Karls­ru­her Eil­an­trä­ge – und die Fra­ge der Subsidiarität

Der iso­lier­te Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (§ 32 Abs. 1 BVerfGG) ist abzu­leh­nen, wenn eine in der Haupt­sa­che noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig wäre.

Karls­ru­her Eil­an­trä­ge – und die Fra­ge der Subsidiarität

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall auch bereits vor Anhän­gig­keit eines Ver­fah­rens zur Haupt­sa­che [1] einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. 

Dabei müs­sen die Grün­de, wel­che für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me spre­chen, außer Betracht blei­ben, es sei denn, die Haupt­sa­che erweist sich als von vorn­her­ein unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det [2].

Der iso­lier­te Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung (§ 32 Abs. 1 BVerfGG) war daher im hier ent­schie­de­nen Fall abzu­leh­nen, weil eine in der Haupt­sa­che noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig wäre: Eine noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de wür­de dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät nicht genü­gen (§ 90 Abs. 2 BVerfGG). Der Antrag­stel­ler hat den fach­ge­richt­li­chen Rechts­weg nicht erschöpft, da er gegen den ange­grif­fe­nen Bescheid – trotz ent­spre­chen­der Rechts­mit­tel­be­leh­rung – kei­ne Beschwer­de zur Gene­ral­staats­an­walt­schaft ein­ge­legt hat (§ 172 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die begehr­te Ver­wei­sung des Ver­fah­rens an eine „ande­re, unab­hän­gi­ge Staats­an­walt­schaft“ könn­te der Antrag­stel­ler mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Haupt­sa­che ohne­hin von vorn­her­ein nicht erreichen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Okto­ber 2020 – 2 BvQ 78/​20

Karlsruher Eilanträge - und die Frage der Subsidiarität
  1. vgl. BVerfGE 3, 267 <277> 11, 339 <342> 16, 236 <238> 35, 193 <195> 71, 350 <352> 150, 163 <166 Rn. 9> BVerfG, Beschluss vom 01.09.2020 – 2 BvQ 61/​20, Rn. 10; Beschluss vom 23.03.2020 – 2 BvQ 6/​20, Rn. 18; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 89, 344 <345> 92, 130 <133> 118, 111 <122> 143, 65 <87> 145, 348 <356 Rn. 28> 150, 163 <166 Rn. 9> BVerfG, Beschluss vom 17.09.2019 – 2 BvQ 59/​19, Rn. 16; Beschluss vom 23.03.2020 – 2 BvQ 6/​20, Rn. 18; stRspr[]