Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Urteils­grün­de

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss bei einer Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung in den Urteils­grün­den regel­mä­ßig neben dem kon­kre­ten Tat­ge­sche­hen auch die Berech­nung der ver­kürz­ten Steu­ern im Ein­zel­nen nach­voll­zieh­bar dar­ge­stellt sein.

Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Urteils­grün­de

Dies erfor­dert ins­be­son­de­re, dass die­je­ni­gen Para­me­ter, die maß­geb­li­che Grund­la­ge für die Steu­er­be­rech­nung sind (Besteue­rungs­grund­la­gen), im Urteil mit­ge­teilt wer­den1. Bei – wie hier – unbe­rech­tig­tem Steu­er­aus­weis i.S.v. § 14c Abs. 2 UStG bedarf es dabei auch der Anga­be, zu wel­chem Zeit­punkt und in wel­cher Höhe die Steu­er ent­stan­den ist2.

Dar­an fehl­te es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Das Land­ge­richt teilt ledig­lich mit, in wel­cher Gesamt­hö­he Vor­steu­er­be­trä­ge aus Schein­rech­nun­gen zu Unrecht ent­ge­gen § 15 UStG gel­tend gemacht wor­den sind. Es feh­len jedoch Fest­stel­lun­gen dazu, von wel­chen unbe­rech­tig­ten Steu­er­be­trä­gen i.S.d. § 14c Abs. 2 UStG das Land­ge­richt aus­ge­gan­gen ist und wann die zugrun­de lie­gen­den Schein­rech­nun­gen aus­ge­ge­ben wor­den sind3, zu wel­chem Zeit­punkt die Steu­er also tat­säch­lich ent­stan­den ist (vgl. § 13 Abs. 1 Nr. 3 UStG bzw. § 13 Abs. 1 Nr. 4 UStG aF). Der Bun­des­ge­richts­hof kann daher bereits nicht nach­prü­fen, ob eine Steu­er­ver­kür­zung ein­ge­tre­ten ist und damit der objek­ti­ve Tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung (§ 370 AO) erfüllt ist.

Die sub­jek­ti­ve Tat­sei­te der Steu­er­hin­ter­zie­hung ist in den Urteils­grün­den eben­falls nicht trag­fä­hig belegt.

Das Land­ge­richt nimmt beding­ten Tat­vor­satz an und geht dabei davon aus, dass der Ange­klag­te trotz der bei ihm vor­lie­gen­den Intel­li­genz­min­de­rung mit ein­her­ge­hen­der Leg­asthe­nie erkannt habe, dass er kei­nen Han­del mit Kup­fer­ka­tho­den getrie­ben und auch kei­ne ent­spre­chen­den Umsät­ze erwirt­schaf­tet sowie dass er bewusst unzu­tref­fen­de Aus­gangs­rech­nun­gen mit aus­ge­wie­se­ner Umsatz­steu­er unter­zeich­net hat. Auf­grund sei­ner Gewer­be­an­mel­dung im Jahr 2010 sei ihm zudem bekannt gewe­sen, zur Abga­be zutref­fen­der Jah­res­um­satz­steu­er­erklä­run­gen ver­pflich­tet zu sein. Die­se Annah­men las­sen sich jedoch nicht ohne wei­te­res mit den Fest­stel­lun­gen des inso­weit sach­ver­stän­dig bera­te­nen Land­ge­richts zur Schuld­fä­hig­keit des Ange­klag­ten ver­ein­ba­ren. Danach lie­gen beim Ange­klag­ten nicht nur eine Leg­asthe­nie und Ein­schrän­kun­gen der Merk­fä­hig­keit vor, viel­mehr lei­det die­ser an einer Intel­li­genz­min­de­rung von mitt­le­rer bis schwe­rer Aus­prä­gung, so dass sowohl das Merk­mal des Schwach­sinns als auch das­je­ni­ge der krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung i.S.d. § 20 StGB erfüllt sei­en und des­halb eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Ein­sichts­fä­hig­keit des Ange­klag­ten nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne. Aus­ge­hend hier­von hät­te es nähe­rer Dar­le­gung bedurft, auf wel­che Umstän­de das Land­ge­richt sei­ne Über­zeu­gung stützt, dass der Ange­klag­te sei­ne Ver­pflich­tung erkannt hat, auch die in den Schein­rech­nun­gen jeweils aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er in die Steu­er­erklä­run­gen auf­zu­neh­men, aber von einer Gel­tend­ma­chung ent­spre­chen­der Vor­steu­er­be­trä­ge abzu­se­hen.

Rechts­feh­ler­haft offen bleibt zudem, ob die für einen Schuld­vor­wurf beim Ange­klag­ten erfor­der­li­che Unrechts­ein­sicht im kon­kre­ten Fall vor­han­den war; die Fest­stel­lung einer erheb­li­chen Beein­träch­ti­gung der Ein­sichts­fä­hig­keit genügt inso­weit nicht4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2019 – 1 StR 485/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.10.2018 – 1 StR 538/​17, NStZ-RR 2019, 79 f.; und vom 26.04.2001 – 5 StR 448/​00, wis­tra 2001, 308, jeweils mwN []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.10.2018 – 1 StR 538/​17, NStZ-RR 2019, 79 f. []
  3. vgl. BGH aaO []
  4. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 07.11.2018 – 5 StR 449/​18, NStZ 2019, 78 f. mwN []