Das nicht ver­le­se­ne Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Wird ein nicht ver­le­se­nes Schrift­stück ohne einen Hin­weis auf eine bestä­ti­gen­de Erklä­rung einer in der Haupt­ver­hand­lung ver­nom­me­nen Aus­kunfts­per­son im Urteil wört­lich wie­der­ge­ben, so deu­tet schon dies in der Regel dar­auf hin, dass der Wort­laut selbst zum Zwe­cke des Bewei­ses ver­wer­tet wor­den ist und nicht nur eine gege­be­nen­falls auf einen Vor­halt abge­ge­be­ne Bekun­dung 1.

Das nicht ver­le­se­ne Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Unge­ach­tet des­sen ist im hier ent­schie­de­nen Fall den Urteils­grün­den ein Anhalt dafür, dass die Sach­ver­stän­di­ge auf einen Vor­halt hin eine das schrift­li­che Gut­ach­ten bestä­ti­gen­de Erklä­rung abge­ge­ben hat, nicht zu ent­neh­men. Zudem ent­hält das vor­lie­gend in dem Urteil wört­lich zitier­te schrift­li­che Gut­ach­ten umfang­rei­che, sowohl inhalt­lich wie sprach­lich kom­plex gestal­te­te Text­pas­sa­gen, in denen nicht nur die ver­gli­che­nen Unter­schrif­ten bild­lich dar­ge­stellt, son­dern auch im Ein­zel­nen bewer­tet wer­den.

Die Ein­zel­hei­ten die­ses Gut­ach­tens, ins­be­son­de­re der genaue Wort­laut, kön­nen nach der Lebens­er­fah­rung von einer Sach­ver­stän­di­gen auf Vor­halt nicht wie­der­ge­ge­ben wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof schließt daher aus, dass das Land­ge­richt den Wort­laut der im Urteil zitier­ten Abschnit­te des Gut­ach­tens auf­grund der Anga­ben der Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stellt hat.

Die Rüge des Ange­klag­ten, das Land­ge­richt habe sei­ne Über­zeu­gung ent­ge­gen § 261 StPO nicht aus dem Inbe­griff der Haupt­ver­hand­lung geschöpft, hat­te hier im Ergeb­nis gleich­wohl kei­nen Erfolg, da der Bun­des­ge­richts­hof aus­schloss, dass das Urteil auf die­sem Ver­fah­rens­feh­ler beruht. Die Straf­kam­mer hat die münd­li­chen Aus­füh­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen in all­ge­mei­ner Form geschil­dert.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juli 2015 – 2 StR 38/​15

  1. BGH, Urteil vom 06.09.2000 – 2 StR 190/​00, NStZ-RR 2001, 18[]