (dem Bei­gela­de­nen des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens) und den wei­te­ren Kan­di­da­ten einen rele­van­ten Vor­sprung habe. Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung – PSZ I 7 – hat in dem Vor­la­ge­schrei­ben an den Senat vom 08.11.2011 erklärt, die gerin­ge Leis­tungs­dif­fe­renz zwi­schen dem Antrag­stel­ler und dem Bei­gela­de­nen ver­las­se nicht den Bereich, der noch als „im Wesent­li­chen gleich leis­tungs­stark” ein­zu­schät­zen sei; auch aus einer Abrun­dung des Leis­tungs­bilds unter Berück­sich­ti­gung der vor­letz­ten und vor­vor­letz­ten Beur­tei­lung erge­be sich kein signi­fi­kan­ter Vor­sprung zuguns­ten des Antrag­stel­lers.

Die­se Ein­schät­zung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung lässt sich (noch) als zuläs­si­ge Ergän­zung bzw. Prä­zi­sie­rung der Aus­wahl­er­wä­gun­gen11 auf­fas­sen. Sie ist auch in der Sache nicht zu bean­stan­den.

Der Senat hat über die Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Bewer­ber „als im Wesent­li­chen gleich geeig­net” ein­zu­stu­fen sind, unter der Gel­tung der Bestim­mun­gen über die Beur­tei­lun­gen der Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten der Bun­des­wehr (ZDv 20/​6) vom 17.01.2007 noch nicht ent­schie­den. Aus­sa­gen, die zu frü­he­ren Fas­sun­gen getrof­fen wur­den, las­sen sich auf die aktu­el­len Beur­tei­lungs­be­stim­mun­gen nicht über­tra­gen, weil die­se ein grund­le­gend ver­än­der­tes, auf eine ver­stärk­te Dif­fe­ren­zie­rung der Bewer­tun­gen zie­len­des Beur­tei­lungs­sys­tem vor­se­hen. Mit­tel hier­zu sind – unter ande­rem – eine neun­stu­fi­ge Ska­la, nach der zehn Ein­zel­merk­ma­le zu bewer­ten sind, und die Fest­le­gung von Richt­wer­ten für bestimm­te Wer­tungs­be­rei­che (sie­he im Ein­zel­nen § 2 Abs. 5 und 6 SLV12 und Nr. 610 ZDv 20/​6)13. Der Anteil der Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten einer Ver­gleichs­grup­pe soll, bezo­gen auf die Durch­schnitts­wer­te der indi­vi­du­el­len Auf­ga­ben­er­fül­lung, im Wer­tungs­be­reich von 6,21 bis 7,30 zwan­zig Pro­zent sowie von 7,31 bis 9,00 fünf­zehn Pro­zent nicht über­schrei­ten (Nr. 610 Buchst. b Satz 1 ZDv 20/​6).

Im Hin­blick auf die zen­tra­le Bedeu­tung der mit Richt­wer­ten ver­se­he­nen Wer­tungs­be­rei­che für die Dif­fe­ren­zie­rung im Leis­tungs­ver­gleich kom­men für eine Ein­schät­zung als „im Wesent­li­chen gleich” von vor­ne­her­ein nur sol­che Bewer­tun­gen in Betracht, die inner­halb des­sel­ben Wer­tungs­be­reichs lie­gen (7,31 bis 9,00; 6,21 bis 7,30; 6,20 und dar­un­ter); denn mit der Zuord­nung zu den Wer­tungs­be­rei­chen wird eine nor­ma­tiv gewoll­te Abstu­fung von Leis­tungs­grup­pen der beur­teil­ten Sol­da­ten zum Aus­druck gebracht (obers­te fünf­zehn Pro­zent; fol­gen­de zwan­zig Pro­zent; rest­li­che 65 Pro­zent). Lie­gen die Bewer­tun­gen inner­halb des­sel­ben Wer­tungs­be­reichs, so muss sich der Wer­tungs­un­ter­schied in einem begrenz­tem Rah­men hal­ten, damit die von den neu­en Beur­tei­lungs­be­stim­mun­gen beab­sich­tig­te Dif­fe­ren­zie­rung und Aus­sa­ge­kraft der Beur­tei­lun­gen nicht letzt­lich wie­der ein­ge­eb­net wird. Im Hin­blick auf die – in der Pra­xis auch tat­säch­lich erziel­te – deut­li­che Sprei­zung der Bewer­tun­gen auf der neun­stu­fi­gen Ska­la hält sich eine Dif­fe­renz von 0,30 noch im Rah­men des Spiel­raums, in dem die für die Aus­wahl­ent­schei­dung zustän­di­ge Stel­le die Mög­lich­keit (aber nicht die Pflicht) hat, unter­schied­li­che Leis­tungs­be­wer­tun­gen als „im Wesent­li­chen gleich” ein­zu­stu­fen.

