Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Anhö­rungs­rü­ge

Der aus § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG abge­lei­te­te Grund­satz der mate­ri­el­len Sub­si­dia­ri­tät gebie­tet, dass der Beschwer­de­füh­rer den Rechts­weg nicht ledig­lich for­mell erschöpft, son­dern dar­über hin­aus auch alle nach Lage der Sache zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten ergreift, um die gel­tend gemach­te Grund­rechts­ver­let­zung in dem unmit­tel­bar mit ihr zusam­men­hän­gen­den sach­nächs­ten Ver­fah­ren zu ver­hin­dern oder zu besei­ti­gen 1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Anhö­rungs­rü­ge

Wegen des Grund­sat­zes der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de kann der Beschwer­de­füh­rer gehal­ten sein, eine Gehörs­ver­let­zung im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren auch dann mit einer Anhö­rungs­rü­ge anzu­grei­fen, wenn er mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zwar kei­nen Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG rügen will, die Erhe­bung der Anhö­rungs­rü­ge aber zur Besei­ti­gung ander­wei­ti­ger Grund­rechts­ver­let­zun­gen, durch die sich der Beschwer­de­füh­rer beschwert fühlt, füh­ren könn­te 2.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. März 2016 – 2 BvR 544/​16

  1. vgl. BVerfGE 107, 395, 414; 112, 50, 60; 129, 78, 92; 134, 106, 115; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 134, 106, 115; BVerfGK 19, 23, 24 f.; BVerfG, Beschluss vom 04.05.2015 – 2 BvR 2169/​13, 2 BvR 2170/​13 2[]