Kar­ne­val ohne Kos­tüm ist wie …

"Kar­ne­val ohne Kos­tüm ist wie B… ohne F…" Die­ser Wer­be­slo­gan kos­te­te Kos­tüm­ver­triebs fik­ti­ve Lizenz­kos­ten in Höhe von 10.000, – €.

Kar­ne­val ohne Kos­tüm ist wie …

Das Ober­lan­des­ge­richt sah hier­in eine unbe­fug­te Ver­wer­tung des Namens der Musik­grup­pe zu Wer­be­zwe­cken bejaht, die als – fahr­läs­si­ger – Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht der Grup­pe (§§ 812 Abs. 1 S. 1, 823 Abs. 1 BGB) durch Zah­lung einer ange­mes­se­nen Lizenz­ge­bühr aus­zu­glei­chen war 1.

Indem der Wer­be­text den – so gut wie allen poten­ti­el­len Käu­fern von Kar­ne­vals­kos­tü­men im Ver­brei­tungs­ge­biet der Zei­tung bekann­ten – Namen der Musik­grukppe wit­zig abwan­delt, ver­wen­det er ihn, um für das kom­mer­zi­el­le Ange­bot der Kos­tüm­händ­le­rin Auf­merk­sam­keit zu erzeu­gen und zugleich das posi­ti­ve Image der Grup­pe zur Absatz­för­de­rung zu nut­zen. Damit greift die Wer­bung in die dem Namens­trä­ger vor­be­hal­te­ne Ent­schei­dung ein, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er sei­nen Namen für sol­che Zwe­cke zur Ver­fü­gung stel­len will. Dies gilt unab­hän­gig davon, dass der Text die Grup­pe nicht zusätz­lich irre­füh­rend als Nut­zer der Pro­duk­te und Wer­be­trä­ger (Tes­ti­mo­ni­al) der Kos­tüm­händ­le­rin dar­stellt, son­dern es bei dem Wort­spiel mit ihrem Namen belässt.

Der unbe­fug­te Namens­ge­brauch ist nicht durch vor­ran­gi­ge schutz­wür­di­ge Inter­es­sen der Kos­tüm­händ­le­rin gerecht­fer­tigt, ins­be­son­de­re kann sie sich weder auf die Frei­heit der Kunst (Art. 5 Abs. 3 GG) noch auf ihr Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung (Art. 5 Abs. 1 GG) beru­fen 2. Die Beru­fung macht zu Recht nicht gel­tend, dass der kur­ze, für die Anzei­ge in einer Tages­zei­tung ver­fass­te Wer­be­text ein Sprach­kunst­werk sei, das Ein­drü­cke, Erfah­run­gen und Erleb­nis­se eines schöp­fe­ri­schen Künst­lers zur Anschau­ung brin­ge. Soweit er in ver­frem­de­ter Form die Mei­nungs­äu­ße­rung ent­hal­ten mag, dass der Brauch, sich an Kar­ne­val zu kos­tü­mie­ren, und die (seit inzwi­schen vier­zig Jah­ren im Kar­ne­val und dar­über hin­aus akti­ve) Musik­grup­pe als Musik­grup­pe für die­ses Volks­fest von ähn­lich gro­ßer Bedeu­tung sei­en 3, genügt das – wie schon das Land­ge­richt rich­tig aus­ge­führt hat – nicht, um eine den kom­mer­zi­el­len Zweck der Wer­bung über­la­gern­de Teil­nah­me an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung anzu­neh­men. Dass der rhei­ni­sche Kar­ne­val jedes Jahr im Janu­ar und Febru­ar ein die regio­na­le Öffent­lich­keit bewe­gen­des Ereig­nis ist, stellt auch nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts kei­nen Frei­brief für die Anbie­ter von Kar­ne­vals­ar­ti­keln dar, unge­fragt die Namen bekann­ter Kar­ne­va­lis­ten oder im Kar­ne­val auf­tre­ten­der Musik­grup­pen zur eige­nen Absatz­för­de­rung – wie im Streit­fall – zu instru­men­ta­li­sie­ren.