Im Ergeb­nis durf­ten daher die Bewer­tun­gen des Antrag­stel­lers und des Bei­gela­de­nen in der Auf­ga­ben­er­fül­lung auf dem Dienst­pos­ten, die in den aktu­el­len dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen (2009) mit 7,00 und 6,70 im sel­ben (zweit­höchs­ten) Wer­tungs­be­reich lie­gen, wegen der ver­gleichs­wei­se gerin­gen Wer­tungs­dif­fe­renz (0,30) als „im Wesent­li­chen gleich” behan­delt wer­den.

Der – ohne­hin nur „abrun­den­de”, aber nicht aus­schlag­ge­ben­de – Rück­griff auf die davor­lie­gen­den dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen führt zu kei­ner abwei­chen­den Ein­schät­zung. Denn in der vor­letz­ten Beur­tei­lung (2007) liegt der Durch­schnitts­wert der Auf­ga­ben­er­fül­lung des Antrag­stel­lers mit 5,40 (im nach Besol­dungs­grup­pe A 16 bewer­te­ten Sta­tus­amt) – auch unter Berück­sich­ti­gung eines Sta­tus­zu­schlags – deut­lich unter dem­je­ni­gen des Bei­gela­de­nen mit 7,40 (im nach Besol­dungs­grup­pe A 15 bewer­te­ten Sta­tus­amt). Den vor­vor­letz­ten Beur­tei­lun­gen (2005) kommt bereits wegen des gro­ßen zeit­li­chen Abstands zur Aus­wahl­ent­schei­dung vom 04.07.2011 kei­ne wesent­li­che Bedeu­tung zu; der sich dort – wie­der­um unter Berück­sich­ti­gung eines Sta­tus­zu­schlags – erge­ben­de Leis­tungs­vor­sprung des Antrag­stel­lers (6,50 nach dem frü­he­ren Beur­tei­lungs­sys­tem im nach Besol­dungs­grup­pe A 16 bewer­te­ten Sta­tus­amt) gegen­über dem Bei­gela­de­nen (6,56 im nach Besol­dungs­grup­pe A 15 bewer­te­ten Sta­tus­amt) ist des­halb nicht geeig­net, die obi­ge Ein­schät­zung in Fra­ge zu stel­len.

Auf der Grund­la­ge „im Wesent­li­chen glei­cher” Leis­tungs­be­wer­tun­gen ist es statt­haft, dem pro­gnos­ti­schen Teil der dienst­li­chen Beur­tei­lung, ins­be­son­de­re der Ent­wick­lungs­pro­gno­se des nächst­hö­he­ren Vor­ge­setz­ten (sie­he Nr. 102 Buchst. c und Nr. 910 ZDv 20/​6), maß­geb­li­ches und letzt­lich aus­schlag­ge­ben­des Gewicht zuzu­mes­sen.

