Zustel­lung

Die Vor­schrift des § 167 ZPO ist kei­ne rein pro­zess­recht­li­che Norm. Sie schützt den Ver­an­las­ser der Zustel­lung vor Rechts­ver­lus­ten durch Umstän­de, die nicht in sei­ner Sphä­re lie­gen 1. Sie berück­sich­tigt zugleich das schutz­wür­di­ge Ver­trau­en des Zustel­lungs­adres­sa­ten dar­auf, eine durch Frist­ab­lauf – ver­meint­lich schon – erlang­te Rechts­po­si­ti­on nicht zeit­lich unbe­grenzt wie­der auf­ge­ben zu müs­sen 2. Der Begriff "dem­nächst" ist des­halb ohne eine abso­lu­te zeit­li­che Gren­ze unter Rück­griff auf die­se Schutz­gü­ter aus­zu­le­gen 3.

Zustel­lung

Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall ist die Kla­ge der Beklag­ten am 25.02.2011 zuge­stellt wor­den. Zu die­sem Zeit­punkt war die drei­wö­chi­ge Kla­ge­frist für die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge län­ger als zwei Mona­te ver­stri­chen. Die beklag­te GbR hat­te aller­dings in Per­son ihrer – ursprügn­lich mit­ver­klag­ten – Gesell­schaf­te­rin am 16.12 2010 Kennt­nis von der Kla­ge­er­he­bung erlangt. Die Kla­ge­frist nach § 4 BAGchG soll gewähr­leis­ten, dass der Arbeit­ge­ber als­bald nach Zugang der Kün­di­gung erfährt, ob sich der Arbeit­neh­mer gegen die­se zur Wehr set­zen will 4. Die­sem Zweck war hier durch die Zustel­lung der Kla­ge­schrift nebst Anla­gen an die – ver­tre­tungs­be­rech­tig­te – Gesell­schaf­te­rin der Beklag­ten Genü­ge getan. Die­se hat ihre Kla­ge­er­wi­de­rung im Übri­gen unter dem Brief­kopf der Beklag­ten ver­fasst und dadurch zum Aus­druck gebracht, dass auch sie die Kla­ge als gegen die jet­zi­ge Beklag­te gerich­tet ver­stan­den hat.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 2 AZR 1057/​12

  1. BGH 11.07.2003 – V ZR 414/​02, zu III 2 der Grün­de[]
  2. Münch­Komm-ZPO/Häub­lein 4. Aufl. § 167 Rn. 1; Zöller/​Greger ZPO 30. Aufl. § 167 Rn. 1[]
  3. BGH 11.07.2003 – V ZR 414/​02, aaO[]
  4. BAG 12.02.2004 – 2 AZR 136/​03, zu B I 2 der Grün­de[]