Der nur gut­ach­ter­lich täti­ge Arzt

Die selb­stän­di­ge Aus­übung des Berufs des Arz­tes setzt nicht vor­aus, dass die Heil­kun­de auch in Form der Heil­be­hand­lung aus­ge­übt wird.

Der nur gut­ach­ter­lich täti­ge Arzt

Die gut­ach­ter­li­che und fach­lich bera­ten­de Tätig­keit des Arz­tes stellt eben­so eine selb­stän­di­ge Aus­übung die­ses Beru­fes dar 1.

Dem­entspre­chend unter­liegt auch der nur gut­ach­ter­lich täti­ge Arzt grund­sätz­lich der nach § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB straf­be­wehr­ten Ver­schwie­gen­heits­pflicht 2, und das Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht nach § 383 Abs. 1 Nr. 6 ZPO umfasst grund­sätz­lich alle Tat­sa­chen, deren Kennt­nis der Arzt als ärzt­li­cher Sach­ver­stän­di­ger erlangt hat 3. Das kommt auch in § 23c der (Mus­ter)Berufs­ord­nung für die in Deutsch­land täti­gen Ärz­tin­nen und Ärz­te MBOÄ 1997 4 zum Aus­druck, nach der es Ärz­tin­nen und Ärz­ten gestat­tet ist, "mit Ange­hö­ri­gen ande­rer Beru­fe als den in § 23b beschrie­be­nen in allen Rechts­for­men zusam­men zu arbei­ten, wenn sie nicht die Heil­kun­de am Men­schen aus­üben".

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – II ZB 7/​11

  1. Münch­Komm-BGB/­Schä­fer, 6. Aufl., § 1 PartGG Rn. 50 mwN; Meilicke/​Lenz, PartGG, 3. Aufl., § 1 Rn. 40[]
  2. BGH, Urteil vom 28.10.1992 3 StR 367/​92, BGHSt 38, 369, 370 f.[]
  3. BGH, Urteil vom 14.11.1963 – III ZR 19/​63, BGHZ 40, 288, 293 f.[]
  4. in der Fas­sung der Beschlüs­se des 114. Deut­schen Ärz­te­ta­ges 2011, in Kraft ab 3.06.2011[]