Wie auch in der Vor­la­ge des Refe­rats PSZ I 3 vom 13.05.2011 (Kan­di­da­ten­vor­stel­lung und tabel­la­ri­sche Über­sicht zu den dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen) dar­ge­stellt, ver­gab der nächst­hö­he­re Vor­ge­setz­te in der aktu­el­len dienst­li­chen Beur­tei­lung zum Vor­la­ge­ter­min 30.09.2009 für den Bei­gela­de­nen die höchst­mög­li­che Ent­wick­lungs­pro­gno­se „För­de­rung bis in die höchs­ten Ver­wen­dun­gen der Lauf­bahn”; für den Antrag­stel­ler liegt die ent­spre­chen­de Pro­gno­se mit „deut­lich ober­halb der all­ge­mei­nen Lauf­bahn­per­spek­ti­ve” auf der zwei­ten in Betracht kom­men­den Stu­fe (Nr. 910 Buchst. b ZDv 20/​6). Die Ent­schei­dungs­vor­la­ge des Refe­rats PSZ I 2 für den Abtei­lungs­lei­ter PSZ vom 30.06.2011 stellt her­aus, dass es sich bei den emp­foh­le­nen Kan­di­da­ten (dem Bei­gela­de­nen sowie dem für den par­al­le­len Dienst­pos­ten beim … aus­ge­wähl­ten Bewer­ber Ober­starzt Dr. Kl.) um Offi­zie­re han­de­le, die für wei­te­re höher­wer­ti­ge Auf­ga­ben über die­se Ver­wen­dung auf­ge­baut wer­den sol­len, wobei auch jeweils bereits eine Anschluss­ver­wen­dung auf einem STAN-Dienst­pos­ten in der Ziel­struk­tur für bei­de Kan­di­da­ten sicher­ge­stellt sei. Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung – PSZ I 7 – schließ­lich resü­miert in dem Vor­la­ge­schrei­ben an den Senat vom 08.11.2011 noch­mals, dass unter Berück­sich­ti­gung der maß­geb­li­chen aktu­el­len Beur­tei­lung und deut­lich bes­se­ren Ent­wick­lungs­pro­gno­se des Bei­gela­de­nen die­sem aus Leis­tungs­grün­den der Vor­rang ein­zu­räu­men sei.

Die­se Erwä­gun­gen sind recht­lich nicht zu bean­stan­den. Nach der Neu­kon­zep­ti­on der dienst­li­chen Beur­tei­lung der Sol­da­ten durch die Beur­tei­lungs­be­stim­mun­gen vom 17.01.2007 soll den auf die Zukunft gerich­te­ten Aus­sa­gen der Beur­tei­lung, ins­be­son­de­re der Ent­wick­lungs­pro­gno­se, beson­de­re Bedeu­tung (unter ande­rem) bei den Ver­wen­dungs­aus­wahl­ver­fah­ren der Per­so­nal­füh­rung zukom­men; sie sol­len ent­schei­dend zur Aus­wahl des zukünf­ti­gen Spit­zen­per­so­nals der Streit­kräf­te bei­tra­gen (Nr. 102 Buchst. c Abs. 1 ZDv 20/​6). Jeden­falls in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on „im Wesent­li­chen glei­cher” Bewer­tun­gen der Auf­ga­ben­er­fül­lung auf dem Dienst­pos­ten bil­det des­halb die Ent­wick­lungs­pro­gno­se des stel­lung­neh­men­den nächst­hö­he­ren Vor­ge­setz­ten ein sach­ge­rech­tes Aus­wahl­kri­te­ri­um im Sin­ne des Grund­sat­zes der Bes­ten­aus­le­se (Art. 33 Abs. 2 GG und § 3 Abs. 1 SG).

Die Eig­nungs- und Befä­hi­gungs­ge­sichts­punk­te (Fach­arzt­qua­li­fi­ka­ti­on, Pro­mo­ti­on, Erfah­rung auf dem Dienst­pos­ten), mit denen der Per­so­nal­be­ra­ter­aus­schuss sei­ne Emp­feh­lung zuguns­ten des Bei­gela­de­nen begrün­de­te („Aus­wahl­ra­tio­nal” des Ergeb­nis­pro­to­kolls vom 06.06.2011), hät­ten dage­gen für sich genom­men die Aus­wahl­ent­schei­dung nicht getra­gen.

