Der Zeit­punkt des Vor­steu­er­ab­zugs

Das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug ist für den Vor­anmel­dungs­zeit­raum (Besteue­rungs­zeit­raum) aus­zu­üben, in dem das Abzugs­recht ent­stan­den ist und die Aus­übungs­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.

Der Zeit­punkt des Vor­steu­er­ab­zugs

Nach § 16 Abs. 2 Satz 1 UStG sind von "der nach Absatz 1 berech­ne­ten Steu­er … die in den Besteue­rungs­zeit­raum fal­len­den, nach § 15 abzieh­ba­ren Vor­steu­er­be­trä­ge abzu­set­zen". Danach hat der Unter­neh­mer die Vor­steu­er in dem Besteue­rungs­zeit­raum abzu­zie­hen, in dem sie ent­stan­den ist 1. Er kann sie nicht in spä­te­ren Besteue­rungs­zeit­räu­men gel­tend machen 2.

Damit ent­spricht das natio­na­le Recht der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on, der mit sei­nem Urteil "Ter­ra Bau­be­darf" 3 ent­schie­den hat, dass das Vor­steu­er­ab­zugs­recht für den Erklä­rungs­zeit­raum aus­zu­üben ist, in dem die Lie­fe­rung oder die Dienst­leis­tung bewirkt wur­de und in dem der Steu­er­pflich­ti­ge die Rech­nung oder das Doku­ment besitzt, das nach den von den Mit­glied­staa­ten fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en als Rech­nung betrach­tet wer­den kann.

Ein für den Steu­er­pflich­ti­gen bestehen­des Wahl­recht, den Vor­steu­er­ab­zug alter­na­tiv auch in einem spä­te­ren Besteue­rungs­zeit­raum gel­tend zu machen, ergibt sich auch nicht aus dem Uni­ons­recht 4.

Denn nach Art. 179 MwSt­Sys­tRL wird der "Vor­steu­er­ab­zug … vom Steu­er­pflich­ti­gen glo­bal vor­ge­nom­men, indem er von dem Steu­er­be­trag, den er für einen Steu­er­zeit­raum schul­det, den Betrag der Mehr­wert­steu­er absetzt, für die wäh­rend des glei­chen Steu­er­zeit­raums das Abzugs­recht ent­stan­den ist und gemäß Arti­kel 178 aus­ge­übt wird." Auch hier­aus ergibt sich ein Abzugs­recht nur für den Besteue­rungs­zeit­raum, für den auch die Aus­übungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind.

Das als Aus­übungs­vor­aus­set­zung für den Vor­steu­er­ab­zug von Ein­fuhr­um­satz­steu­er gemäß Art. 178 Buchst. e MwSt­Sys­tRL maß­geb­li­che Doku­ment, das den Steu­er­pflich­ti­gen als Emp­fän­ger der Lie­fe­rung oder als Impor­teur aus­weist, ergab sich im Streit­fall aus den Abga­ben­be­schei­den vom 26., 27. und 30.06.2008 sowie vom 01.07.2008, so dass die Aus­übungs­vor­aus­set­zun­gen bereits in die­sem Jahr und nicht erst im Streit­jahr (2009) vor­la­gen.

Ein Wahl­recht kann auch nicht aus Art. 180 MwSt­Sys­tRL abge­lei­tet wer­den. Danach kön­nen die Mit­glied­staa­ten einem Steu­er­pflich­ti­gen gestat­ten, "einen Vor­steu­er­ab­zug vor­zu­neh­men, der nicht gemäß den Arti­keln 178 und 179 vor­ge­nom­men wur­de." Die­se Ermäch­ti­gung hat der natio­na­le Gesetz­ge­ber aber nicht aus­ge­übt.

Auch inso­weit liegt kein Ver­stoß gegen das Uni­ons­recht vor. Der Uni­ons­ge­richts­hof hat viel­mehr aus­drück­lich ent­schie­den, dass das Abzugs­recht grund­sätz­lich "wäh­rend des glei­chen Zeit­raums" aus­ge­übt wird, in dem es ent­stan­den ist, dass die Mit­glied­staa­ten ver­lan­gen kön­nen, dass das Abzugs­recht wäh­rend des Zeit­raums, in dem es ent­stan­den ist, aus­ge­übt wird und dass die Mög­lich­keit, das Abzugs­recht ohne jede zeit­li­che Beschrän­kung aus­zu­üben, dem Grund­satz der Rechts­si­cher­heit zuwi­der­lie­fe 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Febru­ar 2014 – V R 8/​13

  1. BFH, Urteil vom 01.12 2010 – XI R 28/​08, BFHE 233, 53, BSt­Bl II 2011, 994, Leit­satz 1[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 233, 53, BSt­Bl II 2011, 994, unter II. 1.a[]
  3. EuGH, Urteil vom 29.04.2004 – C‑152/​02, Ter­ra Bau­be­darf, Slg. 2004, I‑5583[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 233, 53, BSt­Bl II 2011, 994, unter II. 1.b[]
  5. vgl. EuGH, Urteil vom 08.05.2008 – C‑95/​07 und – C‑96/​07, Ecotra­de SpA, Slg. 2008, I‑3457, Rdnrn. 41 ff.[]