Beding­ter Tötungs­vor­satz – Wis­sen und Wol­len

Beding­ten Tötungs­vor­satz hat, wer den Ein­tritt des Todes als mög­li­che Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und bil­li­gend in Kauf nimmt (Wil­lens­ele­ment).

Beding­ter Tötungs­vor­satz – Wis­sen und Wol­len

Bei­de Ele­men­te müs­sen durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den. Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­um­stän­de erfol­gen1.

Die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ist dabei ein wesent­li­cher Indi­ka­tor für das Vor­lie­gen bei­der Ele­men­te des beding­ten Tötungs­vor­sat­zes2.

Hin­sicht­lich des Wil­lens­ele­ments sind neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se regel­mä­ßig auch die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on in die erfor­der­li­che umfas­sen­de Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen3.

Lie­gen Anhalts­punk­te dafür vor, dass der Täter die Gefahr des Ein­tritts eines töd­li­chen Erfolgs aus­nahms­wei­se nicht erkannt oder jeden­falls dar­auf ver­traut hat, ein sol­cher Erfolg wer­de nicht ein­tre­ten, ist der Tatrich­ter ver­pflich­tet, sich hier­mit aus­ein­an­der zu set­zen4. Bezugs­punkt der Prü­fung des beding­ten Tötungs­vor­sat­zes ist dabei die kon­kre­te Tat­hand­lung, die nach dem Vor­stel­lungs­bild des Täters den Ein­tritt des tat­be­stands­mä­ßi­gen Erfol­ges her­bei­füh­ren soll.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2016 – 2 StR 484/​14

  1. BGH, Urteil vom 16.09.2015 – 2 StR 483/​14, NStZ 2016, 25, 26; BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 702
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.01.2015 – 5 StR 435/​14, NStZ 2015, 216
  3. BGH, Urteil vom 11.10.2000 – 3 StR 321/​00, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 51
  4. BGH, Urteil vom 16.09.2015 – 2 StR 483/​14, NStZ 2016, 25, 26