Die erfolg­rei­che Wei­ter­bil­dung zum Fach­arzt ist, wie der Antrag­stel­ler zu Recht ein­wen­det, in der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung und den wei­te­ren Anfor­de­run­gen an die Bewer­ber um den Dienst­pos­ten weder als not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung noch als erwünsch­te oder för­der­li­che Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on genannt. Eine Auf­nah­me in das Anfor­de­rungs­pro­fil wäre, wenn die­ses Kri­te­ri­um für die Aus­wahl eine Rol­le spie­len soll, um so nahe­lie­gen­der gewe­sen, als die Fach­arzt­qua­li­fi­ka­ti­on einen typi­schen, wenn nicht den typi­schen Befä­hi­gungs­nach­weis zusätz­lich zur Aus­bil­dung zum Arzt dar­stellt; sie wird des­halb, wie dem Senat aus ande­ren Ver­fah­ren bekannt ist, in vie­len Dienst­pos­ten­be­schrei­bun­gen für Sani­täts­stabs­of­fi­zie­re Arzt, in der Regel spe­zi­fi­ziert für ein bestimm­tes Gebiet, aus­drück­lich gefor­dert. Das Feh­len der aus­drück­li­chen Benen­nung im Anfor­de­rungs­pro­fil schließt es zwar nicht schlech­ter­dings aus, auch das Vor­han­den­sein einer Fach­arzt­qua­li­fi­ka­ti­on im Rah­men der Bes­ten­aus­le­se zu wür­di­gen. Wenn die­ser Qua­li­fi­ka­ti­on, ohne dass sie in das Anfor­de­rungs­pro­fil auf­ge­nom­men ist, jedoch aus­schlag­ge­ben­des Gewicht zukom­men soll, so muss ihre beson­de­re Bedeu­tung für die auf dem Dienst­pos­ten wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben eini­ger­ma­ßen offen­sicht­lich sein. Die­se beson­de­re Bedeu­tung einer – zudem nicht wei­ter spe­zi­fi­zier­ten – Fach­arzt­qua­li­fi­ka­ti­on für die Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben des Chefs des Sta­bes und Abtei­lungs­lei­ters Gesund­heits­we­sen bei einem … ist auch nach den Aus­füh­run­gen des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung im gericht­li­chen Ver­fah­ren nicht hin­rei­chend deut­lich gewor­den.

Das Kri­te­ri­um der Pro­mo­ti­on erfül­len sowohl der Bei­gela­de­ne als auch der Antrag­stel­ler. Unab­hän­gig davon hat der Senat wie­der­holt ent­schie­den, dass, wenn – wie hier – eine Pro­mo­ti­on kei­ne Vor­aus­set­zung im Rah­men des Anfor­de­rungs­pro­fils oder der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung ist und der zu beset­zen­de Dienst­pos­ten inhalt­lich auch sonst kei­ne expli­zit wis­sen­schaft­li­chen Bezü­ge auf­weist, die Pro­mo­ti­on in der Regel kein maß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Bevor­zu­gung eines bestimm­ten Sol­da­ten im Aus­wahl­ver­fah­ren dar­stellt14.

Kein aus­schlag­ge­ben­des Kri­te­ri­um zuguns­ten des Bei­gela­de­nen kann schließ­lich auch des­sen Erfah­rung auf dem strit­ti­gen Dienst­pos­ten bil­den, mit des­sen Auf­ga­ben er ab Novem­ber 2010 ver­tre­tungs­wei­se betraut war.

Unter den Gesichts­punk­ten von Eig­nung und Leis­tung kann die ver­tre­tungs­wei­se Tätig­keit des Bei­gela­de­nen erst dann ver­wer­tet wer­den, wenn die­se in einer dienst­li­chen Beur­tei­lung gewür­digt ist, die mit kor­re­spon­die­ren­den Beur­tei­lun­gen der übri­gen Bewer­ber ver­gleich­bar ist. Das wäre etwa dann der Fall gewe­sen, wenn zur Vor­be­rei­tung des Aus­wahl­ver­fah­rens im Früh­jahr 2011 für alle Bewer­ber aktu­el­le Son­der­be­ur­tei­lun­gen erstellt wor­den wären. In den Eig­nungs- und Leis­tungs­ver­gleich auf der Basis der dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen zum 30.09.2009 las­sen sich jedoch außer­halb ver­gleich­ba­rer dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen getrof­fe­ne Äuße­run­gen der Vor­ge­setz­ten des Bei­gela­de­nen über des­sen ver­tre­tungs­wei­se Tätig­keit ab Novem­ber 2010 nicht ein­füh­ren.

