Stich­ver­let­zun­gen wegen aus­ge­blie­be­ner Schul­den­zah­lung

Ist es wegen Arbeits­lo­sig­keit nicht mög­lich, gelie­he­nes Geld zurück­zu­zah­len, ist das kein Grund, auf den­je­ni­gen ein­zu­ste­chen und erheb­lich zu ver­let­zen.

Stich­ver­let­zun­gen wegen aus­ge­blie­be­ner Schul­den­zah­lung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen 26 Jah­re alten Mün­che­ner wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu einer Frei­heits­stra­fe von 2 Jah­ren und 8 Mona­ten ver­ur­teilt. Zum Kauf eines Quad-Flit­zers hat­te der Ange­klag­te sei­nem Freund die Sum­me von 2.300,00 Euro gelie­hen. Die Rück­zah­lung fand nicht statt, da der Freund arbeits­los wur­de. Von der Arbeits­lo­sig­keit und den damit ver­bun­de­nen Schwie­rig­kei­ten mit der Rück­zah­lung hat der Freund dem Ange­klag­ten zwei Tage vor der Kör­per­ver­let­zung erzählt. Bei einem Tref­fen der bei­den am 9. Juli 2016 in einer Park­an­la­ge am Scharfrei­ter­platz in Mün­chen gerie­ten sie in Streit über die Geld­schul­den. Der Streit eska­lier­te und der Ange­klag­te würg­te den Geschä­dig­ten am Hals und drück­te dabei so stark zu, dass der Geschä­dig­te Punkt­blu­tun­gen am Hals, an den Augen und der Mun­din­nen­höh­le erlitt und in Lebens­ge­fahr geriet. Der Geschä­dig­te ver­lor kurz­zei­tig fast das Bewusst­sein. Außer­dem wur­den dem Geschä­dig­ten mit einem schar­fen drei­ecki­gen Gegen­stand meh­re­re Schnitt- und Stich­ver­let­zun­gen zuge­fügt. Der Ange­klag­te ver­such­te auch, den lin­ken klei­nen Fin­ger des Geschä­dig­ten mit dem schar­fen Gegen­stand abzu­tren­nen. Der Geschä­dig­te erlitt hier­durch eine cir­ca 1 mm tie­fe sowie 1,5 cm lan­ge Schnitt­ver­let­zung am Klein­fin­ger­end­ge­lenk. Die her­bei­ge­ru­fe­ne Poli­zei hat die Aus­ein­an­der­set­zung been­det. Am glei­chen Tag konn­te der Geschä­dig­te das Kran­ken­haus ver­las­sen, wäh­rend der Ange­klag­te in Unter­su­chungs­haft kam.

Der Ange­klag­te hat sich noch vor der Haupt­ver­hand­lung schrift­lich ent­schul­digt. Dar­über hin­aus sind dem Freund im Rah­men eines Täter-Opfer­aus­gleichs die Schul­den vom Täter erlas­sen wor­den und die­ser hat sich ver­pflich­tet, an das Opfer 3.000,00 Euro zu zah­len. Die­se Zah­lung hat er auch tat­säch­lich am Tag vor der Sit­zung über­wie­sen.

Im Gegen­satz zum Straf­ver­fah­ren sol­len sich die betei­lig­ten Par­tei­en beim Täter-Opfer-Aus­gleich nicht als Geg­ner anse­hen. Viel­mehr wird gemein­sam ein Aus­gleich des Kon­flik­tes ange­strebt. Dabei ist die Zustim­mung von bei­den Sei­ten eine Grund­vor­aus­set­zung des Täter-Opfer-Aus­gleichs. Es fin­det zwi­schen Täter und Opfer Kom­mu­ni­ka­ti­on statt. Gemein­sam wird über das Gesche­he­ne gespro­chen. Jeder der Betei­lig­ten schil­dert, wie das Tat­ge­sche­hen erlebt wur­de und wel­che Kon­se­quen­zen dar­aus für die Per­son resul­tier­ten. So sol­len die Betei­lig­ten zu einer dau­er­haf­ten und Frie­den stif­ten­den Lösung des Kon­flik­tes gelan­gen. Alles geschieht frei­wil­lig. Der Täter-Opfer-Aus­gleich ist ein Ange­bot, das jeder­zeit abge­lehnt wer­den kann. Gera­de das Opfer muss zu die­ser außer­ge­richt­li­chen Schlich­tung bereit sein – aber auch beim Täter muss die Frei­wil­lig­keit vor­lie­gen. Es fin­den getrenn­te Vor­ge­sprä­che statt, in denen der Ver­fah­rens­ab­lauf erklärt wird. Bei­de Sei­ten haben dadurch Zeit, sich den Täter-Opfer-Aus­gleich noch ein­mal zu über­le­gen. Sicher­lich ist es sinn­voll, wenn sich der Täter mit sei­nem Rechts­an­walt in die­ser Sache berät. Der Täter-Opfer-Aus­gleich ist nicht regio­nal begrenzt, er ist in der gesam­ten Bun­des­re­pu­blik mög­lich. Daher kann sowohl ein Rechts­an­walt in Ber­lin als auch ein Jurist in Mün­chen dem Betrof­fe­nen zur Sei­te ste­hen. So kön­nen sämt­li­che offe­nen Fra­gen bezüg­lich des Ablaufs aus­ge­räumt wer­den.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall hat das Amts­ge­richt Mün­chen bei sei­ner Beur­tei­lung zuguns­ten des Ange­klag­ten den durch­ge­führ­ten Täter-Opfer-Aus­gleich berück­sich­tigt. Auch die Tat­sa­che, dass der Freund des Ange­klag­ten kei­ner­lei Inter­es­se an einer Bestra­fung des Ange­klag­ten hat­te, fand Berück­sich­ti­gung.

Dage­gen wer­te­te das Amts­ge­richt Mün­chen zu Las­ten des Ange­klag­ten, dass die­ser über einen län­ge­ren Zeit­raum auf den Geschä­dig­ten ein­wirk­te und dabei mehr­fach auf den Geschä­dig­ten ein­stach. Der Geschä­dig­te hat erheb­li­che Ver­let­zun­gen davon getra­gen und es wer­den dem Geschä­dig­ten dau­er­haft Nar­ben ver­blei­ben.

Aus die­sen Grün­den hat das Amts­ge­richt Mün­chen den Ange­klag­ten wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu einer Frei­heits­stra­fe von 2 Jah­ren und 8 Mona­ten ver­ur­teilt.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 27. Okto­ber 2016 – 832 Ls 238 Js 183812/​16