Wert­er­satz nach Rück­tritt vom Bau­ver­trag

Der vom Bestel­ler nach Rück­tritt von einem Bau­ver­trag geschul­de­te Wert­er­satz für die bei ihm ver­blei­ben­de Bau­leis­tung ist auf der Grund­la­ge des Werk­lohns zu ermit­teln 1.

Wert­er­satz nach Rück­tritt vom Bau­ver­trag

Ein Man­gel des Wer­kes ist durch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 638 Abs. 3 BGB zu berück­sich­ti­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof 2 hat ent­schie­den, dass im Fal­le des Rück­tritts wegen Zah­lungs­ver­zugs bei der Berech­nung des Wert­er­sat­zes die im Ver­trag bestimm­te Gegen­leis­tung zu Grun­de zu legen ist. Eine Nicht­an­wen­dung des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB auf Grund einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on in dem Fall, dass der objek­ti­ve Wert der Leis­tung, für die Wert­er­satz geschul­det wird, höher ist als der Wert der Gegen­leis­tung, hat der Bun­des­ge­richts­hof abge­lehnt 3. Für den umge­kehr­ten Sach­ver­halt gilt nichts ande­res 4.

Die Rege­lung des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB unter­schei­det hin­sicht­lich der Art der Berech­nung des Wert­er­sat­zes nicht nach dem zugrun­de lie­gen­den Rück­tritts­grund. Auch bei einem Rück­tritt wegen einer man­gel­haf­ten Leis­tung ist des­halb von einer Berech­nung des Wert­er­sat­zes aus­zu­ge­hen, wie sie der VIII. Zivil­Bun­des­ge­richts­hof 5 ange­nom­men hat.

Den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ist kein Hin­weis dar­auf zu ent­neh­men, dass bei einem Rück­tritt wegen einer man­gel­haf­ten Leis­tung deren objek­ti­ver Wert ent­ge­gen dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB bei der Berech­nung des Wert­er­sat­zes zu Grun­de zu legen ist. Im Gegen­teil: § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB hat sei­ne Aus­ge­stal­tung gera­de im Hin­blick auf einen Rück­tritt wegen eines Man­gels erhal­ten. Nach dem Regie­rungs­ent­wurf soll­te sich die Wert­er­satz­pflicht nach der im Ver­trag bestimm­ten Gegen­leis­tung rich­ten; nur bei Feh­len einer sol­chen Bestim­mung soll­ten die objek­ti­ven Wert­ver­hält­nis­se ent­schei­dend sein 6. Auf Emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses des Bun­des­ra­tes wur­de die For­mu­lie­rung des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB geän­dert, weil bei einem Rück­tritt wegen eines Man­gels die Gegen­leis­tung nur als Aus­gangs­punkt der Berech­nung des Wert­er­sat­zes die­nen kön­ne 7.

Im Hin­blick auf die damit § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB zugrun­de lie­gen­de Wert­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers kommt eine Berech­nung des Wert­er­sat­zes nach dem objek­ti­ven Wert der Leis­tung 8 nicht in Betracht 9.

Erfolgt der Rück­tritt wegen eines Man­gels und kann die emp­fan­ge­ne Leis­tung nicht zurück­ge­ge­ben wer­den, muss der Man­gel bei der Bemes­sung des Wert­er­sat­zes berück­sich­tigt wer­den. Dabei ist fol­ge­rich­tig von den­sel­ben Grund­sät­zen wie bei der Min­de­rung aus­zu­ge­hen und dem­entspre­chend eine Her­ab­set­zung in Ana­lo­gie zu § 441 Abs. 3 bzw. § 638 Abs. 3 BGB vor­zu­neh­men.

Der Vor­schrift des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB ist die Berech­nung des Wert­er­sat­zes im Fal­le des Rück­tritts wegen einer man­gel­haf­ten Leis­tung nicht unmit­tel­bar zu ent­neh­men. Nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ist Aus­gangs­punkt der Berech­nung die für die man­gel­freie Leis­tung ver­ein­bar­te Gegen­leis­tung 7, weil an den ver­trag­li­chen Bewer­tun­gen grund­sätz­lich fest­ge­hal­ten wer­den soll 6. Für eine Kür­zung des als Gegen­leis­tung ver­ein­bar­ten Ent­gelts um den Gewinn­an­teil aus Wer­tungs­ge­sichts­punk­ten 10 ist daher und des­halb, weil die Rege­lun­gen über die Rück­ab­wick­lung eines Ver­trags auf­grund eines ver­trag­li­chen oder gesetz­li­chen Rück­tritts kei­nen Sank­ti­ons­cha­rak­ter haben 5, kein Raum.

Der Man­gel der Leis­tung ist viel­mehr bei der Berech­nung des Wert­er­sat­zes durch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 441 Abs. 3 bzw. § 638 Abs. 3 BGB zu berück­sich­ti­gen, wie dies auch der in der Lite­ra­tur nahe­zu ein­hel­lig ver­tre­te­nen Mei­nung ent­spricht 11. Nur damit wird gewähr­leis­tet, dass im Rah­men der Rück­ab­wick­lung das zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Ver­hält­nis von Leis­tung und Gegen­leis­tung ent­spre­chend der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on unver­än­dert bleibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juli 2011 – VII ZR 113/​10

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, BGHZ 178, 355[]
  2. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, BGHZ 178, 355[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, BGHZ 178, 355, Rn. 13 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, aaO Rn. 15[]
  5. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, aaO[][]
  6. Begrün­dung der Bun­des­re­gie­rung zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts, BT-Drucks. 14/​6857, S. 781[][]
  7. Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes, Anla­ge 2 zu BT-Drucks. 14/​6857, S. 22, Ziff. 71[][]
  8. so aber Koh­ler, JZ 2002, 682, 689 f.[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 311/​07, aaO[]
  10. so Palandt/​Grüneberg, BGB, 70. Aufl., § 346 Rn. 10[]
  11. vgl. Münch­Komm-BGB/Gai­er, 5. Aufl., § 346 Rn. 45; Staudinger/​Kaiser [2004], § 346 Rn. 104 f.; Faust in: juris­PK-BGB, 5. Aufl., § 346 Rn. 81 f.; A. Röthel in: Erman, BGB, 12. Aufl., § 346 Rn. 15; Gro­the in: Beck­OK BGB, Stand: 01.02.2007, § 346 Rn. 46; Hager in: AnwK­BGB, § 346 Rn. 46; PWW/​Medicus/​Stürner, 6. Aufl., § 346 Rn. 9; Faust in: Huber/​Faust, Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rung, 2002, 10. Kap. Rn. 11; Rolland in: Haas/​Medicus/​Rolland/​Schäfer/​Wendlandt, Das neue Schuld­recht, 2002, § 4 Rn. 49; Schwab in: Schwab/​Witt, Ein­füh­rung in das neue Schuld­recht, 2002, S.196 f.; Arnold/​Dötsch, NJW 2003, 187, 188; Gai­er, WM 2002, 1, 9 f.; Kai­ser, JZ 2001, 1057, 1059[]