Die Erfah­rung des Bei­gela­de­nen auf dem Dienst­pos­ten als sol­che, d.h. unab­hän­gig von einer Bewer­tung sei­ner Leis­tun­gen und der dar­auf gestütz­ten Eig­nungs­pro­gno­se, kann in einem Aus­wahl­ver­fah­ren nach dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se nicht berück­sich­tigt wer­den. Die Betrau­ung des Bei­gela­de­nen mit der Ver­tre­tung auf dem Dienst­pos­ten beruh­te allein auf einer orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­me; sie erfolg­te nicht auf­grund einer Aus­wahl nach dem Leis­tungs­prin­zip. Die Tätig­keit auf dem Dienst­pos­ten und die dabei gewon­ne­ne Erfah­rung (als sol­che) las­sen sich des­halb nicht den durch Art. 33 Abs. 2 GG und § 3 Abs. 1 SG vor­ge­ge­be­nen per­sön­li­chen Merk­ma­len zuord­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Janu­ar 2013 – 1 WB 60.11

  1. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 09.07.2007 – 2 BvR 206/​07, BVerfGK 11, 398, 402 f. = NVwZ 2007, 1178 = ZBR 2008, 169
  2. vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.04.2007 – 1 WB 31.06, BVerw­GE 128, 329, 335 f. = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 41; und vom 16.12.2008 – 1 WB 19.08, a.a.O. Rn. 36
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 27.01.2010 – 1 WB 52.08, Rn. 29 f., inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 54; und vom 23.02.2010 – 1 WB 36.09, Rn. 27, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 449.2 § 2 SLV 2002 Rn. 27
  4. vgl. zuletzt BVerwG, Beschluss vom 25.09.2012 – 1 WB 44.11, Rn. 28 ff. m.w.N.
  5. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 26.11.1986 – 1 WB 117.86, BVerw­GE 83, 251, 253
  6. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.09.1999 – 1 WB 40, 41 und 42.99, BVerw­GE 111, 22, 23 = Buch­holz 236.1 § 3 SG Nr. 21
  7. vgl. dazu im Ein­zel­nen BVerwG, Beschluss vom 16.12.2008 – 1 WB 39.07, a.a.O. Rn. 42
  8. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.04.2007 – 1 WB 31.06, BVerw­GE 128, 329, 338 = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 41; und vom 16.12.2008 – 1 WB 39.07, a.a.O. Rn. 42; für das Beam­ten­recht Urteil vom 16.08.2001 – 2 A 3.00, BVerw­GE 115, 58, 61 = Buch­holz 232 § 8 BBG Nr. 54
  9. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 18.10.2007 – 1 WB 6.07, Buch­holz 449.2 § 2 SLV 2002 Nr. 9; und vom 23.02.2010 – 1 WB 36.09, a.a.O.
  10. vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.05.2011 – 1 WB 59.10, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 60 Rn. 31 m.w.N.
  11. vgl. dazu BVerwG, Beschluss vom 16.12.2008 – 1 WB 19.08, BVerw­GE 133, 13, 18 f. = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 50 Rn. 46
  12. i.d.F. der Zwei­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der SLV vom 23.09.2009, BGBl I S. 3128
  13. vgl. dazu BVerwG, Beschluss vom 24.01.2012 – 1 WB 30.11, Rn. 24 ff.
  14. vgl. zuletzt BVerwG, Beschluss vom 25.09.2012 – 1 WB 44.11, Rn. 50 m.w.N.