Im Ergeb­nis bil­ligt das Ober­lan­des­ge­richt Köln auch die Höhe der zah­len­den fik­ti­ven Lizenz­ge­bühr von 10.000, 00 € (§ 286 ZPO).

Min­des­tens die­sen von der Musik­grup­pe gel­tend gemach­ten Betrag hält auch das Ober­lan­des­ge­richt als finan­zi­el­len Aus­gleich für ange­mes­sen und erfor­der­lich 4. In Rede steht eine wäh­rend der lau­fen­den Kar­ne­vals­ses­si­on geschal­te­te groß­for­ma­ti­ge Anzei­ge in der auf­la­gen­stärks­ten regio­na­len Tages­zei­tung des Köln-Bon­ner Raums; hät­te die Musik­grup­pe als Spit­zen­grup­pe (nicht nur) des Köl­ner Kar­ne­vals die wer­be­wirk­sa­me Nut­zung ihres abge­wan­del­ten Namen lizen­zie­ren wol­len, hät­te sie dafür einen (erheb­lich über ihrer übli­chen Gage für einen Sit­zungs­auf­tritt lie­gen­den) Betrag ver­lan­gen kön­nen, der mit der Urteils­sum­me nicht zu hoch bewer­tet ist. Dabei kann der Kos­tüm­händ­le­rin als Rechts­ver­let­ze­rin nicht zu Gute kom­men, dass eine ent­spre­chen­de Lizenz­ver­ein­ba­rung wahr­schein­lich nie­mals abge­schlos­sen wor­den wäre, weil die Grup­pe nicht für kom­mer­zi­el­le Wer­bung zur Ver­fü­gung steht (und auch den Urteils­be­trag nicht selbst ver­ein­nah­men will, son­dern einem Sozi­al­pro­jekt zuge­dacht hat).

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 28. Mai 2010 – 6 U 9/​10

  1. vgl. BGHZ 30, 7 = GRUR 1959, 430 [431] – Cate­ri­na Valen­te; BGHZ 81, 75 = GRUR 1981, 846 [847] – Renn­sport­ge­mein­schaft; GRUR 2009, 1085 = WRP 2009, 1269 – Wer wird Mil­lio­när?[]
  2. vgl. zur Abwä­gung mit dem Namens- oder Mar­ken­recht BGH, GRUR 2005, 583 [584] = WRP 2005, 896 – Lila Post­kar­te; GRUR 2008, 1124 = WRP 2008, 1524 – Zer­knit­ter­te Ziga­ret­ten­schach­tel; WRP 2008, 1527 = NJOZ 2008, 4549 – Zwei Ziga­ret­ten­schach­teln; GRUR 2009, 1085 = WRP 2009, 1269 – Wer wird Mil­lio­när?; GRUR 2010, 161 [164; 166] = WRP 2010, 252 – Gib mal Zei­tung; Ober­lan­des­ge­richt, MD 2009, 496 [500] – Rol­ler sucht Deutsch­lands häss­lichs­tes Jugend­zim­mer[]
  3. vgl. aus kul­tur­his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve Mattha­ei, Der köl­sche Jeck [2009], S. 324 ff.[]
  4. vgl. zur Üblich­keit deut­lich höhe­rer fünf- bis sechs­stel­li­ger Beträ­ge in Fäl­len über­re­gio­na­ler Wer­bung BGH, GRUR 2008, 1124 = WRP 2008, 1524 – Zer­knit­ter­te Ziga­ret­ten­schach­tel, WRP 2008, 1527 = NJOZ 2008, 4549 – Zwei Ziga­ret­ten­schach­teln; GRUR 2009, 1085 = WRP 2009, 1269 – Wer wird Mil­lio­när?[]