Rechts­mit­tel­ver­zicht – ohne Rück­spra­che mit dem Ver­tei­di­ger

Dass ein Ange­klag­te habe vor sei­ner Erklä­rung kei­ne Rück­spra­che mit sei­nen Ver­tei­di­gern gehal­ten hat, steht der Wirk­sam­keit des Rechts­mit­tel­ver­zichts nicht ent­ge­gen.

Rechts­mit­tel­ver­zicht – ohne Rück­spra­che mit dem Ver­tei­di­ger

Zwar ent­spricht es gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass durch das Gericht dem Ange­klag­ten vor Erklä­rung eines Rechts­mit­tel­ver­zichts Gele­gen­heit gege­ben wer­den muss, sich mit sei­nem Ver­tei­di­ger zu bespre­chen, oder dass der Ver­tei­di­ger Gele­gen­heit erhal­ten muss, sei­nen Man­dan­ten zu bera­ten 1.

Ein bin­den­der Rechts­mit­tel­ver­zicht wird des­halb nicht ange­nom­men, solan­ge der Ange­klag­te oder sein Ver­tei­di­ger zu erken­nen geben, dass sie die Fra­ge des Ver­zichts noch mit­ein­an­der oder mit Drit­ten erör­tern wol­len 2.

Sol­che Umstän­de sind hier jedoch weder vor­ge­bracht noch sonst ersicht­lich. Anstatt Erör­te­rungs­be­darf hin­sicht­lich der Fra­ge des Rechts­mit­tel­ver­zichts anzu­mel­den, haben die Ver­tei­di­ger nach der ein­deu­ti­gen und unmiss­ver­ständ­li­chen Erklä­rung des Ange­klag­ten, er ver­zich­te auf die Ein­le­gung von Rechts­mit­teln, kei­ne Erklä­rung abge­ge­ben. Es gibt des­halb nach dem Vor­trag der Revi­si­on kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass das Land­ge­richt dem Ange­klag­ten einen Rechts­mit­tel­ver­zicht ohne vor­he­ri­ge Bera­tung mit sei­nem Ver­tei­di­ger abver­langt oder ihm jeden­falls vor der Ver­zichts­er­klä­rung kei­ne Gele­gen­heit gege­ben hät­te, sich mit sei­nen Ver­tei­di­gern zu bespre­chen 3.

Auch ein in emo­tio­na­ler Auf­ge­wühlt­heit erklär­ter Rechts­mit­tel­ver­zicht ist wirk­sam 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2017 – 3 StR 545/​16

  1. BGHSt 45, 51, 57 m. w. N.; vgl. auch BVerfG NStZ-RR 2008, 209, 210 f.[]
  2. vgl. BVerfG a. a. O.; BGHSt 18, 257, 260; BGH NStZ 2014, 533, 534[]
  3. vgl. hier­zu BGH NStZ 2014, 533, 534; NStZ 2000, 441, 442[]
  4. vgl. BGH NStZ 2014, 533, 534; BGH, Beschluss vom 20.04.2004, 1 StR 14/​04, bei Becker NStZ-RR 2005, 257, 261[]